Ein Deichkind-Song ohne Deichkind: Das sind die Musik-Highlights der Woche

Aktuelle Tipps Die Toten Hosen, Kate Nash, K.I.Z. und Deichkind, die mit einem KI-Song ihre eigene "Austauschbarkeit" demonstrieren: Erfahren sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.

Klingt so die Zukunft der Musik? Mit "Könnt ihr noch?" setzen Deichkind voll auf moderne KI-Technik, vor allem bei den Vocals. Ein spannendes Pop-Experiment! Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von den Toten Hosen, Kate Nash und K.I.Z.

Deichkind - Könnt ihr noch?

Wenn die KI einsetzt, ist die Kunst dann am Ende? Wenn ein Computerprogramm die 10. Sinfonie von Ludwig van Beethoven vollendet, wie unlängst geschehen - hat das Ergebnis dann noch irgendwas mit Beethoven zu tun? Kann man eine saubere Grenze ziehen zwischen Kultur und Künstlicher Intelligenz? Und muss man das überhaupt? Fragen wie diese beschäftigen momentan unzählige Kreative, schließlich geht es hier auch um die Zukunft der Kunst. Viele unterschiedliche Meinungen, alles sehr kompliziert. Und dann kommen Deichkind mit "Könnt ihr noch?", um es noch komplizierter zu machen.

Dieser neue Deichkind-Song hat nichts mit Beethoven zu tun und will überhaupt auch nicht große Kunst sein. Und doch ist es ein spannendes Experiment. Denn während viele andere Musikerinnen und Musiker den Einsatz von KI gerne noch verschleiern, gehen Deichkind voll in die Offensive. Man hört kryptische Textzeilen mit starkem Verzerrer-Effekt, irgendwas von "Awareness Teams", "Robert Koch" und "Chicken Wings" - typisch Deichkind, könnte man sagen. Aber: alles aus dem Computer und eben nicht von Deichkind.

Die Lyrics zu "Könnt ihr noch?" wurden mithilfe eines KI-Tools komplett von "digitalen Stimmklonen" eingesungen, "ohne jeglichen realen Stimmeinsatz". "Dem kreativen Wagnis zuliebe demonstrieren Deichkind damit freiwillig die eigene Austauschbarkeit", heißt es in einer Begleit-Info zur neuen Single. Ist das, was wir da hören, jetzt also weniger wertig als andere Musik, bei der wirklich gesungen wird? Weniger Deichkind? Weniger Kunst? Für die Fans ist die Sache wohl klar: "Ihr seid die größten Künstler unseres Landes", heißt es in einem der vielen Jubel-Kommentare bei YouTube.

Die Toten Hosen - Fiesta y Ruido: Die Toten Hosen live in Argentinien

Die Toten Hosen und Argentinien - das ist eine kuriose, bis heute irgendwie unerklärliche Liebesbeziehung. Aber unterm Strich halt doch, ohne Zweifel: Liebe. Die Geschichte reicht zurück bis zum 11. September 1992, als Campino und Co. zum ersten Mal ein Konzert in Buenos Aires spielten. Es wurde mehr daraus, viel mehr. Zum Jubiläum des legendären 92er-Gigs veranstalteten die Düsseldorfer 2022 gleich mehrere Konzerte in Argentinien. Und jetzt, ein Mitschnitt von dieser denkwürdigen Eventreihe - "Fiesta y Ruido: Die Toten Hosen live in Argentinien".

"Fiesta y Ruido" (übersetzt: "Party und Lärm") ist angelegt als eine "Dokumentation der Wildheit, des Wahnsinns und der Emotionalität, welche Hosen-Konzerte in Argentinien seit jeher ausmachen". Die Live-Sammlung enthält diverse Klassiker wie "Bonnie & Clyde", "Schön sein" und "Hier kommt Alex", aber auch einige Titel mit speziellem Bezug zur argentinischen Musik- und vor allem Punkrock-Szene, zum Beispiel "Iván fue un comunista", "Uno, dos ultraviolento" und "Represión". 20 Titel sind es insgesamt, erhältlich auf CD, als Stream und (limitiert) auf Vinyl.

Kate Nash - 9 Sad Symphonies

Das Gesicht werden viele Menschen wiedererkennen. Einige, vor allem die mit Netflix-Abo, denken wahrscheinlich zuerst an "Glow". Von 2017 bis 2019 gehörte Kate Nash zum Cast der populären Wrestling-Serie (sie spielte "Britannica"). Aber eigentlich ist sie ja Musikerin. Bereits 2008 gewann die Sängerin und Songschreiberin einen Brit Award in der Kategorie "Best Female Artist", mit dem Album "My Best Friend Is You" kletterte die Londonerin 2010 bis auf Platz sechs in den deutschen Charts - ihr bislang größter kommerzieller Erfolg. Nach längerer Pause meldet sich die Indie-Künstlerin jetzt mit einer neuen Platte zurück.

Sechs Jahre ist der letzte Langspieler von Kate Nash bereits alt, und wahrscheinlich erinnern sich sowieso nur ihre treuesten Fans daran. Mit "Yesterday Was Forever" gelang weder in Großbritannien noch in Deutschland der Einstieg in die Charts. Mit Album Nummer fünf könnte es wieder etwas anders laufen. Kate Nash spielte früher Indie-Pop, wandte sich dann der Riot-Grrrl-Bewegung zu und erfindet sich jetzt wieder ein bisschen neu. Mehr Streicher, weniger Gitarren, ein Hauch altes Hollywood und viele persönliche (und oft auch traurige) Geschichten zwischen Corona und Mental Health: Kate Nash klingt jetzt etwas finsterer als früher, und doch hat das alles viel Charme. Ein starkes Comeback!

K.I.Z. - Görlitzer Park

Feierten Nico, Tarek und Maxim auf dem Vorgänger noch "F..k-deine-Mutter-Rap seit 20 Jahren", fällt das neue, beeindruckende K.I.Z-Werk "Görlitzer Park" deutlich ernster aus. Düsterer, angepasst an die Weltlage. Tareks Anklage "Sensibel" an die "biodeutsche" Mehrheitsgesellschaft geht unter die Haut, die Parts zu "Lächel doch mal" beschäftigen sich mit moderner Männlichkeit und psychischen Problemen, die auf "Berlin wird dich töten" mit bedrückender Perspektivlosigkeit in der (Party-)Hauptstadt. Natürlich wissen die Fans der Kreuzberger seit vielen Veröffentlichungen um deren Interesse an menschlichen Abgründen, um ihr Schreibtalent, um das Gefühl in Tareks Gesangsstimme. So hoch konzentriert wie auf "Görlitzer Park" bekamen sie das alles jedoch selten zu spüren.

Gerappt wird auf Beats der Drunken Masters, welche die Stimmungslage der Lyrics spiegeln. Die liebgewonnene, bittersüße Ironie, mit der das Trio einst Deutschrap auf den Kopf stellte, ist größtenteils flöten gegangen, das Anti-Kriegs-Lied "Frieden" - das etwas naiv daherkommt - funktioniert jedoch noch genau nach diesem Schema. Für die humorvolle Mindset-Coaching-Satire "Geld wie ein Magnet" findet sich auch noch Platz. Bis zum Release-Tag (21. Juni) veröffentlichten K.I.Z bereits sämtliche 15 Songs auf ihrem YouTube-Kanal, samt Visuals, die gemeinsam ein in sich geschlossenes Kammerspiel bilden.

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