Lena Klenke in "Perfect Match": Wie begann Steffi Grafs Liebesgeschichte mit André Agassi?

Sportstar-Biopic bei Amazon Lena Klenke ("How to Sell Drugs Online (Fast)") verkörpert Steffi Graf im Amazon-Film "Perfect Match". Das 90er-Jahre-Biopic erzählt den Beginn der Liebe zwischen der deutschen Tennis-Queen und US-Superstar André Agassi. Wie kommt man zu dieser Rolle, wenn man kein Tennis spielt?

Lena Klenke, 28, ist eine der aufstrebenden jungen Schauspielerinnen Deutschlands. In der Netflix-Erfolgsserie "How to Sell Drugs Online (Fast)" war sie dabei und auch in einem der besten deutschen Fernsehfilme des vergangenen Jahres, der wunderbaren Coming-of-Age-Tragikomödie "Flunkyball" (ARD Mediathek). Eine ganz andere Dimension hat nun allerdings der Amazon-Film "Perfect Match", der am Samstag, 29. Juni, beim Streamingdienst anläuft. Er erzählt den Beginn einer äußerst prominenten Liebesgeschichte. Mit der deutschen Jahrhundert-Tennisspielerin Steffi Graf und US-Paradiesvogel André Agassi fanden sich zwei Superstars des Tenniszirkus der 90er-Jahre zusammen, die man sich damals nicht so recht zusammendenken wollte: auf der einen Seite die spröde Deutsche, im Film vom Agassi-Clan als "German Robot" bezeichnet, auf der anderen ein wilder US Boy, der damals für den ein oder anderen Skandal gut war. Spoilerwarnung: Das Ganze verlief ganz gut. Die beiden sind heute noch ein Paar, sie haben zwei Kinder. Im Interview erzählt Schauspielerin Lena Klenke, wie sie als Tennis-Einsteigerin zu Steffi Graf wurde.

teleschau: Spielen Sie Tennis?

Lena Klenke: Vorher nie. Und seit der Rolle ab und zu - obwohl ich nach dem Dreh doch erst mal eine Pause von dem ganzen Training brauchte.

teleschau: Tennis ist nicht mehr so omnipräsent in Deutschland wie in den 80er- und 90er-Jahren. Kannten Sie Steffi Graf überhaupt?

Lena Klenke: Doch, schon. Ich hatte ein Bild im Kopf. Aber als ich mich mit ihr intensiv beschäftigte, war ich dann doch sehr überrascht. Ich dachte: Wow, Was für eine coole Frau!

"Sie hat sich immer sehr damit zurückgehalten, ihr Leben zu erzählen"

teleschau: Was fanden Sie cool an ihr?

Lena Klenke: Wie sie auf dem Boden geblieben ist und immer das Gefühl vermittelte: Nichts kann mich aus der Ruhe bringen. Es gab einige Turbulenzen in ihrem Leben, vor allem der Skandal um ihren Vater. Und trotzdem dachte man immer, dass sie total bei sich war. Man findet äußerst selten Stars dieser Kategorie, die so normal mit ihrem Leben und der Öffentlichkeit umgehen.

teleschau: Damals war man als Zeitzeuge doch sehr überrascht, dass André Agassi und Steffi Graf ein Paar wurden. Die beiden hatten ein komplett gegensätzliches Image: der wilde US-Paradiesvogel und die spröde Deutsche ...

Lena Klenke: Ja, das kann ich nachvollziehen, auch wenn ich einer anderen Generation angehöre. Doch wenn man sich mit den beiden beschäftigt, versteht man es besser. Das gemeinsame Verständnis für den Druck und das Leben im Tenniszirkus. Und natürlich die sehr dominanten Väter, welche die Karrieren ihrer Kinder sehr eng begleiteten.

teleschau: Haben Sie die großartige Autobiografie André Agassis "Open" gelesen?

Lena Klenke: Ja, natürlich. Es war das Erste, mit dem ich mich bei der Vorbereitung auf die Rolle beschäftigt habe. Eine gute Entscheidung, weil er sie in dem Buch auch so toll beschreibt. Von Steffi Graf selbst existiert nichts Vergleichbares. Sie hat sich immer sehr damit zurückgehalten, ihr Leben zu erzählen.

"Schließlich war er zu dieser Zeit ja vielleicht noch mit Brooke Shields zusammen"

teleschau: Gibt es überhaupt keine Bilder oder Berichte aus ihrem Leben nach dem Tennis?

Lena Klenke: Nur sehr wenige. Das einzige, mit dem sie ab und zu in der Öffentlichkeit auftaucht, ist ihre Stiftung "Children for tomorrow". In Sachen Klatsch und Tratsch gibt es ab und zu Gerüchte, aber die sind ihr, glaube ich, so ziemlich egal.

teleschau: Sind alle privaten Szenen im Film letztendlich Spekulation nach dem Motto: So könnte sich Steffi Graf verhalten haben?

Lena Klenke: Alle privaten Szenen zwischen Steffi und André sind frei erfunden. Wir wissen nicht, wie sie sich da verhalten hat.

teleschau: Es gibt eine schöne Szene im Film, als sich die beiden - noch mit anderen Partnern liiert - in Rom treffen und sich dort für einen Ausflug und ein Tennismatch verabreden. Gab es dieses römische Treffen überhaupt?

Lena Klenke: Nein, auch das ist Spekulation. Wir haben keine Ahnung, wie die beiden sich tatsächlich angenähert haben. Auch Agassi ist in seinem Buch zurückhaltend in dieser Hinsicht, und das kann man auch verstehen. Schließlich war er zu dieser Zeit ja vielleicht noch mit Brooke Shields zusammen.

"Ich kann immer noch kein richtiges Match spielen"

teleschau: Sie haben eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit mit Steffi Graf. Wie sind Sie zu der Rolle gekommen?

Lena Klenke: Offenbar dachten die Produzenten ähnlich, denn ich hatte das Glück, einfach gefragt zu werden, ob ich Steffi Graf spielen möchte - also ohne Casting. Das war ganz am Anfang des Projektes, noch vor Corona. Ich fühlte mich total geehrt, hatte aber auch ein bisschen Angst, ob ich ihr gerecht werden kann. Glücklicherweise hatten wir durch Corona eine unerwartete Pause, die ich für Tennisstunden und die Beschäftigung mit ihr nutzen konnte.

teleschau: Hat man Sie nicht zu Anfang gefragt, ob Sie Tennis spielen?

Lena Klenke: Doch, natürlich. Und ich musste "nein" antworten. Aber dann hieß es: "Kein Problem, das kriegen wir hin." Hinzu kam noch, dass ich Linkshänderin bin und Steffi Rechtshänderin. Ich musste Tennis mit meiner schwächeren Hand lernen. Es ist zwar kein Film mit 80 Prozent Tennisszenen, aber es gibt sie natürlich. Ich fand das Tennisspielen für den Film trotzdem gut. Sobald man etwas Körperliches macht, kann man sich besser reinfühlen in eine Rolle.

teleschau: Sie hatten ja sicher einen Trainer. War das jemand, der Ihnen spezielles Steffi Graf-Tennis beibrachte?

Lena Klenke: Ja, das war der Fokus. Wir haben eigentlich nur versucht, ihr Tennis abzubilden: dass ich lerne, wie sie spielte. Ich musste dann auch meinen Freunden sagen: "Ihr braucht nicht denken, dass ihr mit mir jetzt richtiges Tennis spielen könnt." Ich kann immer noch kein richtiges Match spielen. Aber ich kann nachmachen, wie Steffi Graf gespielt hat (lacht).

"Wir lernten diese Matches wie eine Choreografie auswendig"

teleschau: Wie trainiert man so etwas?

Lena Klenke: Wir haben uns viele Spiele von ihr angeschaut, die Bewegungen studiert und nachmodelliert. Wir wussten, welche Spielszenen im Film vorkommen und worauf wir den Fokus legen müssen: French Open '91, Wimbledon '93. Wir lernten diese Matches wie eine Choreografie auswendig. Natürlich ging es um bestimmte Bewegungen: Was war das Markante an ihrer Vorhand, wie war ihr Slice, wie der Aufschlag? Was hat sie zwischen den Ballwechseln gemacht? Diese Details sollten schon stimmen.

teleschau: Gibt es auch Szenen mit einem Double?

Lena Klenke: Ja, auch die gibt es. Es war von Beginn an klar, dass ich ihr in richtigen Ballwechseln nicht gerecht werden kann. Insofern wurde in solchen Szenen getrickst. Wir haben aber auch fast alles mit mir gedreht, um hinterher zu schauen, was man wie verwenden kann. In der Regel sind die Szenen mit schnellen Ballwechseln aber jene mit dem Double. Auf Originalszenen mit Steffi Graf haben wir verzichtet. Wenn man sich für einen solchen filmischen Ansatz entscheidet, hat man permanent den Vergleich zwischen Original und Fälschung. Und natürlich auch einen Bruch in der Art des Bildmaterials. Beides wollten wir nicht.

"Wir wurden immer wieder gefragt, ob wir mit KI gecastet haben"

teleschau: Wurde Steffi Graf gefragt, ob sie am Film beteiligt sein will?

Lena Klenke: Ja, natürlich. Aber sie hat dankend abgelehnt, uns aber viel Glück und Spaß gewünscht. So ähnlich durfte man das wohl von ihr erwarten (lacht). Aber sie hat nicht geäußert, dass sie nicht gespielt werden möchte. Das hat mich beruhigt. Ab ihrem "go" war es dann irgendwie mein Projekt und meine Interpretation ihres Lebens.

teleschau: Wie wurde eigentlich Ihr Filmpartner Toby Sebastian gecastet, der ja der Bruder der britischen Schauspielerin Florence Pugh ist?

Lena Klenke: Das geschah relativ spät. Man suchte lange erfolglos nach einem André Agassi-Darsteller, doch dann hat unser Casting ihn doch noch gefunden. Man wollte eine optische Ähnlichkeit, aber auch eine ähnliche Präsenz. Toby hat viel Schauspielerfahrung. Auch bei "Game of Thrones" war eine Weile dabei. Er ist ein entspannter, lustiger Brite, der in London lebt und den Amerikaner Agassi super verkörpert hat, wie ich finde. Als er die André Agassi-Perücke zum ersten Mal trug, war die Ähnlichkeit geradezu verblüffend. Wir wurden danach immer wieder gefragt, ob wir mit KI gecastet haben (lacht).

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