EU-Programm "Mehr Männer in Kitas" zeigt Wirkung

Bildung Der positive Trend ist auch in Chemnitz zu spüren

Spielen ist für David Warnecke als Leiter nicht mehr der Alltag. Foto: Yasmina Ramdani/bl

Ist der Beruf des Erziehers ein "typischen Frauenberuf"? Die aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamt Freistaat Sachsen hingegen erzählen etwas anderes. In den letzten zehn Jahren ist die Anzahl der Männer in Kindertagesstätten auf 6,8 Prozent gestiegen. Derzeit arbeiten 2.174 Erzieher in sächsischen Kitas. Männer übernehmen auch immer öfter die Leitung im Kindergarten. Während es im Jahr 2008 nur 28 waren, sind es jetzt 140. "Wir sind auf einem guten Weg, aber noch längst nicht am Ziel. Wir müssen den Männeranteil weiter erhöhen, denn Kinder brauchen männliche und weibliche Bezugspersonen.", so Brunhild Kurth, Bildungsministerin des Freistaats.

Auch in Chemnitz ist der positive Trend bemerkbar. In den städtischen Einrichtungen arbeiten insgesamt 915 Erzieher, 48 davon sind Männer. Die "Kita im Hutholz" in der Walter-Ranft-Straße hat seit August 2016 einen männlichen Leiter. David Warnecke (37) ist als Quereinsteiger zu dem Beruf gekommen. Der gebürtige Magdeburger war jahrelang Besitzer eines Cafés in München. Aufgrund von Baustellen um das Lokal war die Lage nicht mehr tragbar. Zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter ist er 2011 nach Chemnitz gezogen.

Berufung statt Beruf

Schon in München entdeckte er den Spaß an der Arbeit mit Kindern. "Zu uns ins Café kamen immer viele Eltern mit ihren Kleinen. In Chemnitz angekommen stellte sich die Frage, wie ich weiterhin mit Kindern arbeiten könnte. Das Arbeitsamt brachte mich auf die Ausbildung zum Erzieher." Gesagt, getan, absolvierte Warnecke von 2011 bis 2014 die nötige Ausbildung. Im Jahrgang waren es damals knapp zehn Männer von 80 Auszubildenden.

Nach der Ausbildung war Warnecke in der Schulbetreuung tätig. "Die Kinder haben es genossen, dass jemand mit ihnen Sport macht und nicht bastelt. Nur nach zwei Jahren die Kinder wieder zu verlassen, das war nicht einfach", berichtet er. Deswegen besucht er die Grundschüler regelmäßig und ist zur Weihnachtsfeier und anderen Festen eingeladen.

"Ich sehe meine Arbeit als Berufung", berichtet er. Deswegen ist auch die zusätzliche Arbeit, wie das im Sommersemester beginnende Studium der Sozialarbeit in Mittweida, Aufgaben die er gerne auf sich nimmt. "Wenn die Kinder sich freuen, ist mir das fast wichtiger als das Gehalt."


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