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  1. Boulevard
  2. Rassistische Drohungen: Volksbühne sagt Veranstaltung ab

Rassistische Drohungen: Volksbühne sagt Veranstaltung ab

Das Pop-up-Freibad vor der Berliner Volksbühne sollte für einige Stunden exklusiv für die schwarze Community öffnen. Doch dann gab es Drohungen. Die Veranstaltung wurde abgesagt. Wie geht es weiter?

Von dpa
14.08.2026, 16:17 Uhr
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    Rassistische Drohungen: Volksbühne sagt Veranstaltung ab - Die Volksbühne hat eine Veranstaltung mit dem Verein Eoto abgesagt.
    Die Volksbühne hat eine Veranstaltung mit dem Verein Eoto abgesagt. Bild: Christophe Gateau/dpa
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    Rassistische Drohungen: Volksbühne sagt Veranstaltung ab - Die Volksbühne hat ein temporäres Schwimmbad aufgebaut.
    Die Volksbühne hat ein temporäres Schwimmbad aufgebaut. Bild: Christophe Gateau/dpa
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    Rassistische Drohungen: Volksbühne sagt Veranstaltung ab - In einer Stellungnahme begründet der Verein Eoto die Absage der Veranstaltung.
    In einer Stellungnahme begründet der Verein Eoto die Absage der Veranstaltung. Bild: Christophe Gateau/dpa
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    Rassistische Drohungen: Volksbühne sagt Veranstaltung ab - Der Intendant der Volksbühne, Matthias Lilienthal.
    Der Intendant der Volksbühne, Matthias Lilienthal. Bild: Christophe Gateau/dpa
Berlin

Für wenige Stunden sollte das "Volksbad", ein temporäres Schwimmbecken direkt vor der Berliner Volksbühne, exklusiv für Menschen der schwarzen Community öffnen. Doch nach rassistischen Drohungen hat das Theater die geplante Veranstaltung für den heutigen Freitag mit dem Verein "Each One Teach One" (Eoto) abgesagt. Wie geht es jetzt weiter? 

  • Rassistische Drohungen: Volksbühne sagt Veranstaltung ab - Die Volksbühne hat ein temporäres Schwimmbad aufgebaut.
    Die Volksbühne hat ein temporäres Schwimmbad aufgebaut. Bild: Christophe Gateau/dpa

Was ist eigentlich passiert? 

Seit einer Woche steht vor der Volksbühne, einem der wichtigsten Theater Deutschlands, bis Anfang Oktober ein 25 Meter langes und 1,30 Meter tiefes Freibad, das sogenannte Volksbad. Der Eintritt ist kostenlos, Tickets können vorab gebucht werden. An einigen Tagen allerdings ist das Schwimmbecken für bestimmte Vereine reserviert - wie zum Beispiel für Eoto. 

Der Verein ist im Bereich der Rassismusprävention tätig und setzt sich für die Selbstermächtigung schwarzer Menschen ein. Der Verein ist einer der Träger des Black Communities Center in Berlin-Wedding, das dieses Jahr eröffnet wurde. Einige Medien, rechte Politikerinnen und Politiker, aber auch eine CDU-Kommunalpolitikerin kritisierten die Exklusivnutzung in den sozialen Medien. 

AfD-Chefin Alice Weidel sprach von "Apartheid". Der Begriff Apartheid bezeichnet ein dauerhaftes und systematisches Herrschafts- und Unterdrückungssystem einer Gruppe gegen eine andere, nicht lediglich eine zeitweise Trennung von Menschen nach bestimmten Merkmalen. Apartheid nannte man das politische System der Trennung zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika. 

Die Menschen wurden entsprechend ihrer Hautfarbe in verschiedene Gruppen eingeteilt, wie die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt. Obwohl die überwiegende Mehrheit der Menschen Schwarze waren, hatten nur die Weißen das politische Sagen. Schwarze wurden systematisch unterdrückt. 

Wieso wurde die Veranstaltung abgesagt? 

Die Volksbühne und der Verein könnten eine sichere An- und Abreise der angemeldeten Besucher ebenso wenig garantieren wie einen entspannten Feriennachmittag, hieß es in einer Mitteilung. Der Verein Eoto sprach von direkten Anfeindungen: "Seit Beginn der öffentlichen Diskussion über die Veranstaltung erhalten wir rassistische Droh-E-Mails sowie Gewaltandrohungen und diskriminierende Kommentare auf Social-Media", teilte der Verein mit. 

  • Rassistische Drohungen: Volksbühne sagt Veranstaltung ab - In einer Stellungnahme begründet der Verein Eoto die Absage der Veranstaltung.
    In einer Stellungnahme begründet der Verein Eoto die Absage der Veranstaltung. Bild: Christophe Gateau/dpa

Welche Stimmen gibt es aus der schwarzen Community dazu?

Die Aktion sei bewusst umgedeutet und missverstanden worden in die Richtung: Es sei so heiß und wir Weißen dürften nicht ins Schwimmbad, sagt Emilia Zenzile Roig. "So war das ein Segen für die Rechten." Roig ist Autorin und Politologin aus Frankreich und eine schwarze Person, die in Berlin lebt. "Das Narrativ dahinter mit einem angeblichen anti-weißen Rassismus hat funktioniert."

Dabei gebe es einen nachvollziehbaren Anlass für die Idee des Vereins, schwarze Kinder und Jugendliche unter sich baden zu lassen, so Roig. Rassismus sei für Schwarze allgegenwärtig und viele Räume unsicher. "Im Schwimmbad werden sie zum Beispiel beschimpft, sie würden das Wasser dreckig machen. Auch in Berlin." 

  • Rassistische Drohungen: Volksbühne sagt Veranstaltung ab - Der Intendant der Volksbühne, Matthias Lilienthal.
    Der Intendant der Volksbühne, Matthias Lilienthal. Bild: Christophe Gateau/dpa

Wie geht es jetzt weiter? 

Die Volksbühne bleibt bei ihrem Standpunkt: "Wir werden selbstverständlich weiterhin positive Maßnahmen für strukturell benachteiligte Menschen anbieten", teilte der Intendant Matthias Lilienthal mit. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er, das Theater werde versuchen, das Veranstaltungsprogramm weiter umzusetzen. "Die Volksbühne hat einen langen Atem und wird am Kooperationspartner festhalten."

Lilienthal betonte auch, er lasse sich keinen rechten Diskurs "aufzwingen". Sein Theater entspreche dem Berliner Antidiskriminierungsgesetz, was zwingend vorsehe, für marginalisierte, traumatisierte Gruppen Schutzräume zu schaffen. "Und insofern erfüllen wir auf geradezu vorbildliche staatsbürgerliche Art und Weise die Auflagen dieses Gesetzes". 

Am Freitag sollte das Schwimmbad für den regulären Betrieb geschlossen bleiben. Das Bad solle am Samstag dann wieder wie vorgesehen ab 12.00 Uhr geöffnet sein, sagte Lilienthal.

Wie reagiert die Politik auf die Entwicklung? 

Die Leiterin der Ombudsstelle des Landesantidiskriminierungsgesetzes bei der Senatsverwaltung für Vielfalt und Antidiskriminierung, Doris Liebscher, verteidigte das Konzept in einer Mitteilung. Eine unterschiedliche Behandlung sei zulässig, wenn durch geeignete und angemessene Maßnahmen bestehende Nachteile strukturell benachteiligter Personen verhindert oder ausgeglichen werden sollen. 

Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) betonte, die Debatte laufe in eine völlig falsche Richtung. "Aus einem zeitlich begrenzten Angebot für schwarze Menschen wird ein Diskriminierungsvorwurf konstruiert, der der Sache nicht gerecht wird."

Linke und Grüne in Berlin bezeichneten die Vorgänge als "unerträglich". "Dass die Absage wegen Sicherheitsbedenken erfolgen musste und das gemeinsame Schwimmen für schwarze Kinder und Jugendliche im Volksbad nun ausfällt, zeigt, wie sehr Hass und Hetze um sich greifen", sagte Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp der Deutschen Presse-Agentur.

Gibt es ähnliche Vorfälle auch in anderen Ländern?

Durchaus. In Großbritannien etwa kam es bereits vor mehr als zwei Jahren zu einer ähnlichen Debatte. Im Februar 2024 sorgten zwei geplante "Black Out"-Aufführungen des Stücks "Slave Play" im Londoner Noël Coward Theatre sogar in der Downing Street für Aufregung. 

Auch in Frankreich wird die Frage, ob ein Raum gegen Rassismus geschützt sei, indem er Menschen nach ihrer Hautfarbe trennt, mit großer Schärfe diskutiert. 2017 entzündete sich der Streit am afrofeministischen Festival "Nyansapo" in Paris. Das schwarze feministische Kollektiv Mwasi wollte dort Räume schaffen, in denen schwarze Frauen über Rassismus, Sexismus und Diskriminierung sprechen konnten. Die damalige Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo sah darin zunächst eine Diskriminierung Weißer.

Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.

Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH

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