• Chemnitz
  • Erzgebirge
  • Mittelsachsen
  • Vogtland
  • Westsachsen

Campino: "Wir sind hier als Mitbürger"

Konzert 20.000 Besucher werden auf dem Johannisplatz erwartet

"Wir sind nicht naiv, wir werden mit einem Konzert nicht die Welt retten. Aber manchmal ist so ein Konzert notwendig, damit man sich nicht allein fühlt", sagte Felix Kummer, Frontmann der Chemnitzer Band Kraftklub, kurz vor dem Beginn des #wirsindmehr-Konzerts am heutigen Montagabend in Chemnitz: "Wir sind allen dankbar, die auf der Bühne stehen, und allen, die vor der Bühne stehen." Das sind ab 17 Uhr zahlreiche Künstler unterschiedlicher Musikrichtungen. Der ebenfalls in Chemnitz/Karl-Marx-Stadt geborene Trettmann, der Rostocker Marteria, der Bielefelder Casper, die Düsseldorfer Band Die Toten Hosen und andere.

Hosen-Sänger Campino meinte: "Wir sind nicht hier als Musiker, wir sind hier als Mitbürger." Jeder, der "normalen Anstand" habe, müsse sich gegen Rassismus stellen. "Wir haben für heute nur zwei Wünsche: Wir wollen eine Riesenanzahl von Menschen erreichen und wir wollen, dass es gewaltfrei bleibt. Es darf keine Fensterscheibe zu Bruch gehen." Auch Marteria geht es "um die Leute aus Chemnitz und Sachsen, die für Vielfalt und Gastfreundschaft eintreten und die nicht andere Menschen nach ihrer Hautfarbe beurteilen." Monchi von Feine Sahne Fischfilet ist sich bewusst: "Ein Konzert kann nicht alles sein, aber ein Konzert kann ein Anstoß sein."

Die Politik muss den Menschen den Rücken stärken

Diesen Anstoß wünscht sich auch Rola Saleh, Chemnitzerin seit 17 Jahren: "Ich bin sehr erfreut, dass die Musiker solidarisch sind und hier Flagge zeigen." Deutschland habe seit den 1990er Jahren, als es regelmäßige Angriffe auf Asylbewerber gab, nichts gelernt: "Man kann nicht mit einer verschärften Asylpolitik das Rassismusproblem lösen." Stattdessen müsse die Politik Menschen den Rücken stärken, die täglich am Zusammenhalt der Gesellschaft arbeiten. Daran sollen heute auch die Konzertbesucher mitwirken. 50 Spendensammler sind unterwegs - das Geld soll zu 50 Prozent der Familie von Daniel H. zur Verfügung gestellt werden, dessen gewaltsamer Tod am Sonntag eine Reihe von Demonstrationen ausgelöst hatte. Die anderen 50 Prozent sollen sächsischen Initiativen gegen Rassismus bereitgestellt werden.

Über 20.000 Besucher werden erwartet

Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderung und Veranstalter des #wirsindmehr-Konzerts, rechnet mit über 20.000 Besuchern: "Wir gehen von einem friedlichen Verlauf des Konzerts aus", blickte er voraus. Dem Steuerzahler entstehen laut Uhle keine Kosten für die Veranstaltung. "Einen Großteil der Kosten übernehmen die beteiligten Künstler, die Dienstleister und Partner - Unternehmen aus ganz Deutschland und aus Sachsen", so Christopher Möller von der Agentur Landstreicherbooking, die Kraftklub und einige der anderen Künstler vertritt.

Unterdessen kündigten die Theater Chemnitz für Freitag, 19 Uhr ein weiteres Konzert auf dem Theaterplatz an. Dort soll - unter Mitwirkung der Philharmonie und weiterer Chöre, Ensembles und Orchester der Region - unter anderem Beethovens 9. Sinfonie aufgeführt werden.