Bevor es zur Räumung kommt

Beratung Freie und öffentliche Träger helfen bei Existenzsicherung

Mahnungen, Pfändungen, Mietschulden, es kann jedem passieren. Die Probleme wachsen den Betroffenen häufig über den Kopf, drohen in der Folge Wohnungskündigung und Zwangsräumung. Nach Angaben des Sozialamtes wurden 2014 in Chemnitz 257 Wohnungen zwangsgeräumt, bis Ende August dieses Jahres gab es 133 Fälle. Zum gleichen Zeitpunkt waren 52 Personen in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe untergebracht.

Was man im Vorfeld tun kann, um solche Extremsituationen zu vermeiden und welche Hilfen Betroffenen angeboten werden, darüber informierten am vergangenen Montag anlässlich des jährlich bundesweit im September begangenen Tag der Wohnungslosen Vereine und Träger auf dem Neumarkt. "Sobald ein Vermieter auf Räumung klagt, werden wir aktiv", sagt Matthias Melzer von der Präventiven Wohnungslosenhilfe des Sozialamtes, "wir laden die Betroffenen ein, um auszuloten, die Zwangsräumung verhindert werden kann." Oft werden Räumungen wegen Mietrückständen durch Umschuldung abgewendet. "Wir arbeiten da mit Vermietern, Sozialleistungsträgern und Arbeitgebern zusammen", sagt Melzer, "schließlich ist eine Räumungsklage für die Vermieter eine kostspielige Sache, in der Regel sind sie daher gesprächsbereit, sobald sie die Möglichkeit sehen, zu ihrem Geld zu kommen."

Voraussetzung ist freilich, dass die Betroffenen solche Beratungsangebote wahrnehmen. In Chemnitz bietet ein Netz freier und öffentlicher Träger beispielsweise Unterstützung bei Beantragung von Sozialleistungen sowie Wohnungs- und Arbeitssuche, um eine lebenswerte Perspektive zu entwickeln. Das Angebot reicht von Tagestreffs bis zum ambulant betreuten Wohnen in der eigenen Wohnung.