"Sadistischer Moment" mit Jimi Blue Ochsenknecht: "Wilde Kerle"-Star erlebt Ablehnung und Mobbing

Schauspieler Nick Romeo Reimann packt über Mobbing-Erfahrungen am Set der beliebten Filmreihe „Die Wilden Kerle“ aus. Jimi Blue Ochsenknecht bezieht Stellung.

Schon als Kind flimmerte Nick Romeo Reimann über die Kinoleinwand. In den 2000er-Jahren ließ der in München geborene Schauspieler die Herzen vieler junger Mädchen höher schlagen, jeder kannte sein Gesicht. Seinen großen Durchbruch feierte er an der Seite von Jimi Blue Ochsenknecht und dessen Bruder Wilson Gonzalez. 2006 stieg Reimann in der Rolle des "Nerv" in der beliebten Kinderfilmreihe "Die Wilden Kerle" ein - sowohl im dritten als auch im vierten und fünften Teil der Reihe war er zu sehen. Von außen betrachtet lebte der junge Schauspieler den Traum jedes Kindes. Denn Hand aufs Herz: Wer wäre damals nicht gern Teil der coolen Film-Clique rund um "Leon", "Marlon", "Maxi" und "Vanessa" gewesen?

Doch so traumhaft Reimanns Drehalltag von außen betrachtet auch wirkte - hinter den Kulissen hat für ihn längst nicht immer die Sonne geschienen. Der heute 28-Jährige packt in einer aktuellen Doku über Ausgrenzungserfahrungen und Hänseleien aus, die er am Set der "Wilden Kerle" erlebt haben soll.

 

"Wilde Kerle"-Star Nick Romeo Reimann: "Kälte und Härte erlebt"

Nick Romeo Reimann erzählt in der NDR-Doku "Kinderschauspieler - Der Preis des Erfolgs", seine "Wilde Kerle"-Co-Stars hätten sich ihm gegenüber respektlos und beleidigend verhalten. Die Rede ist unter anderem von Jimi Blue Ochsenknecht, der sich damals im Teenager-Alter befand. Vor der Kamera sei Reimann von seinen Schauspielkollegen - wie es das Drehbuch wollte - gefeiert worden. Doch "als die Kameras aus waren", habe der noch junge Kinostar "nicht wirklich zur Bande gehört". Reimann meint: "Da hab ich häufig eine unglaubliche Kälte und Härte erlebt. Ich wurde bei denen nicht in die Gruppe gelassen, es gab abgrenzendes Verhalten mir gegenüber." Von Zusammenhalt und brüderlicher Gemeinschaft konnte zumindest der "Nerv"-Darsteller nur träumen. Er fällt ein hartes Urteil: "Also für ein Kind war das schon auch ein bisschen ein sadistischer Moment, dass die hinter der Kamera fies zu mir sind, und dann geht die Kamera an, und im Text steht halt: ‚Nerv, du bist der beste Kerl.‘"

Reimann sei schon zu "Wilde Kerle"-Zeiten bewusst gewesen, dass wenn er Zuneigung von seinen Co-Stars erlebte, dies nie echt war. Zu Momenten der Zugehörigkeit sei es für ihn stets nur dann gekommen, wenn das Drehbuch es verlangte. Aber trotzdem habe der Schauspieler "es unglaublich genossen als Kind": "Weil da war es kurz so, wie ich mir das gewünscht hab. Also kurz hatte ich das Verhältnis zu den anderen. Und kurz dachte ich, dass wir wirklich Freunde sein können." Der plötzliche Wechsel seiner jungen Kollegen von freundlich zu fies sei für Reimann "schon krass" gewesen.

 

Mobbing und schlimmste Beleidigungen

Bis heute könne sich der Schauspieler noch ganz genau an die Mobbingerfahrungen erinnern: "Das sind Sachen, die sich wirklich eingebrannt haben in meinen Kopf. Weil das erste Mal als Kind war ich wirklich auch mit so harten Beleidigungen konfrontiert." Vor allem ein bestimmtes Szenario ist für Reimann noch sehr präsent. Er erzählt: "Wir saßen bei McDonald‘s. Ich wollte an der Gruppendiskussion teilnehmen, sagte irgendwas, und dann wurde zu mir gesagt: ‚Halt deine Fresse, du Schei**kind. Ich will nicht so verblöden wie du.‘ Dann wurde mir verboten zu reden in dieser Gruppe von Jugendlichen. Und immer, wenn ich was sagen wollte, hieß es: ‚Du hältst deine Fresse.‘" Ob Reimann eine bestimmte Person im Kopf hat, wenn er von diesen erlebten Beleidigungen erzählt? Das verrät er in der Doku nicht. Doch klar ist, bis heute ist für ihn noch einiges rätselhaft: "Warum? Ich kann es nicht nachvollziehen, warum man da so hasserfüllt auf mich reagiert hat."

 

Jimi Blue Ochsenknecht: Pöbeleien im Tourbus

Zu Werbezwecken war der "Wilde Kerle"-Cast in den 2000er-Jahren mehrmals auf Kinotour. Dabei reisten Nick Romeo Reimann, Jimi Blue Ochsenknecht und ihre Co-Stars in einem Bus durch viele deutsche Städte, um Interviews zu geben und mit Fans in Kontakt zu treten. Auch während der Kinotouren sei Reimann mehrmals beleidigt und ausgegrenzt worden. Der 28-Jährige verrät: "Da gab es einen abgegrenzten Bereich für die ‚Wilden Kerle‘, da durfte ich nie rein. Da wurde ich einfach rausgeworfen." In der NDR-Doku werden alte Aufzeichnungen gezeigt, in denen Jimi Blue Ochsenknecht zu Reimann ruft: "Verpi** dich!" Enttäuscht verlässt der gebürtige Münchner im Video daraufhin den Raum.

 

Mobbing bei den "Wilden Kerlen": War das Alter schuld?

Nach den heftigen Mobbingvorwürfen von Nick Romeo Reimann ließ es sich der NDR nicht nehmen, Jimi Blue Ochsenknecht um ein Statement zu beten. Scheinbar war der Sohn von Uwe Ochsenknecht tatsächlich mit an vorderster Front, wenn es darum ging, gegen Reimann zu pöbeln. Er will sich in der Doku erklären und meint: "Ich distanziere mich da heute komplett und steh auch dafür ein, dass man nicht mobben sollte. Mir ist das extrem wichtig, mich da geradezustellen und sich eben die Schuld einzugestehen, zu den Fehlern zu stehen." Im Weiteren sagt Ochsenknecht: "Ich kann mir vorstellen, dass es für Nick ne schwierige Zeit war. Weil wir haben ja alle schon drei Jahre zusammen gearbeitet. Und dann kam er dazu, war viel, viel jünger. Und ich war in so einer Phase, genau in dem Alter zwischen 14 und 17 Jahren, wo ich mich extrem cool fand. Wenn ich sagte: ‚Verpi** dich‘, dachte ich, ich wäre der Coole da im Raum."

Der heute 34-Jährige deutet an, dass Reimann hinter den Kulissen nicht als Teil der "Wilden Kerle" gesehen wurde, weil er eben nicht von Anfang an dabei war. Ochsenknecht und die anderen Stars der Filmreihe, die bereits seit dem ersten Teil mit vor der Kamera standen, scheinen schnell ein eingeschweißtes Team geworden zu sein. Wer erst später in den Cast nachrückte, war wohl nicht in der Gemeinschaft erwünscht.

 

Reue bei Jimi Blue Ochsenknecht: "Mir tut es auf jeden Fall leid"

Eines macht Jimi Blue Ochsenknecht deutlich: Der 34-Jährige bereut das ausgrenzende Verhalten zutiefst. "Mir tut es auf jeden Fall leid und ich kann jetzt erst nachvollziehen, wie es da für Nick vielleicht ankam." Über sich selbst sagt Ochsenknecht: "In so einem jungen Alter so bekannt zu sein, ist auf jeden Fall ungesund." Seine Aussagen und sein Verhalten habe er "in dem Modus überhaupt nicht reflektiert und überhaupt nicht kapiert".

Hinweis der Redaktion: Die NDR-Doku "Kinderschauspieler - Der Preis des Erfolgs" ist in der ARD-Mediathek abrufbar. Hier ein Link zur Dokumentation.

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