BFH-Entscheid: Häuslich tätige Selbstständige profitieren

Gericht Arbeitszimmer-Urteil - der sächsische Steuerberaterverband klärt auf

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Foto: shironosov/iStockphoto

Viele Selbstständige, die freiberuflich oder gewerblich tätig sind, sei es auf der Baustelle, in der Werkstatt, als Außendienstler oder in einer Klinik, verfügen an oder in der Betriebsstätte über keinen Büroarbeitsplatz, der auch vertrauliche Büroarbeiten im Rahmen gewöhnlicher Arbeitszeiten ermöglicht.

Selbstständige erledigen solche Tätigkeiten deshalb oft vom häuslichen Arbeitszimmer aus. Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sind jedoch grundsätzlich nicht als Betriebsausgaben abziehbar. Eine Ausnahme gilt nur, wenn für berufliche oder betriebliche Tätigkeiten kein "anderer Arbeitsplatz" zur Verfügung steht.

Arbeitsplätze können künftig von der Steuer abgesetzt werden

Nach einem neuen Urteil des BFH (Entscheidung vom 22. Februar, Aktenzeichen: III R 9/16) ist ein "anderer Arbeitsplatz" allerdings nicht ein beliebiger Schreibtisch innerhalb von Betriebsräumen, der Büroarbeiten ermöglicht. Ein anderer Arbeitsplatz müsse, so der BFH, eine ganze Reihe an Gegebenheiten erfüllen und könne nur dann angemessen genutzt werden, wenn er etwa das Erledigen von vertraulichen Büroangelegenheiten ermöglicht.

"Mit dem BFH-Urteil steigen die Chancen für Selbstständige ihre häuslichen Arbeitsplätze im Sinne des Steuerrechts als notwendig anerkannt zu bekommen. Damit können mehr Freiberufler als bisher Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer steuerlich geltend machen", erklärt Andreas Zönnchen, Steuerberater und Präsident des sächsischen Steuerberaterverbandes.

Das war der Auslöser des Falls

Grundlage der BFH-Entscheidung bildet der Fall eines Logopäden, der mit vier Angestellten in gemieteten Räumen arbeitet, dort aber nicht in angemessener Weise seine Büroverwaltungsarbeiten verrichten konnte und die Bürotätigkeiten auch nicht stets erst nach Dienstschluss durchführen wollte. Der Unternehmer wollte daher die Aufwendungen für seinen häuslichen Arbeitsplatz von der Steuer absetzen.

Das Finanzamt meinte, ein "anderer Arbeitsplatz" sei grundsätzlich jeder Arbeitsplatz, der zur Erledigung büromäßiger Arbeiten geeignet sei und verwehrte die Geltendmachung der Aufwendungen für seinen häuslichen Arbeitsplatz als Betriebskosten.

Der BFH und zuvor schon das Finanzgericht hingegen bejahten die Absetzbarkeit der Kosten und differenzierten die Beschaffenheit des Arbeitsplatzes und die Rahmenbedingungen der Nutzung dahingehend, dass nicht allein aus einem vorhandenen Schreibtisch in einem Praxisraum darauf geschlossen werden kann, dass dieser Arbeitsplatz für alle Aufgabenbereiche zur Verfügung steht.

Sowohl die Arbeitsplatzbeschaffenheit als auch die Rahmenbedingungen der Nutzungsmöglichkeit seien im Rahmen einer Gesamtwürdigung zu werten. Dabei spiele auch die Vertraulichkeit der Arbeitsvorgänge gegenüber Patienten oder Kunden sowie Mitarbeitern eine Rolle.

Experte rät trotzdem zur Vorsicht

"So angenehm die steuerliche Abzugsmöglichkeit für ein häusliches Arbeitszimmer ist, so nötig ist eine steuerliche Beratung über mögliche Nebenwirkungen", empfiehlt Zönnchen.

"Denn richten Selbstständige ein häusliches Arbeitszimmer ein, so kann dadurch Betriebsvermögen entstehen mit der Folge, dass bei Aufgabe der Tätigkeit oder dem Verkauf der Immobilie sich eine Pflicht zur Versteuerung ergeben kann."

Um beim Thema Häusliches Arbeitszimmer auf der sicheren Seite zu sein, sollten Selbstständige frühzeitig einen Steuerberater zurate ziehen.



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