Bildung soll nicht baden gehen

Protest Schüler machten am Freitag ihrem Ärger über verfehlte Politik Luft

Was nach einem gemütlichen Tag am Strand aussah, spielte sich gestern mitten in der Chemnitzer Innenstadt ab und hatte vielmehr symbolischen Charakter: Ausgerüstet mit Schwimmflügeln, Taucherbrillen und Wasserbällen machten Schüler aus Chemnitz und der Region unter dem Motto "Unsere Bildung geht baden - und wir mit ihr" ihrem Ärger über die verfehlte Bildungspolitik Luft. Damit folgten sie den 15.000 sächsischen Lehrerinnen und Lehrern, die bereits im September vor dem Landtag in Dresden für bessere gesetzliche Rahmenbedingungen auf die Straße gingen. "Neben dem Sanierungsstau an Schulen müssen wir auch den Fachkräftemangel im Bildungsbereich beklagen", erklärte Anja Klotzbüch vom Länderschülerrat und Schülerin des André-Gymnasiums. Eine Folge des Lehrermangels sei die Zusammenlegung von Klassen, wobei die Bildungsqualität und eine individuelle Förderung auf der Strecke blieben. Erst ab 29 Schülern wird eine Klasse wieder geteilt. Zudem habe es der Freistaat versäumt, vor allem junge Lehrer einzustellen, die mit neuen und innovativen Lehrmethoden eingefahrene Wege der Bildungsvermittlung auflockern könnten. Bis 2020 werden 8.000 Lehrer in den Ruhestand gehen. Für einen normalen Generationenwechsel müssten jährlich 800 bis 1.000 Lehrer neu hinzukommen. Die sächsische Kultusministerin Brunhild Kurth kündigte zur Lösung des Problems eine Verdoppelung der sächsischen Referendarsstellen auf jährlich 2.050 an. Anja Klotzbüch: "Diese Woche wird im Landtag abschließend über das Finanzierungskonzept beratschlagt. Mit unserer Aktion wollen wir öffentlichkeitswirksam die Augen öffnen und zu mehr Weitsicht aufrufen."