„Aufgeben ist keine Option“ – Heavy24-Siegerin Anita Schenk im Interview

Hitze, Übelkeit, schlaflose Nacht – doch Anita Schenk kämpfte sich mit unbändigem Willen zum zweiten Heavy24-Triumph in Folge

Chemnitz

Mit 44 Runden gewann Anita Schenk beim Heavy24 in Chemnitz zum zweiten Mal in Folge die Einzelwertung der Frauen. Trotz Hitze, Magenproblemen und schlafloser Nacht kämpfte sie sich durch die 24 Stunden und stellte dabei ihre mentale Stärke eindrucksvoll unter Beweis.

Im Interview spricht die Ultracyclerin über ihren schönsten Moment, ihren größten Tiefpunkt und die Menschen, ohne die dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre.

„Hier ist jeder für jeden da“ - die Einzelfahrer unter sich

BLICK.de: Das Heavy24 hat in diesem Jahr sein 20. Jubiläum gefeiert. Hat man als Fahrerin mitten im Rennen überhaupt die Gelegenheit, diese besondere Stimmung wahrzunehmen?

Anita Schenk: Die Stimmung erlebe ich vor allem im Fahrerlager der Einzelfahrer. Hier ist jeder für jeden da, die Teams unterstützen sich gegenseitig und feuern sich an. Auch auf der Strecke ist die Atmosphäre durch die vielen Zuschauer einzigartig – überall Musik, gute Laune und Motivation. So etwas erlebt man sonst kaum.

Der schönste Moment des Rennens

BLICK.de: Was war dein liebster Moment dieses Rennens?

Anita Schenk: Der schönste Moment war die letzte Runde. Da standen alle Betreuer und meine Familie an der Strecke und haben mich angefeuert. In diesem Moment wurde mir langsam bewusst, dass ich das größte MTB-24-Stunden-Rennen Deutschlands erneut gewonnen habe.

Durch die Hitze am Limit - Übergeben in Runde 8

BLICK.de: Gab es einen Tiefpunkt während der 24 Stunden?

Anita Schenk: Mein Tiefpunkt war in Runde acht, als ich mich wahrscheinlich aufgrund der Wärme im Wald an einen Baum übergeben habe. Da wusste ich nicht, wie und ob es weitergeht. Aber ich wusste: Wenn ich körperlich keine gewohnten Wattwerte treten kann, dann kommt es umso mehr auf den Kopf an. Immer weiter, weiter, weiter. Nach jedem Tief kommt wieder ein Hoch. Aufgeben ist für mich keine Option.

Wie viel Vorbereitung verlangt eine solche Leistung?

BLICK.de: Viele Zuschauer sehen am Ende nur das Ergebnis. Was steckt hinter diesen 44 Runden?

Anita Schenk: Vor allem die Vorbereitung. Seit November habe ich auf die Saisonhöhepunkte Heavy24 und Rund um Sachsen hingearbeitet – mit 18 bis 25 Stunden Radtraining und mindestens drei Stunden Krafttraining pro Woche. Dazu kamen die genaue Planung und eine starke Crew. Ohne sie wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Wir haben als Team gewonnen.

Vergleich Heavy24 mit Rund um Sachsen

BLICK.de: Du warst in diesem Jahr auch bei „Rund um Sachsen“ am Start. Was hat dir mehr abverlangt?

Anita Schenk: Vor Rund um Sachsen hatte ich mehr Respekt, weil es für mich Neuland war. Im Nachhinein fand ich aber das Heavy24 körperlich und mental schwerer. Die Belastung durch die Strecke und die Magenprobleme haben es dieses Jahr besonders anspruchsvoll gemacht. Trotzdem positiv zu bleiben und weiterzutreten, war die größte Herausforderung.

Was bedeutet ihr der Sieg persönlich?

BLICK.de: Was bedeutet dir dieser Sieg persönlich?

Anita Schenk: Sehr viel. Ich komme ursprünglich vom Volleyball und stand als Jugendliche beim Heavy24 immer an der Strecke. Mit Ausdauersport hatte ich damals nichts zu tun. 2017 bin ich erstmals auf Hobby-Niveau gestartet und wollte mich jedes Jahr verbessern. Die Siege im vergangenen und in diesem Jahr sind für mich der bisherige Höhepunkt.

Die Motivation in der Nacht

BLICK.de: Was motiviert dich in den Nachtstunden weiterzufahren?

Anita Schenk: In jedem Ultrarennen gibt es Höhen und Tiefen. Man weiß, dass man durch die Tiefs durchmuss. Ich setze mir kleine Zwischenziele, rede mit anderen und versuche positiv zu bleiben. Außerdem geben die Betreuer, die Runde für Runde auf mich warten, unglaublich viel Kraft.

Erfolge und ein Blick in zukünftige Ziele

BLICK.de: Auf welche Erfolge bist du besonders stolz und welche Ziele hast du noch?

Anita Schenk: Besonders stolz bin ich auf die beiden Heavy24-Siege und den dritten Platz bei der Europameisterschaft im Ultracycling. Meine Zukunft liegt auf der Langstrecke. Die Pläne für nächstes Jahr stehen noch nicht komplett fest, aber es bleibt spannend.

Eine dankbare Siegerin

BLICK.de: Was sollte nach diesem Sieg unbedingt erwähnt werden?

Anita Schenk: Ein riesiges Dankeschön an meine Crew, meine Familie und meinen Freund. Ohne ihre Unterstützung wäre das alles nicht möglich. Außerdem danke ich dem gesamten Heavy24-Team, das dieses Event jedes Jahr mit viel Herzblut organisiert. Und an alle: Kämpft für eure Träume.

Der Weg zum Radsport und die Unterstützer auf diesem Weg

BLICK.de: Wie bist du zum Radsport gekommen und wer begleitet dich auf diesem Weg?

Anita Schenk: Mein Freund Marc hat meinen Ehrgeiz geweckt, als wir früher gemeinsam gefahren sind. Auch meine Eltern unterstützen mich seit dem ersten Tag. Dafür bin ich sehr dankbar. Ein großes Dankeschön geht außerdem an ADMEDIA Chemnitz, die mich seit Jahren auf meinem Weg im Ultracycling begleiten.

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