3. Liga - Abbruch oder Fortsetzung?!

FUSSBALL Die CFC Fußball GmbH befürwortet die Beendigung der Spielzeit 2019/2020

Chemnitz. Die Corona-Krise hält alle in Atem - und das gilt auch für den Fußball. So sind die 20 Vereine der 3. Liga uneins darüber, wie es mit der Saison 2019/2020 weitergehen soll. Auf der einen Seite stehen die fünf bayerischen Klubs - Spielvereinigung Unterhaching, FC Ingolstadt, TSV 1860 München, FC Bayern München II und Würzburger Kickers -, welche sich klar zugunsten einer Fortsetzung aussprechen. Auf der anderen Seite plädieren acht Vereine - Waldhof Mannheim, Hallesche FC, 1. FC Magdeburg, FC Carl Zeiss Jena, Chemnitzer FC, FSV Zwickau, Preußen Münster und die SG Sonnenhof Großaspach - in einem Positionspapier für den sofortigen Abbruch. Dem Aufschieben der Entscheidung und Verlängerung der laufenden Saison in den Herbst oder gar in den Winter hinein wird damit eine Absage erteilt. Darüber hinaus kursieren Vorschläge für eine zweigleisige 3. Liga, jedoch treffen diese bislang auf keinerlei ernstzunehmende Zustimmung.

Eine Liga, zwei Lager: CFC bekennt Flagge!

Die Verantwortlichen der Chemnitzer FC Fußball GmbH haben sich zum ersten Mal deutlich zu dieser Problematik geäußert. Sie schließen sich dem Schreiben der sieben anderen Drittligisten an und votieren - aus gesellschaftlichen, medizinischen und wirtschaftlichen Gründen - für den Abbruch der aktuellen Saison: "Dies ist aus unserer Sicht der sportlich bittere, aber auch der einzig mögliche Weg, bei dem die gesellschaftlichen Realitäten, der Schutz der Gesundheit und die wirtschaftlichen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen sind", lautet die Begründung.

BLICK.de fasst die inhaltlichen Schwerpunkte des Schreibens kompakt zusammen:

Pro Aufstieg, Contra Abstieg

Der aktuelle Tabellenstand soll als Ist-Zustand gewertet werden: Während die für den Aufstieg berechtigten Mannschaften in die 2. Liga rücken, verbleiben die auf einem Abstiegsplatz stehenden Teams in der 3. Liga: "Sportliche Wettbewerbe sollten auf dem Rasen entschieden werden und nicht am grünen Tisch." Das hätte zur Folge, dass die 3. Liga in der kommenden Saison aufgestockt werden muss.

Keine Sonderrolle für den Fußball

Der Fußball lockt Woche für Woche Hunderttausende Fans in die Stadien der Republik, dazu verfolgen weltweit Millionen die Partien vor dem Fernseher. Und das gilt auch für die 3. Liga, die sich auf den Rekordzuschauerschnitt von rund 8.700 Besuchern pro Spiel hinzubewegte. Der Volkssport Fußball nimmt zweifelsfrei einen wichtigen Platz in der Gesellschaft ein - und genau diesen muss er, auch in Zeiten der Corona-Krise, gerecht werden: "Wenn Ärzte und Pflegepersonal Tag und Nacht für ihre Patienten im Einsatz sind, wenn Kinder und Jugendliche nicht zur Schule oder zur Kita dürfen, wenn Gastronomen, Einzelhändler, Künstler und viele andere um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, dann darf der Fußball insbesondere in der 3. Liga mit der Verwurzelung der Vereine in den Regionen und Städten keine Sonderrolle für sich beanspruchen. Wenn er das tut, verliert er seine so wichtige Verwurzelung und missachtet seine gesellschaftliche Verantwortung."

Die Gesundheit, das höchste menschliches Gut

Des Weiteren ist jeder Verein ein Arbeitgeber, der seiner Fürsorgepflicht gegenüber allen - sowohl den Spielern als auch denen, die im Hintergrund wirken - in der Pflicht steht: "Auch wenn das Corona-Virus vor allem für Risikogruppen gefährlich ist, sind auch jüngere Altersgruppen durchaus betroffen (...) und in der 3. Liga für Angestellten nicht auszuschließen. (...) Diese erheblichen Risiken für die Gesundheit und die daraus resultierende Verantwortlichkeit können wir als Vereine nicht in Kauf nehmen."

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Die acht Drittligisten weisen weiterhin auf die praktischen Probleme, die sich beispielsweise schon bei der Aufnahme des Trainingsbetriebes ergeben, hin. Bis zum zum 03. Mai sind wegen behördlichen Anordnungen die Sportstätten geschlossen und damit kein Training durchführbar. In einigen Bundesländern - wie in Baden-Württemberg - gilt die Sperre sogar noch länger. Die daraus resultierende Folge: "Wir befürchten, dass diese unterschiedlichen Regelungen einen fairen sportlichen Wettbewerb behindern und zu einer Wettbewerbsverzerrung führen."

Keine Macht den Geisterspielen

Die oftmals als Option angesehenen Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit haben vor allem für die Vereine der 3. Liga erhebliche negative Auswirkungen. Auf der einen Seite fehlen aufgrund der Corona-Krise die Einnahmen, auf der anderen konnten immerhin einige Ausgaben, wie durch Kurzarbeitergeld, gesenkt werden. Allein dieser Zustand katapultiert erste Vereine in prekäre Nähe einer Insolvenz; durch die Aufnahme von Darlehen wird die Zahlungsunfähigkeit teilweise verhindert. "Sollten wir jedoch gezwungen sein, die noch ausstehenden Spiele als Geisterspiele austragen zu müssen, hätten wir bei vollen Kosten keinerlei Einnahmen aus dem Spielbetrieb."

Support für den Verein

In guten wie in schweren Zeiten: Fans und Sponsoren stehen hinter ihrem Verein - und genau das zeigen die zahlreichen positiven Rückmeldungen und Verzichtsangebote von Sponsoren und Fans in den letzten Tagen und Wochen. Dabei trat unter anderem sponsorenseits die Befürchtung zu Tage, "dass eine Sonderrolle des Fußballs in der Gesellschaft zukünftig und sodann für die Folgesaison nicht zu deren Firmenpolitik und Image passt."

Blick in eine ungewisse Fußball-Zukunft

In dem Positionspapier wurde ebenso ein kleiner Ausblick gewagt:

Geisterspiele können aufgrund der Entwicklung der Pandemie für die kommende Spielzeit - schlimmstenfalls bis zum 31.12.2020 - nicht vollständig ausschließen

Der Saisonstart sollte so weit wie möglich nach hinten verschoben werden, um das Infektionsrisiko für die Spieler, Trainer und Betreuer zu senken.