Tausende lebten von Zwirn und Garn

Veröffentlicht Broschüre dokumentiert Leistungsfähigkeit und Untergang der Textilindustrie

Unglaubliche 300.000 Menschen arbeiteten einst im Osten Deutschlands in der Bekleidungsbranche. Nur wenige Männer, dafür fast alles Frauen, saßen in den sozialistischen Kollektiven quasi aufeinander. Das Vogtland galt als ganz wichtiger und zuverlässiger Produzent der Textilwirtschaft. Tausende Familien lebten in Plauen von Zwirn, Garn und Faden.

Jetzt hat der Verein für Vogtländische Textilgeschichte Plauen e.V. eine ausführliche Broschüre herausgegeben, die in manchen Augen Unmut und etlichen Augen Tränen hervorrufen dürfte. "So war es...", sagen zwei der wichtigsten Autoren und so lautet auch der Titel. Lothar Bühring und Peter-Joachim Hering waren einst mittendrin im riesigen Kombinatsapparat, der nachweislich gut produzierte, nur auf Dauer eben nicht funktionierte. Die vogtländische Textilindustrie nach 1945 war ganz eng verwoben mit dem VEB Plauener Spitze und dem Industriezweigverband Deko.

"In unseren Betrieben gab es mehr als nur einen Arbeitsplatz", presst Lothar Bühring auch heute noch die Augen zusammen. Der Diplom-Ingenieur hat zusammen mit sieben weiteren Insidern etliche Vorgänge aufbereitet. Wahrscheinlich, weil die DDR-Planwirtschaft gefühlt in dem Buch zu gut wegkommen könnte, haben staatliche Stellen bereits im Vorfeld Zuschüsse abgelehnt.

Als leitender Mitarbeiter der Industriebankfiliale Leichtindustrie erlebte Peter-Joachim Hering die Bruchlandung des Gesamtapparates besonders intensiv mit. Der Diplom-Ökonom stellt klar: "Das Kombinat war genauso wenig zu retten wie die DDR." Das Problem: "Ein neues ökonomisches System wurde von russischen Entscheidungsträgern frühzeitig abgelehnt", erinnern sich die beiden "Jung-Autoren". Vereins-Chefin Beate Schad: "Wir haben 500 Broschüren zum Verkaufspreis von sechs Euro gedruckt und hoffen auf Interesse." Info-Telefon: 03741-443187.



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