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Amtsarzt im Kuba-Urlaub? "Verhalten moralisch zu hinterfragen"

Gesundheitsamt Gerüchten zufolge soll Harald Uerlings derzeit auf Kuba Urlaub machen

Darf ein Amtsarzt während der Corona-Pandemie seinen Urlaub auf Kuba verbringen? Schließt die 15-Kilometer-Regel eine Reise um die halbe Welt nicht automatisch aus? Und selbst wenn es für solch eine Reise ein Schlupfloch gibt: Sollte jemand, der die Krise an vorderster Front miterlebt hat, dann überhaupt solch einen Urlaub antreten? Ist das angesichts der Tatsache, dass der Leiter des Gesundheitsamtes den Chemnitzern in den vergangenen Monaten immer wieder geraten hat, zu Hause zu bleiben, nicht irgendwie scheinheilig? Darüber diskutieren gerade die Chemnitzer.

Stadtverwaltung: "Das ist Privatsache"

Dass Harald Uerlings derzeit auf Kuba seinen fünfwöchigen Urlaub verbringt, will Unternehmer Dirk Liesch aus guter Quelle im Gesundheitsamt wissen. Der Chemnitzer Amtsarzt sei Anfang Dezember krank gewesen und habe sich danach auf dem Höhepunkt der Pandemie in den Urlaub verabschiedet. Dass Urlauber besser keine Reisen antreten sollen, sei lediglich eine Empfehlung, kommentierte die Chemnitzer Pressestelle am Mittwoch auf BLICK-Nachfrage. Weiter hieß es: "Wo Dr. Uerlings seinen Urlaub verbringt, dazu liegen der Stadtverwaltung Chemnitz keine Erkenntnisse vor." Das sei schließlich auch Privatsache.

"Gesundheitsamt arbeits- und leistungsfähig"

Am Donnerstag meldete sich dann Sozialbürgrmeister Ralph Burghart zu Wort: "Ich habe ihm nach einer mehrwöchigen Erkrankung im Dezember seinen gewünschten längeren Urlaub genehmigt. Dies, damit er sich richtig von seiner Krankheit erholen kann. Das hatte ich explizit an die Bedingung geknüpft, dass sein Stellvertreter auch damit einverstanden ist. Mir war wichtig, dass das Gesundheitsamt zu jeder Zeit komplett arbeits- und leistungsfähig ist. Dr. Spalteholz, der stellvertretende Amtsleiter, Frau Utech als Leiterin des Pandemiemanagements und die gesamte Mannschaft des Gesundsheitsamtes machen seit Monaten einen tollen Job."

"Moralisch deutlich zu hinterfragen"

Die Abwesenheit von Harald Uerlings habe keine negativen Auswirkungen. Es sei auch nicht Aufgabe des Vorgesetzten, seine Mitarbeiter zu befragen, wo sie ihren Urlaub verbringen. Ralph Burghart will aber nachhaken: "Sollten die Gerüchte, für die ich bislang keine Belege habe, zutreffen, ist das Verhalten des Amtsleiters zweifelsohne moralisch deutlich zu hinterfragen. Ich werde selbstverständlich mit ihm dazu sofort nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub im Februar sprechen." Das Auswärtige Amt rät derzeit übrigens aufgrund fortbestehender Reisebeschränkungen von nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Kuba ab.