Stadtoberhaupt wagt sich vor

Neujahrsempfang Mittweidas Oberbürgermeister Schreiber ruft bei Neujahrsrede zu Empathie und Differenzierung auf

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"Wer unser demokratisches System in Frage stellt, ist sich der Folgen vermeintlich neuer Wege nicht bewusst", mahnte Oberbürgermeister Ralf Schreiber bei seiner Neujahrsrede in Mittweida am Freitagabend. Foto: Dennis Heldt.

Mittweida . Es war keine übliche Dankesrede, die der Mittweidaer Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) zum traditionellen Neujahrsempfang am Freitagabend vortrug. Mit weltpolitischer Weitsicht versuchte er die geladene Bürgerschaft der Hochschulstadt auf das Wahljahr 2017 einzustimmen.

Beinahe eine Stunde stand das Stadtoberhaupt vor etwa 600 Zuhörern auf der Bühne der Dreifeldhalle am Schwanenteich. Die auf das Vorjahr zurückblickende Danksagung zu abgeschlossenen Bauprojekten wie der Eröffnung des neuen Stadions, der Übergabe der sanierten Außenanlage der Fichte-Schule oder der Einweihung des neugebauten Laserzentrums der Hochschule Mittweida kam jedoch erst im zweiten Teil seiner Neujahrsansprache zur Rede.

Ein großes Bedürfnis schien ihm zuvor die Verteidigung der humanistischen Werte zu sein: "Wenn bei vielen von uns Worte wie die Ausländer, die Sachsen, die Preußen, die Bayern, die Ossis, die Wessis zunehmend leichter über die Lippen kommen, dann werden Gräben geöffnet und nicht geschlossen", sagte Schreiber und rief zu einem besseren Miteinander der Menschen auf.

Empathie und Differenzierung kämen Schreiber zufolge in den Diskussionen viel zu kurz. Als Beispiel nannte er die Reaktion einiger auf den Vorfall in Clausnitz, welche 's' mit 'ß' verwechselten: "Mein Kollege, Bürgermeister Günther Hermsdorf, aus dem nicht dafür zuständigen, benachbarten Claußnitz berichtete von tagelangen Hasstiraden im Internet, per Telefon, gegen eben seine, falsche Gemeinde." Doch die Bürgerinnen und Bürger hätten es dem OB zufolge selbst in der Hand, der negativen Berichterstattung in Zukunft differenzierte, positive Bilder entgegenzusetzen: "Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben: Pauschale Negativdarstellungen haben durchaus Konsequenzen für Sachsens Tourismus, Wirtschaft und Hochschulen."

Neben der Betonung von Werten unterstützte Schreiber aber auch die Forderungen seiner eigenen Partei zum Thema innerer Sicherheit. Eine gestiegene Belastung, wenn nicht sogar Überlastung sei unübersehbar. Dies führe zu verständlichen Ängsten in der Bevölkerung, so der Oberbürgermeister. Mit Blick auf die Bundestagswahl gab sich der CDU-Politiker zum Abschluss seiner Rede mahnend und kämpferisch: "Wer jetzt durch die vielfältigen Probleme, die es zurzeit zweifellos in unserem Land, in Europa und in der Welt gibt, unser demokratisches System in Frage stellt, dem sollte klar sein, dass er die Folgen von vermeintlich neuen Wegen nicht ansatzweise einschätzen kann."