Anders als geplant: Schauspielhaus nach Kostencheck doppelt so teuer

Stadt und Theater informierten über Herausforderungen und Chancen möglicher Standorte

Chemnitz

In zwei öffentlichen Informationsveranstaltungen stellt die Stadt Chemnitz diese Woche gemeinsam mit dem Theater Chemnitz aktuelle Planungen zur Zukunft des Schauspielstandorts vor. Bürgermeisterin Dagmar Ruscheinsky, Bürgermeister Thomas Kütter sowie Dr. Christoph Dittrich, Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz, erläuterten am Donnerstagabend die bisherigen Überlegungen, Herausforderungen und Chancen möglicher Standorte.

Zieschestraße oder Spinnbau: Zwei Standorte im Fokus

Im Zentrum des Abends stand der Vergleich zweier zentraler Optionen: einerseits das traditionsreiche Schauspielhaus an der Zieschestraße mit einem geplanten Erweiterungsbau, andererseits die Entwicklung des Spinnbau-Areals, das derzeit als Interimsspielstätte für Schauspiel und Figurentheater dient. Beide Varianten wurden im Hinblick auf bauliche, funktionale und wirtschaftliche Aspekte vertieft analysiert.

Beschluss auf dem Prüfstand

Ein ursprünglich von der Stadt erarbeiteter Beschlussvorschlag zur Standortentscheidung wurde durch Forderungen des Stadtrates und des Aufsichtsrates erneut auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis: Eine umfassende vergleichende Betrachtung der beiden Hauptstandorte sollte Klarheit schaffen und als Entscheidungsgrundlage dienen.

Externe Expertise

Für die vergleichende Bewertung holte sich die Stadt Chemnitz externe Unterstützung: Das international renommierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer wurde beauftragt, um Standort- und Gebäudequalitäten sowie wirtschaftliche Parameter objektiv gegenüberzustellen. Darüber hinaus überprüfte das Büro die vorliegenden Grobkostenschätzungen der Stadt, plausibilisierte diese und führte weitere Vertiefungen durch.

Kostenschätzungen im Überblick

Die aktualisierten Investitionskosten machen die Dimensionen der beiden Varianten deutlich: Für die Sanierung und Erweiterung des Schauspielhauses an der Zieschestraße werden rund 69 Millionen Euro veranschlagt, einschließlich des Umbaus für das Figurentheater und einer neuen Studiobühne.

Der Neubau eines Schauspielhauses am Theaterquartier Spinnbau inklusive Nutzung des bereits vorhandenen Figurentheaters und der Studiobühne würde Kosten in Höhe von rund 56 Millionen Euro verursachen.

Kosten für Standort Zieschestraße nahezu verdoppelt

Die deutliche Kostensteigerung am Standort Zieschestraße ist vor allem auf die allgemeine Baupreisentwicklung, das erhöhte Risiko einer Bestandssanierung sowie den zusätzlichen Raumbedarf zurückzuführen. Während 2024 noch von etwa 34,2 Millionen Euro ausgegangen wurde, hat sich dieser Ansatz inzwischen nahezu verdoppelt.

„Es geht nicht nur um Zahlen und Flächen“

Unabhängig vom Ergebnis des laufenden Prozesses betonten die Vertreter der Stadt und des Theaters die Bedeutung des Schauspiels für Chemnitz: Viele Bürger verbinden mit dem Haus an der Zieschestraße persönliche Erinnerungen. Diese emotionale Bindung solle auch bei künftigen Entscheidungen respektiert werden: „Es geht nicht nur um Zahlen und Flächen, sondern um kulturelle Identität und ein lebendiges Theatererlebnis – auch für kommende Generationen“, so Generalintendant Christoph Dittrich.

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