Sabbatjahr im ärmsten Viertel der Welt

Menschen Auszeit mal anders

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Katrin Pluschke nahm sich eine Auszeit. Foto: Nicole Schwalbe

Kirchberg. "Ich habe einen sehr stressigen Job in der Psychiatrie. Darum habe ich ein Sabbatjahr gemacht", verrät Katrin Pluschke. Drei Monate ist sie alleine als weiße Frau nach Mombasa, Kenia, gereist, um dort in dem ärmsten Viertel in einer nicht-staatlichen Schule mitzuhelfen. Das Essen, welches angeboten wurde, hatte vorher Besuch von Kakerlaken, geschlafen wurde auf dem Boden. Wer eine richtige Matratze besaß, war reich.

An den Straßenrändern türmten sich die Müllberge, einige brannten, denn irgendwie musste man den Müll ja wieder loswerden. Eine Müllabfuhr gab es nicht. Die Kinder und Lehrer der Schule, die im Gegensatz zu den staatlichen Einrichtungen nichts kosten durfte, waren glücklich über den Englischunterricht, den Pluschke hielt, den Reis mit roten Bohnen und die dünnen Bastmatten für den Mittagsschlaf. "Ich wollte sehen, wie Menschen leben, wenn sie so arm sind, dass sie sich nicht einmal ein Bett leisten können", erzählt Pluschke.

Sie besuchte auch ein Kinderheim und konnte mittels Spenden aus dem Kirchberger Raum das kaputte Dach reparieren. Das war auch dringend notwendig, denn platzartige Regengüsse waren in der Gegend keine Seltenheit. Nachdem sie Afrika schweren Herzens verlassen hatte, reiste sie weiter nach Thailand und Nepal. In Thailand hielt sie sich nicht lange auf, denn die Organisation, die versuchte, junge Mädchen von der Prostitution zu erlösen, war so schlecht organisiert, dass eine Arbeit wenig erfolgreich war.

In Nepal war sie erneut in einem Kinderheim und hat nach der Erdbebenkatastrophe 2015 über die Presse Spenden gesammelt. Mit dem Geld ist sie kurzerhand noch einmal nach Nepal gereist, um das zerstörte Kinderheim wieder aufzubauen. "Die Menschen dort sind so arm und doch so freundlich und empathisch", schwärmt die 55-Jährige.



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