Fall Heike Wunderlich: Keine Vergewaltigung!

Verhandlung Heute kam der Mordfall erneut vor das Zwickauer Landgericht

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Helmut S. vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Zwickau. Foto: Nicole Schwalbe

Zwickau . "Meine Schwester war ein eher zurückhaltender Mensch", berichtet H. Wunderlich, der jüngere Bruder des damaligen Mordopfers Heike Wunderlich. Die damals 18-Jährige, die auf einer Verbindungsstraße zwischen Plauen und Vogtsgrün im April 1987 tot aufgefunden worden war, soll Probleme gehabt haben, auf andere Menschen zuzugehen. Einen festen Freund hatte sie laut Aussage des Bruders zum Tatzeitpunkt nicht. Wochenlang vor der Tat soll seine Schwester oft geweint haben, den Grund ihrer Niedergeschlagenheit erfuhr die Familie nicht.

Da die Leiche entkleidet in einem Waldstück aufgefunden worden war, ging man von einem Sexualdelikt aus. Laut Obduktionsbericht konnte eine Vergewaltigung des Mädchens jedoch nicht festgestellt werden. Vielmehr fanden die Rechtsmediziner ein 1-Mark-Stück in der Scheide. Das Lohngeld, welches sie von ihrem Arbeitgeber mit dem Moped abgeholt hatte, fehlte jedoch.

Die Kleidung soll laut Bericht auch nicht vom Körper gerissen worden sein, man halte das freiwillige Ausziehen für möglich. Das Moped, welches in ein paar Metern Entfernung von der Leiche gefunden worden war, war unbeschädigt. War diese Tat doch kein Mord, sondern ein Totschlag im Affekt?

Der Fall wirft noch immer jede Menge Fragen auf, denn wenn Heike Wunderlich kein Opfer eines Sexualdeliktes wurde, wer war dann der Täter? Kannte sie den Täter, der sie bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und anschließend mit dem eigenen Slip unter erheblichem Kraftaufwand erdrosselt hatte? Der heute von einem Schlaganfall gezeichnete Angeklagte Helmut S. könnte ebenso gut ein Bekannter des Opfers gewesen sein, falls er für die Tat infrage kommt. Ob er der mutmaßliche Mörder von Heike Wunderlich ist, ist weiterhin fraglich.