A72 zwischen Chemnitz und Leipzig: Eröffnungstermin nach 20 Jahren Bauzeit steht fest

Nach mehr als 20 Jahren Bauzeit wird die Richtungsfahrbahn Leipzig auf der A72 endlich einspurig geöffnet und für beide Fahrtrichtungen freigegeben.

Chemnitz / Leipzig

Das Eröffnungsdatum steht endlich fest: Die A72 wird nach einer Bauzeit von mehr als 20 Jahren noch im Oktober einspurig zwischen Leipzig und Chemnitz freigegeben.

Aufatmen für Pendler: Das letzte noch fehlende Teilstück der A72 zwischen der A38 und Rötha steht unmittelbar vor seinem Finale. Schon bald kann die Strecke erstmals von Hof bis Leipzig ohne Unterbrechung durchgängig befahren werden.

20 Jahre Verzögerung

Es ist eines der umfangreichsten Bauprojekte, was in den letzten 30 Jahren im Freistaat Sachsen umgesetzt wurde: Die Bundesautobahn 72. Was einst als Fahrbahnerneuerung zwischen Hof und Zwickau in den 1990er Jahren begann, wurde 2002 dann als Verkehrsader in Richtung Leipzig neu gedacht.

Auf der B95 steigerte sich das Verkehrsaufkommen immer weiter, sodass von 2002 bis 2008 die bestehende A72 zwischen dem Autobahnkreuz Chemnitz und Zwickau-West umfangreich ausgebaut wurde. Parallel begann 2003 dann auch der Bau der neuen 64 Kilometer langen Verlängerung der A72 von Chemnitz nach Leipzig. Ersten Plänen zufolge hatte die A72 bis zur Heimfußball WM 2006 in Deutschland fertigstellen werden sollen, doch daraus wurde nichts. Mehr als 20 Jahre später ist nun endlich bestätigt, wann die Autobahn einspurig erstmalig von Chemnitz nach Leipzig durchgehend geöffnet wird.

Warum der Bau so lange dauerte

Die Ursachen für die lange Bauzeit sind vielschichtig: Das Gesamtprojekt wurde in insgesamt acht Teilstücke unterteilt. „Für sechs der sieben weiteren Abschnitte war 2006 noch kein Baurecht (Planfeststellungsbeschluss) vorhanden. Für den letzten Abschnitt 5.2 von Rötha zur A38 wurde beispielsweise der Planfeststellungsbeschluss erst am 29.11.2013 genehmigt und das Baurecht geschaffen“, erklärt Eric Winter von der Autobahn GmbH, die inzwischen für das Bauprojekt verantwortlich ist.

Darüber hinaus traten im Laufe der Jahre immer wieder diverse Hindernisse bei den Bauarbeiten auf. Insbesondere der anspruchsvolle Baugrund im Süden von Leipzig gestaltete das Unterfangen extrem komplex. Mehr als 80 Prozent des finalen Bauabschnitts führen über unverdichtetes, stellenweise bis zu 60 Meter tiefes Kippengelände, das vom früheren Braunkohletagebau Espenhain hinterlassen wurde. Erschwerend kamen ein teilweise oberflächennaher beziehungsweise ansteigender Grundwasserspiegel und damit einhergehende widrige Bodenverhältnisse hinzu. Um spätere Setzungen des Autobahnkörpers zu unterbinden und die notwendige Tragfähigkeit zu garantieren, musste der Untergrund folglich mit großem Aufwand verfestigt und verdichtet werden.

Baupreise stiegen enorm

Auch langwierige Planungs- und Genehmigungsschritte, der Grundstückserwerb, Aspekte des Natur- und Artenschutzes sowie komplizierte Vergabeverfahren führten zu weiteren erheblichen zeitlichen Verzögerungen des Projekts.

Zusätzlich sind die Kosten im Bausektor in den vergangenen Jahren rasant nach oben geklettert. Diese hätten sich jährlich um etwa zehn Prozent verteuert, teilte die Autobahn GmbH vor einigen Monaten gegenüber dem MDR mit. Derzeit finden zudem auf der angrenzenden A38 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an Fahrbahnen und Brücken statt, die noch bis zum Dezember dieses Jahres andauern werden. Die Abläufe an beiden Autobahnstrecken wurden eng miteinander koordiniert, um doppelte Belastungen für den Verkehr zu verhindern.

Datum für Eröffnung der A72 steht fest

Gegenwärtig nähert sich das besonders herausfordernde letzte Teilstück 5.2 der A72 einem maßgeblichen Meilenstein. Die rund sieben Kilometer erstrecken sich von Rötha bis zur A38. Ab 15. Oktober wird der Verkehr, der bisher über die Richtungsfahrbahn Chemnitz und dort teilweise noch über eine provisorische Fahrbahn führte, auf die fertige Richtungsfahrbahn Leipzig umgelegt. Dafür wird aber an der Richtungsfahrbahn Chemnitz weitergebaut. Damit wechselt die Verkehrsführung die Seite.

Julia Grotjahn (Autobahn GmbH) gegenüber BLICK.de: „Es ist geplant, dass im eine durchgängige Verbindung zwischen der Anschlussstelle Rötha und dem Autobahnkreuz Leipzig, sowohl ohne provisorische Verknüpfungen mit dem nachgeordneten Netz als auch ohne der bereichsweise in provisorischer Achse liegenden Hauptfahrbahn hergestellt wird.“

Richtungsfahrbahn Chemnitz soll 2027 final fertig werden

Die Richtungsfahrbahn Chemnitz soll nach aktuellen Planungen im dritten Quartal des Jahres 2027 fertiggestellt sein und damit früher als noch durch jüngste Prognosen (die ursprünglich das Jahr 2027/2028 vorsahen) erwarten ließen.

An dieser Stelle muss das umfassende Konzept zum Lärmschutz noch zum Abschluss gebracht werden. Dies umfasst das Aufbringen von lärmreduzierendem, offenporigem Asphalt (OpA) sowie die Vollendung der Lärmschutzwände und -wälle. Auch ein Rastplatz inklusive sanitärer Anlagen ist noch vorgesehen.

Inzwischen belaufen sich allein die Kosten für den letzten Abschnitt zwischen der A38 und Rötha auf knapp 337,9 Millionen Euro. Zu Beginn waren für diesen Teilabschnitt 237 Millionen Euro veranschlagt worden.

Rückbau der ehemaligen B95 läuft parallel:

Schritt für Schritt ist die A72 in den vergangenen Jahren näher an den Raum Leipzig herangerückt. Im Jahr 2013 wurde der Streckenabschnitt bis Borna freigegeben, im Jahr 2019 folgte das Teilstück bis Rötha. Seitdem endet die durchgehend befahrbare Autobahn aus Richtung Chemnitz an dieser Stelle.

Zeitgleich zum Autobahnausbau läuft seit 2020 zudem der Rückbau der früheren Bundesstraße 95 zwischen Espenhain und Kesselshain. Künftig steht den Verkehrsteilnehmern dort nur noch ein einzelner Fahrstreifen je Fahrtrichtung zur Verfügung, zudem wird ein neuer Radweg angelegt.


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