Angst-Hypnose - Hilft das wirklich?

Therapie Ein Erfahrungsbericht von Anika Weber

Nahezu jeder Mensch hat Ängste. Sie sind etwas Natürliches, ein Urinstinkt sozusagen und geben dem Körper eine Art Warnsignal. Ängste sind also per se nichts Schlechtes, sondern einfach nur ein Schutzreflex des eigenen Selbst. Es gibt Personen, die fürchten sich vor Spinnen, andere vor zu engen Räumen oder vor Höhe. Die Beispielkette ist endlos und auch ich hatte eine Angst, die mich verfolgt hat. Vor etwa acht Monaten hatte ich einen Autounfall, bei dem glücklicherweise niemandem etwas passiert ist und an dem ich auch nicht schuld war. Dennoch hat mich seit dem die Furcht gepackt, wieder in ein Auto zu steigen und einfach loszufahren. Ich bin in Gedanken Strecken abgefahren, um zu schauen, ob größere Kreuzungen oder steile Berganfahrten dabei waren. Ich wollte mich gedanklich so darauf vorbereiten und brach immer wieder in Tränen und Schweiß aus, aus Angst, es könnte wieder ein Unfall geschehen oder ich etwas falsch machen.

Der erste Schritt: Trau dich

Obwohl ich mit Freunden darüber geredet habe, wurde meine Angst nicht weniger. Ich habe mich dann dazu entschlossen die Sache anders anzugehen. Immer mal wieder habe ich von der Therapie durch Hypnose gehört. Da ich ein sehr spiritueller Mensch bin und wusste, dass ich mich auf sowas einlassen könnte, machte ich einen Termin bei einer Hypnotiseurin in Chemnitz aus. Vielleicht kam meine Angst ja aus dem Unterbewusstsein und musste genau da bekämpft werden, dachte ich. Man muss jedoch zugeben, dass, wenn man sich zu diesem Schritt entscheidet, man die Kosten der Therapie selbst tragen muss, da dies nicht von der Krankenkasse abgedeckt wird.

Am Anfang hatte ich einen Termin zur Anamnese, ich erzählte der Therapeutin von meinem Leben. Auch meine Angst war Thema, aber ich sollte auch von meinem Alltag erzählen, weil alles in Bezug auf meine Angst wichtig sein könnte. Man kann dieses Gespräch mit einem Erstplausch beim Psychologen vergleichen. Meine Hypnotiseurin war sehr nett und verständnisvoll, ich fühlte mich bei ihr in guten Händen. Sie erklärte mir, dass man sich Hypnotherapie nicht vorstellen dürfe, wie im Fernsehen. Ich würde nicht bewusstlos werden und sie könne mit mir anstellen, was sie wolle. Sie versicherte mir, dass es diese Schnellhypnose, wie sie in Shows oft gezeigt wird, tatsächlich gäbe, jedoch hat diese Art nur kurzzeitige Wirkungen und ist dadurch für Therapien ungeeignet. Auch erzählte sie mir davon, dass sich plötzlich einmal die Sprache eines Klienten verändert habe und dass das Unterbewusstsein zu mehr fähig wäre, als wir wissen können.

Zweiter Schritt: Darauf einlassen und nicht alles überdenken

Doch wie kann ich mir das denn dann vorstellen, ging es mir durch den Kopf? Das sollte ich am eigenen Leib erfahren. Die Hauptsitzungen waren von Mal zu Mal anders. Zuerst haben wir eine Entspannungshypnose in ihrem Behandlungsraum gemacht. Man setzt sich als Klient auf einen Sessel und kann zu jeder Zeit gehen, die Sache abbrechen, oder sagen, wenn irgendwas nicht gut für einen ist. Es ging bei der Hypnose darum, die ganzen Gedanken, die einen im Alltag plagen, für ein paar Minuten auszublenden. Man kann sich das Ganze ein bisschen wie Autogenes-Training vorstellen. Die Hypnotiseurin sagt dir ruhig, was du tun sollst, beziehungsweise, was du denken sollst. Mithilfe starker Konzentration schafft sie es - wenn du dich dann darauf einlassen kannst ohne darüber nachzudenken, was da mit dir gemacht wird - in eine Art Trance zu führen. Ich habe teilweise meinen Körper nicht mehr gespürt und war kurz vorm Einschlafen, weil ich mich so entspannen konnte.

Dritter Schritt: Den Körper reagieren lassen

Ein anderes Mal haben wir Blockaden - also Dinge, die mich als Menschen schon viel zu lange belasten, die ich seit Jahren mit mir herumtrage und loslassen möchte - thematisiert. Eine wichtige Regel bei Hypnose ist, alles, was aus dem Körper heraus muss, sollte man auch heraus fließen lassen. Wenn ich husten muss, sollte ich husten, wenn ich einen Juckreiz bekomme, sollte ich mich kratzen und es nicht unterdrücken. Bei mir setzte das alles nicht ein, ich habe stattdessen gehört, wie meine Organe im Bauchbereich plötzlich lauter waren als gewöhnlich und während ich die Dinge durchlebte, die mich belasteten, kullerten mir die Tränen. Viele Tränen, immer und immer wieder. Ziel des Ganzen war es, das loszulassen zu können, was mein Körper bereit war loszulassen. Und wann immer ich angeleitet wurde, mich zu erinnern, war ich verblüfft, welche Bilder mein Unterbewusstsein zuerst hervor kramte.

Vierter Schritt: Die Angst anpacken

In der letzten Sitzung ging es dann vollständig um meine Angst, wegen der ich eigentlich gekommen war. Negative Szenarien während des Autofahrens durchleben. Also natürlich gedanklich. Immer und immer wieder, gepaart mit guten Erinnerungen, sicheren Orten, die mir mein Unterbewusstsein gab. Auch da flossen wieder meine Tränen und das nicht zu knapp. Aber das war gut.

Zwischen der einzelnen Sitzungen bei meiner Hypnotiseurin habe ich mich außerdem überwunden und bin in mein neues Auto gestiegen, habe mich dazu ermutigt, mit engen Freunden ein bisschen zu "üben", um eben auch die Angst dadurch ein wenig zu verlieren, indem ich mich ihr stelle. Heute, drei Wochen nach der Behandlung, kann ich sagen, dass ich froh bin, das gemacht zu haben. Ich weiß letzten Endes nicht, was gewesen wäre, hätte ich es nie mit dieser Therapie versucht, aber meine Angst ist heute nahezu weg. Ich kann mich entspannt in mein Auto setzen und irgendwohin fahren und das auch allein. Ich habe wieder Selbstvertrauen und ich glaube, dass es ohne die Hypnose nicht so verlaufen wäre und ich möchte Menschen Mut machen, auch mal diese Alternative Behandlungsweise auszuprobieren.

Wohin kann man sich wenden?

Hypnose ist vielseitig und kann auch dabei helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen, Beziehungen wieder aufleben zu lassen oder einfach nur Stress abzubauen. Auch für Kinder, die Angst vor Prüfungsdruck haben, kann dadurch geholfen werden. Wer sich dafür interessiert, kann gern einmal die Online-Suchmaschine seiner Wahl befragen. Hier in Chemnitz gibt es mehrere Anlaufstellen, wie zum Beispiel das Hypnosezentrum Chemnitz, das Institut für Hypnose und Coaching, oder die Praxis der Heilpraktikerin und Therapeutin für Hypnose Annett Hähner.