In die duale Ausbildung schnuppern

Handwerk Azubis aus Frankreich und Tschechien wechseln für drei Wochen den Ausbildungsort

Gegessen ist er meistens schnell, doch seine Herstellung ist so aufwendig wie kaum ein anderes Konditoreiprodukt: der Baumkuchen. Eine Herausforderung, der sich Austauschlehrlinge aus Frankreich und Tschechien diese Woche in der Handwerkskammer Chemnitz annahmen. "Der Baumkuchen ist wie dafür geschaffen, um ein typisch deutsches Handwerk besser kennen zu lernen", so Ausbilder und Konditormeister Kay Schroth. Nach insgesamt 20 einzeln gebackenen Teigschichten griff Elodie Leguy aus Frankreich zum Pinsel, um der deutschen Köstlichkeit mit einem Schokoladenüberzug den letzten Schliff zu verpassen. "Trotz meiner fünfjährigen Konditorei-Erfahrung ist dieser Kuchen Neuland für mich", erzählte die 20-Jährige. "Genau aus diesem Grund habe ich mich für den Austausch entschieden. Ich wollte mich hier in Deutschland fachlich weiterentwickeln." Neben den insgesamt fünf Konditoren lernen drei Kraftfahrzeugmechatroniker sowie ein Zahntechniker die duale Ausbildung in regionalen Handwerksunternehmen und den Lehrwerkstätten des Bildungs- und Technologiezentrums kennen. "Der Lehrlingsaustausch mit Frankreich geht auf einen Vertrag der Handwerkskammer Chemnitz mit der Partnerkammer in Seine-Saint-Denis, einem Vorort von Paris, zurück", erklärt Frederik Karsten, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. "Seit zwölf Jahren wechseln französische und deutsche Lehrlinge für jeweils drei Wochen ihre Ausbildungsorte. Sie lernen auf diese Weise neue und ungewohnte Arbeitsmethoden und Fertigkeiten des jeweils anderen Landes sowie dessen Kultur und Sprache kennen." Im Frühjahr werden wieder Lehrlinge aus Chemnitz in Paris zu Gast sein. Was sie dann erwartet? "Knallig bunte Farben", antwortet Tina Bacher kurz und knapp. Die 28-Jährige hat bereits in diesem Jahr die französische Metropole und ihr Patisserie-Handwerk genauer erkundet: "Schon alleine mit der Tortendekoration wird in Frankreich viel experimentiert. Die Deutschen mögen es klassisch, Franzosen sind eher unkonventionell."