Ärger in der Welt der Stille

Menschen Ulrike Preuße ist spätertaubt und hat dadurch große Probleme im Alltag

Bis zu ihrem achten Lebensjahr gab es Geräusche in Ulrike Preußes Welt. Dann wurde sie laut eigener Aussage durch einen Ärztefehler taub. Ulrike Preuße gehört damit zu den sogenannten Spätertaubten. "Wir können keine Warnungen oder Hilferufe wahrnehmen, nicht hören, wenn etwas explodiert, wenn etwas herunterfällt oder sich uns etwas nähert. Man ist schreckhaft und hat die Augen überall", erzählt die Chemnitzerin. Da sie als Achtjährige bereits sprechen konnte, ist sie auch heute noch dazu fähig. Diese Fähigkeit habe allerdings ihre Tücken, da sie eine unsichtbare Behinderung mit sich bringt. "Ich lese von den Lippen ab, so dass man es nie merkt, dass ich spätertaubt bin. Ich kann gut sprechen, nur nicht telefonieren. Das verwirrt die Öffentlichkeit und man stellt mich dann oft als unglaubwürdig hin", erzählt die 46-Jährige.

Seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert

Ulrike Preuße lebt mit ihren beiden Kindern auf dem Kaßberg und geht tagsüber einer Beschäftigung in einer Kieferorthopädischen Praxis nach. Nebenberuflich organisiert sie barrierefreie Events. Die gelernte Zahntechnikerin engagierte sich auch viele Jahre im Gehörlosenverein Eintracht 1906 Chemnitz. Doch seit Langem schon fühlt sie sich allein gelassen. "Spätertaubung ist das Schlimmste, was einem passieren kann - wir gehören zu keinem richtig dazu, weder zu den Hörenden noch zu den Gehörlosen. Wir werden einfach nicht akzeptiert", erzählt sie. Besonders problematisch sei das seit der neuen Datenschutzverordnung. Viele Behörden, Versicherungen oder Banken könnten demnach keine schriftlichen Auskünfte mehr erteilen.

Bitten werden ignoriert

"Telefonieren kann ich nur mit Hilfe anderer. Den Telefondienst für Gehörlose kann ich aufgrund meiner Wohnlage und langsamen Internets nicht nutzen. Und immer wenn ich die Anmerkung 'bin spätertaubt, kann nicht telefonieren, bitte melden Sie sich schriftlich' in ein Schreiben setze, wird sie komplett ignoriert", so Ulrike Preuße. Sie solle Geduld haben, werde sie oft von Behörden oder Unternehmen vertröstet. Am Ende tut sich oft nichts. "Wo Hörende nach einem kurzen Telefonat Auskunft bekommen, warten wir Spätertaubten oder Gehörlosen oft wochenlang auf Antwort. Da kann es manchmal schon zu spät sein", kritisiert Preuße. Sie wünscht sich mehr Verständnis für ihre und die Situation Spätertaubter generell. "Das kann jeden treffen."