Außerplanmäßig

Wort zum Sonntag von Pfarrer Stephan Brenner

Eigentlich war ich an der Reihe. Aber nein, eine andere Person wurde ins Sprechzimmer des Arztes gerufen. Und so musste ich weiter im Wartebereich ausharren. Ärgerlich. Immerhin stand für diesen Tag noch allerhand auf meinem Programm. Doch endlich wurde mein Name aufgerufen. Es wurde ja auch Zeit.

Nachdem ich die Praxis verlassen hatte, kam mir in den Sinn, dass es der bevorzugen Person möglicherweise schlechter geht als mir. Und ich konnte der Wartezeit sogar noch was Gutes abgewinnen: Es war eine Pause, die ich mir sonst im Tagesablauf nicht gegönnt hätte.

Übrigens hat sich auch schon Jesus sozusagen außerplanmäßig um Leute gekümmert und ihnen geholfen. Das hat ihm keine Pluspunkte bei denen eingebracht, die meinten, dass sie erstmal dran sind. Zum Beispiel in jener Kleinstadt, wo viele Menschen ihn sehnlichst erwarteten. Statt vor ihnen aufzutreten und eine Predigt zu halten, nahm er sich Zeit für einen unbeliebten Zollbeamten, sprach mit ihm, ja ging sogar mit zu ihm nach Hause. Jesus hatte erkannt, was jetzt Vorrang hat: nämlich dieses Gespräch - auch wenn andere warten müssen.

Ich nehme mir vor, bei der nächsten Außerplanmäßigkeit nicht gleich ungehalten zu sein, sondern eine Portion Gelassenheit an den Tag zu legen. Es könnte ja sein, dass es gute Gründe dafür gibt.

Stephan Brenner, Pfarrer