Chemnitzer trotzen dem Bibber-Winter

Nachgefragt So bereiteten sich Winterdienst, Nahverkehr, Stadtmission und Tierpark auf den Temperatursturz vor

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Der überwiegende Teil der 230 Straßenbahn-Weichen wird elektrisch beheizt. Die Oberleitungen werden nachts freigefahren oder erhalten eine wasserabweisende Emulsion. Foto: Andreas Seidel

Nach dem Schnee kam die Kälte. Am Freitag zeigte das Thermometer in Chemnitz bis zu Minus 10 Grad. So bereiteten sich Institutionen der Stadt auf den Frost vor:

CVAG: Nachts wird freigefahren

"Wir sind auf Frost gut vorbereitet", lautet kurz und bündig das Fazit von Stefan Tschök, Pressesprecher der Chemnitzer Verkehrsbetriebe (CVAG). Die Busse seien mit Frostschutzmittel und Alljahresreifen ausgestattet und - da sie zum normalen Straßenverkehr gehören - auf den Winterdienst angewiesen. Temperaturen von minus 15 Grad machten laut Tschök den Bussen nichts aus. Anders verhalte sich das bei den Straßenbahnen. Hier muss die CVAG dafür sorgen, dass sowohl die Oberleitungen als auch die Schienen schnee- und eisfrei bleiben. "Der überwiegende Teil der 230 Weichen wird elektrisch beheizt. Die Oberleitungen werden nachts freigefahren oder erhalten eine wasserabweisende Emulsion, so dass sie nicht einfrieren können", erklärt Stefan Tschök.

ASR: Verzögerte Auftauwirkung

Alle Kräfte des städtischen Winterdienstes (ASR) seien derzeit im Einsatz, um Schneematsch von den Hauptstraßen zu bekommen, Überwege zu beräumen und auch im Nebenstraßennetz Befahrbarkeit zu erreichen. Laut ASR gebe es aber keine speziellen Einsätze bei starken Minustemperaturen. "Es wird auch weiterhin ein Salz-Lauge-Gemisch aufgetragen, nur dass sich die Auftauwirkung entsprechend verzögert beziehungsweise verringert. Ab etwa minus 15 Grad geht die Auftauwirkung dann gegen Null", erklärt eine Sprecherin. Die Einsatzkräfte seien über das gesamte Wochenende in Rufbereitschaft, da ab Samstagabend bei steigenden Temperaturen wieder mit Schneefall gerechnet werde.

Stadtmission: Nachtquartiere eher geöffnet

Das Wohnprojekt des Vereins Selbsthilfe 91 bietet seit 2005 ein Nachtquartier für wohnungslose Menschen an. Täglich ab 18 Uhr können Männer und Frauen ohne Obdach dort einen Schlafplatz bekommen. "Bei Temperaturen um 0 Grad öffnen wir bereits 17 Uhr", so der stellvertretende Leiter Marcus Nieher. In diesen Tagen sei aufgrund der Kälte sogar den ganzen Tag geöffnet. In den letzten Jahren sei die Nachfrage im Januar auch stets hoch gewesen. "Dieses Jahr ist das überhaupt nicht der Fall. Wir wundern uns selbst darüber", so Nieher. Es seien also noch genügend Schlafplätze für Wohnungslose in dem Objekt auf der Heinrich-Schütz-Straße 84 vorhanden.

Tierpark: Keine Futterausgaben im Freien

Die frostigen Temperaturen bekommen auch die Tiere zu spüren. Und für manch eine Art ist es einfach zu kalt draußen. "Es gibt Tiere, die derzeit nicht im Freien zu sehen sind. Die Papageien zum Beispiel werden nicht in die Außenanlagen gelassen, weil sie sonst Gefahr laufen, sich die Zehen zu erfrieren", informiert die Pressestelle der Stadt. Andere empfindliche oder auch alte Tiere müssten ebenfalls drinnen bleiben oder hätten nur stundenweise Zugang zur Außenanlage, wie Lippenbär und Anoas. "Außerdem gibt es derzeit keine Tränken und Futterausgaben im Freien", ergänzt Dr. Peggy Riedel vom Tierpark.



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