Vor Auerbach steht nur noch Jena

Sport Die Feierabend-Kicker vom VfB haben RB Leipzig II geschlagen

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Marc-Philipp Zimmermann (Mitte) ist gestern auf Platz sieben in der Regionalliga-Torschützenliste vorgestoßen. Foto: Marcus Schädlich / Pressebüro Repert

Auerbach. Das Spiel war verloren. Doch dann hat es der moderne Fußball gestern gezeigt bekommen. Klar. RB Leipzig II stellte das bessere Team. Die Fußballarbeiter vom VfB Auerbach aber antworteten mit so viel Leidenschaft, dass man diese beinahe schon mit den bloßen Händen greifen konnte.

Jener 4:3-Sieg (1:1) der Auerbacher geht nun ganz sicher für immer in die Geschichte ein. Denn der unterlegene Gegner löst sich zum Saisonende in Luft auf (Rückzug). Und so steht in den VfB-Annalen nun auch erstmals ein Sieg gegen RB Leipzig zu Buche.

Sie hatten beinahe die Hoffnung aufgegeben

Dass es ein unvergesslicher Abend würde, darauf deutete nichts hin in Spielminute 51. Soeben war Auerbach mit 1:2 in Rückstand geraten. Und selbst der sonst so optimistische VfB-Manager Volkhardt Kramer murmelte "dass wir das Ding wahrscheinlich nicht mehr drehen werden. Das sieht nicht gut aus im Moment."

Niemand wäre dem Feierabend-Sportverein böse gewesen, hätte er den großen Favoriten weiter sein Ding machen lassen. "Aber so ist diese Mannschaft nicht. Ich erlebe hier eine Mentalität, die man nur ganz selten vorfindet", sagt Winter-Neuzugang Marc-Philipp Zimmermann. Viele seiner Kameraden gehen die Woche über 40 Stunden arbeiten, um nebenbei zu trainieren und zum Beispiel gegen RB Leipzig II zu gewinnen.

Feierabendprofis gegen Profis

Auch Marc-Philipp Zimmermann ist jetzt ein Feierabendprofi geworden. Und was für einer. Zwischen Bürojob und Schreibtisch machte "Zimbo" gestern Abend zwei Buden. Die RB-Profis lagen urplötzlich hinten. Und der VfB Auerbach legte nach dem 3:2 noch das 4:2 oben drauf. Das war zuviel für die Gäste.

Am Ende stand es 4:3. Und die ganze Fußball-Fachwelt kann nur staunen. Torfolge: 1:0 Wild (2.), 1:1 Palacios (17.), 1:2 Mauer (51.), 2:2/3:2 Zimmermann (59./73.), 4:2 Wild (80.), 4:3 Palacios (87./FE).

Rückblick

Wie aber kann man erklären, dass ein Verein, der im Januar/Februar noch größte Probleme hatte, jetzt um die Rückrunden-Meisterschaft in der Regionalliga kämpft? Rückblick: Der VfB Auerbach hatte nach 17 Spieltagen 17 Punkte und befand sich zur Winterpause in erheblicher Abstiegsgefahr. Dann musste der Verein mit Stanley Ratifo (6 Tore) seinen besten Torschützen an den 1. FC Köln abgeben.

Zu allem Übel schneite es in Auerbach so sehr, dass wochenlang nicht so trainiert werden konnte, wie in dieser Spielklasse üblich. Wegen der vielen bevorstehenden englischen Wochen (Nachholespiele) sah manch einer den VfB Auerbach als Sorgenkind.

Die Rettung kam aus Zwickau

Diese Amateure aber sind offenbar echte Profis. Denn der VfB hat nun in zwölf Rückrundenspielen 25 Punkte erobert. Nur Carl Zeiss Jena (26) schaffte mehr. Viele Kenner sagen, der Hauptgrund war die Blitz-Verpflichtung von Marc-Philipp Zimmermann (kam vom FSV Zwickau). Der 27-Jährige hat in elf Spielen elf Tore erzielt.

"So einen Lauf hatte ich noch nie. Aber das liegt nicht an mir alleine. Diese tolle Mannschaft hat darauf gewartet, jemanden wie mich mit Vorlagen zu füttern", lachte der Vollblutstürmer heute am BLICK-Telefon. Sein VfB Auerbach müsste eigentlich auf dem Zahnfleisch kriechen, der Belastung wegen. Stattdessen aber wollen die Vogtländer am Sonntag auch beim FC Schönberg gewinnen.

Trainer Michael Hiemisch freut sich, dass dann auch Marcel Schlosser (war gesperrt) wieder spielen kann. Schlosser ist eigentlich der bekannteste VfB-Kicker. Aber der wurde gestern gar nicht gebraucht.


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