CFC: Der lange Weg zurück zur Normalität

FUSSBALL Geschäftsführerposten vergeben, Cheftrainerposten vakant

Der Chemnitzer FC hat mit der Ernennung von Uwe Hildebrand als neuen kommissarischen Geschäftsführer der Chemnitzer FC Fußball GmbH einen ersten kleinen Schritt zurück zur Normalität bewerkstelligt. Der Gesellschafter tritt die Nachfolge von Thomas Sobotzik beim Drittligisten an. Dieser hatte in der vergangenen Woche - genau wie auch CFC-Coach David Bergner - auf eigenen Wunsch und mit sofortiger Wirkung sein Am zur Verfügung gestellt. Während die Personalie des Geschäftsführers damit geklärt werden konnte, dreht sich hingegen das Trainerkarussell bei den Himmelblauen fleißig weiter.

Hildebrand beerbt Sobotzik

Uwe Hildebrand, der von 1983 bis 1987 im Nachwuchs des FC Karl-Marx-Stadt aktiv gewesen ist, führt ab sofort die Geschäftsführertätigkeit im strukturellen und organisatorischen Bereich ehrenamtlich aus. Das Amt ist befristet bis zur Neubesetzung von Aufsichtsrat und Vorstand, mittels derer der Verein seine Handlungsfähigkeit wiedererlangt. Im ersten Schritt muss dafür das Amtsgericht einen Notvorstand bestimmen. Dieser legt eine Liste mit geeigneten Kandidaten für den Aufsichtsrat vor, welche anschließend auf der Mitgliederversammlung - idealerweise direkt als Liste - zu bestätigen ist. Sollte diese - wie bei der letzten Mitgliederversammlung - allerdings nicht angenommen werden, müssen von den CFC-Mitgliedern anschließend mindestens fünf Kandidaten via Einzelwahl in den Aufsichtsrat gewählt werden.

"Die Aufgaben, die vor uns liegen, sind vielfältig", betont der Unternehmer aus dem erzgebirgischen Olbernhau. Dazu gehört vor allem die Aufrechterhaltung der guten Arbeit innerhalb der Geschäftsstelle. Im sportlichen Bereich erfährt Hildebrand kompetente Unterstützung von Kevin Meinhardt, die Assistenz der Geschäftsführung und CFC-Chefscout. Weiterhin sollen Synergien zwischen Verein, Fans und Gesellschaftern geschaffen werden.

Fans treffen Gesellschafter

Diesbezüglich hatten sich ein Teil der CFC-Gesellschafter sowie Mitglieder vom Förderverein für Jugend, Sport und Soziales e.V., Mitarbeiterinnen vom AWO Fanprojekt Chemnitz und Fanvertreter gemeinsam an einen Tisch gesetzt. Es war das erste Treffen dieser Art und soll - da waren sich alle Beteiligten einig - nicht das letzte gewesen sein. Um in Zukunft die Kommunikation nachhaltig zu verbessern, sind regelmäßige Fan- sowie Fanclubtreffen angedacht. Hildebrand weiß: "Es geht nur, wenn wir miteinander reden."

Ende des Insolvenzverfahren in Sicht?

Am Mittwochabend trafen sich zudem rund 150 Sponsoren, um sich über die himmelblaue Zukunft auszutauschen. Es wurde beschlossen, dass bis Jahresende in Zusammenarbeit mit Insolvenzverwalter Klaus Siemon ein Konzept erstellt und daraus final ein Vertrag angefertigt werden soll. Die Gesellschafter sollen die verbleibenden Anteile der GmbH von 38 Prozent erwerben dürfen, wodurch Siemon die Gläubiger bezahlen und das Insolvenzverfahren entsprechend beenden kann.

Liegen Gehaltssteine im Weg?

Und wenn ja: Wie schwer sind diese? Bei Thomas Sobotzik lässt sich das transparent sagen, so wurde der damalige Sport- und Finanzvorstand in der Regionalligasaison von Insolvenzverwalter Klaus Siemon mit einem jährlichen Grundgehalt von 84.000,- Euro ausgestattet, zu dem im Falle des Aufstiegs in die 3. Liga - und eben genau darauf wurde bewusst spekuliert - mittlerweile eine Bonuszahlung von neun Prozent der TV-Gelder hinzugekommen ist. Das entspricht einem Wert von mindestens 115.000,- Euro. Da sowohl Sobotzik als auch Bergner offiziell nur um ihre Freistellung gebeten haben, stehen sie weiterhin auf der Gehaltsliste des krisengeschüttelten Drittligisten und beanspruchen einen beachtlichen Teil des Saisonetats.

Beide hatten sich unter der Woche mit einer emotionalen Erklärung öffentlich zu Wort gemeldet und dabei vor allem das Umfeld des Clubs und die damit verbundenen negativen Begleiterscheinungen scharf kritisiert. Für die getroffenen Entscheidungen war das der ausschlaggebende Grund, weniger die aktuelle sportliche Schieflage mit nur drei Punkten aus sieben Spielen.

CFC weiterhin Trainersuche

Seit dem Rücktritt von David Bergner stieg quasi jeden Tag einer neuer Nachfolger-Kandidat auf das Trainerkarussell des Chemnitzer FC. Den Anfang machte André Meyer, der gegenwärtig noch vertraglich an den FC Erzgebirge Aue gebunden ist, jedoch sagte dieser ab. Als Nächstes brachte Insolvenzverwalter Klaus Siemon den Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt, Thomas Brdaric, ins Spiel und begründete seinen Vorschlag unter anderem damit, dass sich Brdaric "loyal gegenüber dem Verwalter" verhält. Diese Verpflichtung scheiterte jedoch zum einen daran, dass der RWE-Coach einen Vertrag ohne Ausstiegsklausel besitzt, und zum anderen legten die Gesellschafter der CFC Fußball GmbH ihr Veto ein. Sprecherin Romy Polster erklärte: "Es wird keinen Schnellschuss geben. Die Entscheidung muss passen", und fügte hinzu: "Uns ist wichtig, dass wir mit allen geeigneten Personen persönlich sprechen."

In der Verlosung sind außerdem noch Tomislav Stipic, der zuletzt 34 Tage als Trainer des Schweizer Rekordmeisters Grasshopper Club Zürich angestellt gewesen ist, Jörg Goslar, der in der letzten Spielzeit Viktoria Berlin trainierte, und Nils Drube, ehemaliger Coach der Sportfreunde aus Lotte. Beim Spiel am Montag gegen die Spielvereinigung Unterhaching nimmt Sreto Ristic als Interimstrainer auf der Bank Platz.