100 Kilometer bis ans Limit: Warum ein 17-Jähriger am Samstag 50 Runden um den Schloßteich rennt

Nils Künzel stellt sich in Chemnitz seiner bislang größten Herausforderung

Chemnitz

Hundert Kilometer am Stück rennen – für die meisten Menschen ist das kaum vorstellbar. Für Nils Künzel ist genau das der Plan. Der 17-Jährige Schüler aus Limbach-Oberfrohna wird am Samstag um 6 Uhr seine Laufschuhe schnüren und den Chemnitzer Schloßteich umrunden. 50 Mal soll es um das Gewässer gehen, denn jede Runde misst exakt zwei Kilometer. Wer hinter der Aktion einen Sponsor, einen Werbepartner oder eine große Spendenkampagne vermutet, liegt allerdings falsch. Nils läuft aus einem ganz anderen Grund...

50 Runden statt einer langen Strecke

Eigentlich sollte der Rekordversuch ganz anders aussehen. Ursprünglich plante Nils, die 100 Kilometer auf einer Strecke von A nach B zu laufen. Doch schnell wurde klar: Die Versorgung und Begleitung sind kaum zu organisieren. „Der Schloßteich erwies sich schließlich als ideale Lösung“, erzählt Nils. „Kaum Höhenmeter, gute Versorgungsmöglichkeiten zwischendurch, Schatten und die Hoffnung, dass es am Wasser ein bis zwei Grad weniger Lufttemperatur herrschen.“

Mehr als zwölf Stunden unterwegs

Die Tage vor dem Lauf standen ganz im Zeichen der Vorbereitung. Nudeln und Haferflocken sollten die Glykogenspeicher in den Muskeln füllen, damit dem Körper möglichst lange ausreichend Energie zur Verfügung steht. Auch der Lauf am Samstag folgt einem genauen Plan. Rund sieben Minuten pro Kilometer möchte der 17-Jährige laufen. Nach jeweils 20 Kilometern ist eine halbstündige Pause vorgesehen. Im Idealfall wäre der Lauf nach etwas weniger als 14 Stunden beendet. „Es kommt natürlich immer auf die Tagesform an“, sagt Nils. „Da spielt viel mit rein.“ Gleichzeitig macht er deutlich: „Aber wenn ich einmal laufe, dann laufe ich – und dann zählt nur das Ziel.“

Ein Team aus Freunden

Ganz allein wird der Schüler die 100 Kilometer nicht absolvieren. Drei Freunde begleiten ihn den gesamten Tag. Sie reichen Getränke, kümmern sich um die Verpflegung und beobachten aufmerksam seinen Zustand. Sogar ein befreundeter Physiotherapeut gehört zum Team. „Ich vertraue darauf, dass sie mir sagen, wenn ich komplett neben der Spur sein sollte“, sagt Nils mit einem Lachen. Julia Schönherr, eine Mitschülerin aus derselben Klassenstufe, macht sich allerdings keine Sorgen: „Er weiß, was er tut“, sagt sie. Nils laufe praktisch schon sein ganzes Leben und habe bereits zahlreiche sportliche Herausforderungen gemeistert – darunter mehrere Marathons.

Inspiration aus der Wüste

Den entscheidenden Anstoß für das Projekt gab der außergewöhnliche Lauf eines anderen Sportlers: Inspiriert wurde Nils von Arda Saatci, der in diesem Frühjahr 600 Kilometer durch die Wüste der USA lief und damit hunderttausende Menschen begeisterte. Auch Nils hätte nichts dagegen, wenn sich Läufer am Samstag spontan anschließen: „Ich bin offen für jeden, der mitlaufen möchte“, sagt der 17-Jährige. Laufanfängern rät er jedoch davon ab, spontan zu lange Distanzen in Angriff zu nehmen.

Zweifler gibt es immer

Nicht jeder in seinem Umfeld glaubt daran, dass der 17-Jährige die 100 Kilometer tatsächlich schaffen wird. „Die meisten unterstützen mich, aber es gibt auch viele Zweifler“, erzählt Nils. Das bringe ihn allerdings nicht aus der Ruhe. „Ich bin guter Dinge.“ Und wie schläft man vor einem solchen Kraftakt? „Ich bin im Grunde tiefenentspannt“, schmunzelt Nils. „So eine Situation kenn ich aus diversen Wettkämpfen. Mit dem Fahrrad bin ich die 100 Kilometer am Stück übrigens schon gefahren – jetzt eben zu Fuß.“

Und was ist die Motivation dahinter?

Am Ende bleibt die Frage: Warum macht man das Ganze eigentlich? Mit seinem außergewöhnlichen Lauf möchte der 17-Jährige zeigen, was mit Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Disziplin möglich ist. Seine Botschaft richtet sich dabei nicht nur an Läufer: „Jeder soll den Mut finden, sich eigene Ziele zu setzen und sie Schritt für Schritt zu verfolgen.“ Genau so beginnt für Nils am Samstagmorgen auch die längste Laufstrecke seines bisherigen Lebens: Mit der ersten von insgesamt 50 Runden um den Chemnitzer Schloßteich.

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