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25 Schicksale in Hoheneck

Ausstellung Gegen das Vergessen von Frauen, die aus politischen Gründen inhaftiert waren

Im Chemnitzer Neuen Rathaus gastiert zurzeit eine Ausstellung, die alles andere als leicht verdaulich ist. Hier wurde am Montagabend unter für die Veranstalter überraschend großem Besucherandrang die Wanderausstellung "Das Frauengefängnis von Hoheneck" eröffnet: Auf Bildtafeln sind die Schicksale von 25 aus politischen Gründen inhaftierten Frauen nachzulesen, die zwischen 1950 und 1989 in Hoheneck, heute Teil von Stollberg, gefangen waren. Es ist eine sachliche Schau, bei der der Besucher auf Porträts von Frauen blickt, deren Schicksal in Hoheneck nicht zu erahnen ist und welches deshalb umso ernüchternder als Text und in Ausschnitten von Originaldokumenten direkt daneben steht. Anlässlich der Ausstellung sprach auch Zeitzeugin Ellen Thiemann, die nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR ab Mai 1973 zwei Jahre im Frauengefängnis verbrachte. Die Autorin und Journalistin hat ihre Erlebnisse und Nachforschungen inzwischen in mehreren Büchern dokumentiert. Sie berichtete am Montag von den Umständen ihrer Inhaftierung und den unwürdigen Haftbedingungen im teils mit 1.600 Frauen auf 600 Plätzen überfüllten Gefängnis. "Wichtig ist, dass auch die Jugend aufgeklärt wird", sagte die heute 76-Jährige. Sie und die 25 gezeigten Frauen stünden für schätzungsweise 10.000 Frauen, die in der DDR politische Gefangene waren. Dass die Verantwortlichen und Beteiligten heute teils wieder in öffentlichen Ämtern und verantwortungsvollen Positionen aktiv sind, "das ist schwer für die Menschen, die damit leben müssen." Einen kleinen Teil zur Aufklärung will die Ausstellung um das vergleichsweise unbekannte Gefängnis Hoheneck beitragen. Den Veranstaltern der Arbeitsgruppe Sozialdemokratischer Frauen (ASF) sei es ein wichtiges Anliegen gewesen, die Ausstellung nach Chemnitz zu holen, erklärte ASF-Vorsitzende Hanka Kliese. Noch bis zum 8. März kann die Ausstellung besucht werden. Ein weiteres Zeitzeugengespräch findet am Abschlusstag um 10.30 Uhr mit Sabine Popp statt. mch/vtz