Am Dienstag wurden wichtige Beweise beim zweiten von vier angesetzten Prozesstagen im Fall um die getötete Valeriia (9) aus Döbeln (BLICK.de berichtete) am Landgericht Chemnitz vorgelegt. Die Auswertungen der Überwachungskameras und Handys des Angeklagten geben Hinweise darauf, dass sich der Angeklagte am Tattag in der Nähe der Wohnung des Opfers aufgehalten haben muss.
Bereits am vergangenen Freitag hatte der angeklagte Andrei P. (37) angegeben, zum Tatzeitpunkt in Tschechien gewesen zu sein. (Lest hier den detaillierten Prozessbericht von Tag 1) Die vorgelegten Beweise zeichnen ein anderes Bild. Mehrere Überwachungskameras hatten das Auto des 37-Jährigen auf dem Weg von Prag nach Döbeln sowie zum Tatort und zurück aufgezeichnet. Auch die Indizien bezüglich der Handys stützen die Theorie, dass er sich in Döbeln aufgehalten haben muss.
Angeklagter mit blauem Auge
Der Angeklagte erschien am Dienstag mit einer tief ins Gesicht gezogenen Kapuze und in einem weiß-grauen Jogginganzug im Gerichtssaal. Auffällig war ein blaues Auge auf der linken Seite, zu dem keine Informationen über dessen Entstehung vorliegen.
Technische Geräte ausgewertet
Eine Beamtin der Chemnitzer Kriminalpolizei legte im Verlauf der Verhandlung eine detaillierte Rekonstruktion der Bewegungsdaten der beiden Mobiltelefone, die beim Angeklagten gefunden wurden und des "Firmenwagens" des Angeklagten vor. Der Firmenwagen - ein roter Mazda 3 mit auffällig lackierter Stoßstange, den der Angeklagte seit 21. Mai 2024 nutzen durfte - wurde, entgegen der Aussage von Andrei P., am Sonntagabend, dem 2. Juni 2024, auf der Autobahn, auf dem Weg von Prag nach Dresden, von Autobahnkameras aufgezeichnet.
Firmenwagen von Kameras aufgezeichnet
Kurze Zeit später hat sich eines der Handys des Angeklagten in einer Funkzelle in unmittelbarer Nähe der Wohnung von Valeriias Mutter eingeloggt. Gegen 21.56 Uhr hatte eine Überwachungskamera eines Bestattungshaus in Döbeln den Firmenwagen ebenfalls aufgenommen. Nur wenige Minuten später hätten sich die Handys von Andrei P. dann in das W-LAN von Valeriias Mutter eingeloggt. Diese Indizien legen nah, dass sich der Angeklagte am Vorabend des Tattages bereits in der Nähe der Wohnung des Opfers aufgehalten haben muss.
Am frühen Morgen des 3. Juni, kurz vor 4 Uhr, wurde mit einem der Handys eine Markierung via Google Maps im Wald gesetzt, an dem Valeriia später tot aufgefunden wurde, berichtete die Kriminalbeamtin. Gegen 5.53 Uhr loggte sich das Handy letztmalig in der Funkzelle nahe der Wohnung ein, bevor das Auto wenige Minuten später wieder von der Kamera des Bestattungsunternehmens aufgezeichnet wurde. Wahrscheinlich war der Täter zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Kind unterwegs in eben jenen Wald südlich von Döbeln. Weitere Kameras haben das Auto aufgezeichnet, wie es auf dem Weg zum Tatort und wieder von diesem weg fuhr. Kurz vor halb 9 sei der Mazda dann wieder unterwegs nach Prag gewesen.
Angeklagter: "Mein Dienstwagen wurde benutzt. Ich war schockiert."
Der Vater von Andreis Arbeitgeber, der am Freitag bereits als Zeuge aussagte, berichtete, dass er das Firmenauto, sowohl innen als auch außen, in ungewöhnlich stark verschmutzten Zustand zurückgegeben wurde. Er habe den Schlüssel von einem anderen Kollegen erhalten, der keinen Führerschein besitze. In besagtem Fahrzeug wurden DNA-Spuren gefunden, darunter solche von Andrei P. sowie von Valeriia, teilte der Richter mit. Der Angeklagte zeigte sich überrascht, dass sein Dienstwagen in der Nähe des Wohnortes des getöteten Mädchen gesichtet wurde: "Mein Dienstwagen wurde benutzt. Ich war schockiert."
"Ich habe den Anwalt gebeten, nicht mehr zu kommen."
Der Angeklagte äußerte zudem Unzufriedenheit mit seinem Verteidiger, da dieser ihm bislang keinerlei Unterstützung geleistet habe. In den letzten Wochen habe er einen Antrag auf einen Anwaltswechsel gestellt, der jedoch vom Gericht abgelehnt wurde. Er erklärte: "Ich habe meinen Anwalt dann darum gebeten, nicht mehr zu erscheinen." Zudem forderte der Angeklagte eine erneute Untersuchung, doch auch dieser Antrag wurde vom Richter abgelehnt. Der Staatsanwalt erklärt: "Mit Erhebung der Anklage sind unsere Ermittlungen abgeschlossen."
Des Weiteren ging aus den Auswertungen des Handys hervor, dass der Angeklagte am späten Abend des Verschwindens von Valeriia, eine Nachricht an das Handy des Kindes geschrieben hatte mit dem Wortlaut: "Wo bist du? Hör auf Mama, ich habe gehört, du bist verschwunden." Auch wurden mit dem Telefon verschiedene Suchanfragen getätigt, u.a. wie man Standortdaten von Smartphones entfernen kann. Vom 2. und 3. Juni waren die Standortdaten auf dem Telefon nicht mehr verfügbar.
Wegen Nichterscheinens eines wichtigen Zeugens wurde der Prozess auf Montag, den 27. Januar, vertagt.
Hintergrund
Die Anklage wirft dem 37 Jahre alten Moldawier vor, die 9-jährige Valeriia am 3. Juni 2024 getötet zu haben. Er habe sie auf dem Schulweg eingefangen, wäre in einen Wald gefahren und habe den Kopf des Mädchens in eine Schlammpfütze gedrückt, bis das Kind erstickte. Der Mann sei verärgert und krankhaft eifersüchtig gewesen, weil sich Valeriias Mutter wenige Tage zuvor von ihm getrennt habe. Er habe sich an der Frau rächen wollen.
Habt ihr eine Meinung zu diesem Artikel oder einen Fehler entdeckt? Dann weist uns gern darauf hin.




