200 Jahre "Rappelkiste" lässt staunen

Entdeckung Ein Stück Technikgeschichte wird neu gefasst

200-jahre-rappelkiste-laesst-staunen
Schreibt einen Teil der Bettentechnikgeschichte neu: Thomas Uhlmann mit der Reinigungsmaschine im Bettenmuseum Freiberg. Foto: W. Josch

Freiberg. Thomas Uhlmann konnte sein Glück kaum fassen. Im März wurde ihm eine Kiste zum Kauf angeboten, die es in sich hat und für sein Betten- und Schlafmuseum in den Räumen von "Betten Uhlmann" in der Freiberger Bahnhofstraße wie geschaffen ist. Wohl rund 200 Jahre alt ist diese Kiste, und das ist schon das Sensationelle an ihr, denn sie ist natürlich keine gewöhnliche Truhe. In ihr befindet sich eine Vorrichtung zum Reinigen von Bettfedern. Bislang ging der Museumsgründer davon aus, dass erst im Jahr 1877 die frühesten solcher Maschinen gebaut wurden.

Die Reinigungsmaschinen gibt es wohl schon länger

Dieses historische Bild muss nun völlig neu gefasst werden, denn wie die Recherchen von Thomas Uhlmann ergaben, muss die Kiste sie erwähnten zwei Jahrhunderte alt sein. Das geht aus der Aufschrift hervor, die sich am Deckel befindet. Nach der wurde die Apparatur von einem gewissen Anton Auer aus Kößlarn gebaut. Da der Erwerb der Maschine nicht gerade kostengünstig werden sollte, musste Uhlmann zunächst einmal recherchieren. Im Archiv von Kößlarn bei Passau wurde er fündig. Auer wurde dort 1759 geboren und war später Zimmermann. "Somit ist davon auszugehen, dass er die besagte Maschine zwischen 1790 und 1810 entwickelt hat", sagt Uhlmann. "Aber weitere Recherchen dazu laufen."

Dennoch ist schon jetzt bedeutsam, dass rund 80 Jahre vor dem bislang angenommenen Datum eine Betten-Reinigungs-Maschine gebaut wurde, zumal mit einem Rührmechanismus, der bis in die Neuzeit Verwendung fand. "Das ist so, als wäre Jahrzehnte vor Otto Lilienthal schon einmal jemand geflogen", vergleicht es Thomas Uhlmann. Am Tag des traditionellen Handwerks, dem 15. Oktober, kann diese Apparatur im Bettenmuseum in der Zeit von 10 bis 17 Uhr bestaunt werden.