Autofreie Stadt ist in weiter Ferne

Diskussion Ausbau des ÖPNV- und Radverkehrs soll Chemnitz attraktiver machen

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Wie hier Richtung Uni-Campus setzt die CVAG auf den Ausbau des Straßenbahnnetzes. Foto: VMS/Archiv

Chemnitz autofrei - geht das überhaupt? Die Stadt ist durchzogen von breiten Straßen. Und Baustellen und die Parkplatzsituation, so ergab es eine Umfrage der Stadtverwaltung im Sommer, gehören zu den drängendsten Problemen der Chemnitzer. Die bei einem Podiumsgespräch des Herbert-Wehner-Bildungswerks vergangene Woche provokant aufgeworfene Idee nach einer autofreien (Innen-)Stadt entpuppte sich entsprechend schnell allerhöchstens als ferne Zukunftsvision.

So könnte der Auto-Verzicht funktionieren

Stattdessen müsse man den Nahverkehr ausbauen, so Marlen Gabriele Arnold, Professorin für Betriebliche Umweltökonomie und Nachhaltigkeit an der TU Chemnitz: "Wir müssen Angebote schaffen, die den Verzicht aufs Auto belohnen - also zum Beispiel die Kombination aus Fahrkarte und Museumseintritt", nannte sie eine Möglichkeit. Mehr Fahrradwege, eine bessere Beleuchtung an Haltestellen, konsequente Videoüberwachung in Bussen und Straßenbahnen und zusätzliche Nahverkehrslinien in höherem Takt - all dies sieht sie als Möglichkeiten, die Chemnitzer zum häufigeren Verzicht aufs Auto zu bewegen.

Nahverkehr und ÖPNV soll ausgebaut werden

Auf mehr Netz setzt auch Jens Meiwald, Vorstand der CVAG. Vor allem neue Straßenbahnlinien sieht er als Gewinn für den Verkehr in Chemnitz, der Ausbau entlang der Leipziger Straße und eines Innenstadtrings für den Nahverkehr seien auch richtige Schritte in dieser Richtung. Auch Detlef Müller, Bundestagsabgeordneter und SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat verdeutlichte, dass die Mehrheitsfraktionen im neuen Doppelhaushalt auf den Ausbau von Radwegen und ÖPNV setzen - auch wenn dies im Verwaltungsvorschlag noch nicht vorgesehen sei. Neue Straßen für die Autofahrer-Stadt sieht er hingegen nicht: "Es geht nur noch um Instandhaltung, allenfalls der Ausbau des Südrings und eventuell des Innenstadtrings stehen zur Debatte", so Müller.