Feuerbakterium zwingt Gärtnerei in die Knie

Räumung Familienbetrieb wird zurück auf Null gesetzt

Eines der geräumten Gewächshäuser. Ob die grauen Plastikpaletten gesäubert und desinfiziert oder auch mit entsorgt werden, entscheiden die Kosten. Für beide Fälle muss die Gärtnerei selbst aufkommen. Foto: Simone Zeh

Pausa. In der Gärtnerei Zauge in Pausa wird derzeit alles, von der Pflanze über die Erde bis zu den Töpfen, in Foliensäcke verpackt. Wegen dem sogenannten Feuerbakterium soll alles vernichtet werden. Die Gärtnerei muss von null wieder anfangen.

Nein, in die leeren Gewächshäuser will Chef Bernd Zauge nicht gehen. Zu nah geht es ihm da, wo nichts mehr wächst, nichts mehr blüht. Wo sich stattdessen die blauen Foliensäcke und die grauen Paletten auf dem Boden stapeln. Lieber zeigt er auf die gelb blühenden Primeln. "Die sind gefüllt. Eine Rarität". Doch auch diese Frühblüher müssen wie alle anderen 45.000 Stiefmütterchen, Narzissen und Primeln verbrannt werden. So will es das Amt.

Erst kam ein Brief vom sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) an Bernd Zauge, worin ihm mitgeteilt wurde, dass alle Pflanzen im Betrieb vernichtet, alle Produktionsflächen zu reinigen und desinfizieren sind. Und dass alles in geschlossenen Behältern und Containern in einer genehmigten Müllverbrennungsanlage entsorgt werden muss.

Der Pausaer Gärtnermeister, der seit 1980 den Familienbetrieb führt, war zur Anhörung nach Plauen bestellt worden. Zusammen mit Ehefrau Lyvia und den Töchtern Sina Zauche und Claudia Ziegenhagen stimmte er der Aufforderung des Amtes sofort zu. "Es war die einzige Lösung. Es gab keine Alternative." Zuvor hatte man sich natürlich kundig gemacht und rechtlichen Beistand zu Rate gezogen. Der Anwalt hatte der Familie aber nur Hoffnung auf Aufschiebung gegeben. Gegen die EU-Gesetze würde man nicht ankommen. Und eine Versicherung trat für den Fall nicht ein, weder die Rechtsschutz- noch die Haftpflichtversicherung.

Bis zum 22. Februar, so fordert das Amt, soll die Räumaktion in Pausa beendet sein. Auf knapp 2000 Quadratmeter Fläche unter Glas und Folie sowie auf den Freiflächen muss alles geräumt werden. Froh ist Familie Zauge, dass man Helfer wie Konstanze Schumann und ihren Verein Arbeitsloseninitiative Sachsen gefunden hat. "Sie hat unsere Not erkannt und Hilfe angeboten", sagt Bernd Zauge. Die Töchter, die eine wie der Vater Gärtnereimeister, die andere Floristin, organisieren, packen an.

Mit der kompletten Räumung des Familienbetriebes, der in dritter Generation besteht, hatte Bernd Zauge nicht gerechnet. Gerade jetzt, wo man mitten in der Produktion ist, aufs Frühjahr und den Sommer hinarbeitet, trifft es die Gärtnerei besonders hart. "Das tut richtig weh", sagt Bernd Zauge. Im LfULG spricht man von einer schnellen Entscheidung. "Es ist ein Prozess, der gründlich abgewogen werden muss", gab gestern Karin Bernhardt vom LfULG Auskunft. "Es ging um die Frage, ob man mit der Räumung einen Schlussstrich zieht." So soll die Ausbreitung des Bakteriums verhindert oder zumindest minimiert werden.

Voriges Jahr im April war das sogenannte Feuerbakterium, ein gefährlichen Pflanzenschädling, an einem Oleanderstrauch, den eine Kundin zum Überwintern in die Gärtnerei gebracht hatte, von LfULG-Mitarbeitern bei einer Routineuntersuchung entdeckt worden. Zum ersten Mal in Deutschland und ausgerechnet in Pausa. In der Pflanzenwelt kann das Feuerbakterium für schwere Schäden sorgen, heißt es. Regelmäßige, unangemeldete Kontrollen hatte es seitdem immer wieder in der Gärtnerei Zauge, die acht Mitarbeiter hat, gegeben.

Eine Einzelpflanze Rosmarin und zwei Zimmerpflanzen namens Streptokarpus, auch Drehfrucht genannt, wurden im Herbst als befallen konfisziert. Daraufhin mussten alle 600 Drehfrucht-Töpfe in der Gärtnerei vernichtet werden. "Dafür gab es keine Entschädigung", erinnert sich Sina Zauche. Dieses Jahr dürfe man auch keine Tomaten oder Kohlrabi anbauen, weil diese weltweit auch schon befallen waren. Insgesamt betrifft das etwa 200 Pflanzen, die gelistet sind. Efeu, Topfsonnenblume und Rispenhortensie gehören dazu.

Sina Zauche und Claudia Ziegenhagen sind trotzdem optimistisch. Ans Aufhören habe man im Betrieb nie gedacht. "Es ist das Lebenswerk unseres Vaters", sagt Sina Zauche. Und Claudia Ziegenhagen: "Ihm tut es am meisten weh." Die beiden Läden der Zauges in Pausa, wo Lyvia Zauge arbeitet, bieten in der Zwischenzeit Sträuße und Gebinde an, gefertigt aus zugekauften Pflanzen und Blumen. Die beiden Töchter wollen, dass jetzt alles schnell geht: Die gesamte Räumung in die 2500 Säcke, die selbst bestellten Container zum Abtransport zur Müllverbrennungsanlage in Merseburg.

Das alles muss selbst bezahlt werden. Eine Entschädigung für alle vernichteten Pflanzen und Gegenstände hat das Amt indes angekündigt. Karin Bernhardt: "Die Härtefallregelung ist ein Novum." Die Entschädigung sei ein hohes Entgegenkommen und eine Stütze für den Betrieb. Sobald in der Gärtnerei alles gereinigt und desinfiziert, die Abnahme vom Amt erfolgt ist, soll es einen Neuanfang geben. Mit neuen Pflanzen, dem Zusammenhalt der Familie und den Mitarbeitern. "Wir fangen bei null an", so Sina Zauche, der man dennoch den Optimismus ansieht. "Wir hoffen, dass die Kunden uns treu bleiben."



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