Bioabfälle: Stadt will Bürgerbeteiligung

Projekt Ratsvorlage von Tagesordnung abgesetzt

Eigentlich sollten die Chemnitzer Stadträte am heutigen Mittwoch einen Grundsatzbeschluss über den Bau einer Bioabfallvergärungsanlage durch den Abfallentsorger ASR fällen (BLICK berichtete). Doch daraus wird nun nichts: Denn nach Absprache mit den Fraktionen hat die Rathausspitze die entsprechende Vorlage kurzerhand von der Tagesordnung abgesetzt. Der Grund: offenbar Sorge vor Protesten seitens der Bewohner rund um den Fischweg im Stadtteil Furth. Der ist in dem Papier als bevorzugter Standort der rund zwölf Millionen Euro teuren Anlage ausgewiesen. "Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass hier irgendetwas über die Köpfe von Bürgern hinweg entschieden wird", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig gestern. Nun soll im Januar eine Bürgerveranstaltung zu dem Thema stattfinden, deren Ort und genaue Zeit allerdings noch nicht feststehe. Im Fe-bruar, so jedenfalls das angepeilte Ziel, wolle man die Vorlage erneut in den Stadtrat bringen.

Dort wird das Projekt an sich allenthalben begrüßt, am vorgeschlagenen Standort scheiden sich allerdings die Geister. "Der Chemnitzer Norden ist unter anderem mit Heizkraft und Trompetter Guss schon genug belastet", sagt FDP-Fraktionsgeschäftsführer Eduard Jenke. SPD-Mann André Horvath hingegen kann damit leben: "Besser als ein Neubau auf dem freien Feld, wo die Kosten für Leitungen explodieren", sagt er. Rainer Amme vom Bund für Umwelt und Naturschutz wünscht sich hingegen "statt einem Riesenobjekt ein dezentrales Netz mehrerer kleinerer Anlagen".

Mittels der Bioabfallverwertungsanlage sollen in Zukunft biologisch abbaubare Abfälle, zum Beispiel aus der "braunen Tonne" in Wärme und Strom umgewandelt werden.