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Cannabis in der Medizin - das neue Wundermittel?

Cannabis, ebenso wie das nicht-psychoaktive Cannabidiol, hat mittlerweile einen festen Stand in der Medizin.

Einige kennen vielleicht die Berichte über Altenheime in Israel, in denen Schmerzpatienten in den Morgenstunden einen »Joint« erhalten, da die Einnahme von Cannabis maßgeblich die Schmerzen lindert und Betroffene nur noch im geringen Maße oder gar nicht mehr auf herkömmliche Schmerzmittel angewiesen sind. In Deutschland gibt es für bestimmte Patientengruppen mittlerweile Cannabis auf Rezept. Zudem gibt es das frei verkäufliche Cannabidiol, auch als CBD bekannt. Es wirkt wie gewöhnliches Cannabis, doch ohne die psychogene, also »high-machende« Wirkung. Aber wann werden Cannabis und Co. in der Medizin eingesetzt? Dieser Artikel gibt einige Hinweise.

Darreichungsformen des Medizinischen Cannabis

Rund um das medizinische Cannabis muss bereits in zwei Kategorien gedacht werden. Denn Cannabis, auch das auf Rezept, kann, muss aber kein THC enthalten. Die legale Einnahme von THC-haltigem Cannabis ist in Deutschland ohnehin nur auf Rezept möglich. Diese Variante gibt es tatsächlich als das übliche »Gras«, welches mit oder ohne Tabak geraucht wird. Doch auch Kapseln sind im medizinischen Cannabisbereich gängig. Hinzu kommt die andere Variante des Cannabis:

  • CBD - das Produkt enthält kein oder nur einen extrem geringen Anteil an THC. Aus diesem Grund ist es auch nicht rezeptpflichtig und natürlich legal.
     
  • Darreichung - besonders bekannt ist das CBD-Öl, welches nicht allein innerlich, sondern auch äußerlich angewandt werden kann. Da das Öl recht bitter ist, wird es ebenso in Kapseln vertrieben. Die dritte Variante ist das Liquid, welches wie übliche Liquids für E-Zigaretten gedampft werden kann.

Doch wann kann CBD eigentlich wirksam angewendet werden? Hier einige bekannte Anwendungsgebiete:

Hauptaufgabengebiet Schmerzen

In der Schmerztherapie spielt Cannabis eine besonders tragende Rolle. An dieser Stelle zeigt sich, dass sowohl Cannabispräparate mit THC als auch ohne diesen psychoaktiven Wirkstoff helfen. Die Erklärung verbirgt sich in den körpereigenen Rezeptoren. Cannabis kann die für die Schmerzweiterleitung bestimmten Rezeptoren besetzen und somit die Weiterleitung der Reize blockieren. Diese Wirkung erklärt jedoch auch, weshalb CBD und Cannabis bei echten Schmerzerkrankungen empfohlen ist, nicht jedoch bei den bloßen Rücken- oder Kopfschmerzen. Schmerz ist das körpereigene Warnsignal, dass etwas nicht in Ordnung ist. Würden beispielsweise Zahnschmerzen dauerhaft mit Cannabis behandelt werden, würde der Schmerzreiz zwar nachlassen, der Schaden jedoch weiter vor sich hinschwelen. Daher gilt:

  • Arthritis und Arthrose - bei beiden Gelenkerkrankungen erweist sich CBD und, im späteren Verlauf, Cannabis als hochwirksam. Gerade bei der chronischen Gelenkentzündung, der Arthrose, kommt es zu einem degenerativen Gelenkverschleiß, der unaufhaltsam ist und dauerhaft Schmerzen verursacht. Mithilfe von CBD lassen sich die Schmerzen behandeln, was wiederum den positiven Effekt hat, dass Betroffene ihre medizinischen Sportübungen ausüben können. Die gestärkte Muskulatur stützt die betroffenen Gelenke, der Verschleiß verlangsamt sich.
     
  • Rheuma - auch bei rheumatischen Erkrankungen zeigt sich CBD als nützlich. Wieder werden die Schmerzreize geblockt, gleichzeitig kommt die entzündungshemmende Wirkung ins Spiel. 
     
  • Fibromyalgie - die Krankheit ist bislang nicht völlig entschlüsselt. Fakt ist, dass normale Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen nicht wirken, sodass Patienten harte Schmerzmittel nehmen müssen. CBD blockt jedoch die nicht erklärbaren Schmerzreize und führt somit zur Linderung.

Cannabis und CBD haben nicht allein eine schmerzlindernde Wirkung, sondern sind zugleich entzündungshemmend. Gerade bei entzündlichen Schmerzprozessen sind Cannabinoide hilfreich.

Mentale und psychische Erkrankungen

In den Medien wurde seit der Freigabe von medizinischem Cannabis häufiger über die Wirksamkeit in diesem Bereich berichtet. In der Tat wirkt sich Cannabis und CBD sehr hilfreich aus:

  • Depressionen - schwere Depressionen, die bislang auf keinerlei Therapien medikamentöser und therapeutischer Art ansprachen, lassen sich scheinbar mit Cannabinoiden lindern. Betroffene können ihren Arzt auf die Verschreibung von Cannabis ansprechen. Maßgabe ist jedoch, dass kein gewöhnlicher Behandlungsweg Erfolg brachte.
     
  • Tourette - die Krankheit verursacht Aussetzer im Hirn, die sich in - oft vulgären - Gesten, Bewegungen oder Lautäußerungen offenbaren. Die Krankheit an sich kann bislang nicht behandelt werden, einzig Therapien zum Herausfinden einzelner Auslöser oder auch für den Umgang mit der Krankheit sind bekannt. Cannabis beruhigt jedoch die überaktiven Regionen des Hirns und hilft dabei, die Aussetzer zu minimieren oder sie abzuschwächen. Patienten haben mittlerweile die Chance, sich von ihrem Arzt Cannabis verschreiben zu lassen.
     
  • Epilepsie - bei einigen Formen der Epilepsie zeigen Studien positive Effekte von Cannabinoiden. Allerdings ist hier ganz deutlich anzumerken, dass Patienten niemals auf eigene Faust CBD einnehmen und gar ihre üblichen Antiepileptika absetzen sollten. Eine Therapie ist immer mit dem behandelnden Arzt abzuklären - zumal dieser, sollte er eine Indikation sehen, ein Rezept ausstellen kann, sodass der Patient für die Kosten nicht selbst aufkommen muss.

Gerade bei psychischen Störungen und Störungen des Gehirns ist Vorsicht geboten. Cannabis kann wirksam sein, doch nur, wenn dies mit den behandelnden Ärzten abgesprochen wird.

Unterstützung in schwierigen Zeiten

Gerade das CBD erweist sich in der Praxis als unheimlich wirksam, wenn schwere Erkrankungen durchlebt und bekämpft werden. Patienten können es ganz nach Bedarf dosieren und sich ihr Leiden, beziehungsweise die Nebenwirkungen, erleichtern:

  • Chemotherapie - CBD wirkt der Übelkeit, Muskelschmerzen, aber auch Schlafstörungen und Ängsten entgegen. Da es zudem einen positiven Effekt auf das Immunsystem hat, können sich Krebspatienten die Nebenwirkungen der eigentlichen Behandlung lindern.
     
  • Essstörungen - CBD wirkt appetitanregend, beugt jedoch auch Übelkeit vor. Somit kann es bei der Behandlung schwerer Essstörungen eingesetzt werden. Positiv ist zudem der stimmungsaufhellende Effekt, der auch bei Depressionen wirkt. 
     
  • Ängste/Stress - unter Vorbehalt hilft CBD auch hierbei. Der Vorbehalt basiert nicht auf der Wirkung, sondern auf der Ursache. Es ist kein Problem, CBD in einer schweren Phase zu nutzen, wenn beispielsweise ein geliebter Mensch im Sterben liegt. Nicht eingenommen sollte es werden, wenn die Ängste mit Mobbing auf der Arbeit zusammenhängen. An dieser Stelle sind eine Therapie und ein Situationswechsel notwendig.

Cannabis könnte in Zukunft eine wichtigere Rolle in der Medizin spielen

Cannabis, auch in Form von CBD, hat einen großen medizinischen Nutzen, der leider erst jetzt ernsthaft erforscht wird. Bislang konzentrierte sich die Wissenschaft auf die »Droge Cannabis«, ohne die jahrtausendealte medizinische Wirkung zu beachten. Das geschieht nun, sodass es sehr wahrscheinlich ist, dass in den kommenden Jahren echte Langzeitstudien und überhaupt mehr Nutzungsgebiete zum Vorschein kommen.