65.000 Menschen bei "#wirsindmehr"

Konzert Einsatz für menschenfreundliche Politik

Der Parkplatz an der Johanniskirche ist prall gefüllt, aus allen Einfallsstraßen strömen immer neue Menschen in Richtung Innenstadt, an Cafés und Bierständen stehen lange Schlangen. Eine solche Menschenmenge an einem Ort hat Chemnitz wohl zuletzt 1989 bei der Friedlichen Revolution gesehen: CWE-Geschäftsführer Sören Uhle spricht von 50.000 Menschen, die für das Konzert #wirsindmehr nach Chemnitz gekommen sind. Sie sind, ihre Fahnen, Transparente, Dialekte verraten es, aus allen Richtungen der Republik angereist: Ost spricht mit West, Nord feiert mit Süd, Hemdträger feiert mit Punk, Senior lässt sich vom Nachwuchs die Bands erklären. Bisher (Stand: 19.15 Uhr) ist es friedlich, wenn man Sirenen hört, sind es zumeist die von Krankenwagen, die Polizei verlebt im Zentrum einen ruhigen Nachmittag. Ganz so, wie es sich Tote-Hosen-Sänger Campino noch vor wenigen Stunden bei der Pressekonferenz vor Konzertbeginn gewünscht hatte.

Menschlichkeit wird gefordert

Friedlich, aber nicht leise, das ist das Motto der Veranstaltung, das die Chemnitzer Band Kraftklub angesichts des Aufmarsches rechter Parteien und besorgter Bürger in der vergangenen Woche in Chemnitz initiiert hat: Gleich beim ersten Auftritt, dem des in Karl-Marx-Stadt geborenen Trettmann, ist Kraftklub-Sänger Felix Kummer dann für ein Lied auch mit auf der Bühne, es wird nicht sein letzter Auftritt sein. Trettmann äußerte sich eindeutig in Richtung der Demonstranten der vergangenen Woche: "Was mich wirklich ankotzt, ist, wie der Tod von Daniel instrumentalisiert wurde, um rechte Ideologie auf die Straße zu bringen." Immer wieder gibt es solche Ansagen von der Bühne, die sich nicht nur gegen die AfD, sondern auch gegen die Politik der sächsischen CDU, gegen die bayerische CSU und den SPD-Außenminister Heiko Maas richten. Vor allem eine menschenfreundliche Flüchtlingspolitik wird hier eingefordert.

Auftakt mit einer Schweigeminute

Die Mörder von Daniel H. werden dabei ebenso wenig geschont: "Jeder, der in einem Streit ein Messer zückt, ist ein verficktes Arschloch", sagte Monchi von Feine Sahne Fischfilet. Für die Familie des Opfers wird während des Konzerts Geld gesammelt. Ganz zum Auftakt gab es eine Schweigeminute für Daniel, dessen gewaltsamer Tod vergangene Woche für mehrere Demonstrationen gesorgt hatte. Als die ausgerufen wurde, schwiegen die 50.000 auf dem Platz - nur das Klingeln einer CVAG-Straßenbahn war in diesem Moment zu hören.

UPDATE

Nach offiziellen Schätzungen gibt die Stadt bekannt, dass 65.000 Menschen an der Veranstaltung teilnahmen. 79 Personen mussten medizinisch versorgt werden, elf davon mussten ins Krankenhaus gebracht werden. "In der Regel handelte es sich um die Behandlung von Kreislaufproblemen und Schnittverletzungen". so die Stadt.