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CFC erzielt Plusbetrag in verrücktem Corona-Abstiegsjahr

FUSSBALL Chemnitzer FC schließt Saison 2019/2020 mit einem Überschuss ab

Die vergangene Saison endete für den Chemnitzer FC mit dem Abstieg aus der 3. Liga. Am letzten Spieltag reichte das furiose 4:2 im "Stadion - An der Gellertstraße" gegen den FC Hansa Rostock leider nicht mehr aus, um den Klassenerhalt zu erreichen. Der CFC stieg nach nur einem Jahr wieder in die Regionalliga-Nordost ab - und erneut fiel der Kader größtenteils auseinander. Mit Kapitän Hoheneder sowie Jakubov, Milde, Karsanidis und Tobias Müller hielten jedoch zumindest einige Leistungsträger den Himmelblauen die Treue. Mittlerweile haben die Verantwortlichen aus finanzieller Sicht die Drittliga-Saison 2019/2020 Revue passieren lassen - und das mit einem überraschenderweise erfolgreichen Ergebnis: Die Chemnitzer FC Fußball GmbH hat - trotz Corona-Pandemie und fehlender Zuschauereinnahmen bei gleichbleibender Kostenstruktur im laufenden Geschäftsbetrieb - einem Jahresumsatz von zirka 5,5 Millionen Euro erwirtschaftet und infolgedessen das Spieljahr mit einem Überschuss von knapp 200.000 Euro abschließen können.

Zum Vergleich: 13 der 20 Drittligisten beendeten die Saison mit einem durchschnittlichen Fehlbetrag von 1,61 Millionen, das ging jüngst aus dem vom "Deutschen Fußball-Bund" (DFB) veröffentlichten Saisonreport hervor. Michael Reichardt, Geschäftsführer der Chemnitzer FC Fußball GmbH, der sich jedoch seit seinem Antritt vor gut einem Jahr dezent im Hintergrund aufhält, erklärte diesbezüglich: "Das Ergebnis ist das Resultat aus gemeinsamer, seriöser Arbeit zwischen Gremienvertretern, Gesellschaftern und dem Team der Geschäftsstelle."

Wie hat es der CFC letztlich geschafft, trotz der schwierigen Situation mit wochenlanger Corona-Pause und Geisterspielen, ein Plus zu erwirtschaften? Noch dazu unter Berücksichtigung der Tatsache, dass zum 31. Dezember 2019 bereits ein Verlust von 510.000 Euro entstanden war.

 

Corona bringt unerwarteten Geldsegen

Eine Antwort auf diese Frage gibt Romy Polster, Sprecherin der Gesellschafter der CFC Fußball GmbH, selbst: So haben staatliche Soforthilfen und -programme dem CFC durch die weitgehend schwierige Situation gebracht. Die Himmelblauen erhielten zwei größere Geldbeträge: Von der Sächsischen Aufbaubank gab es für Profivereine, welche sich der Initiative "TeamSportSachsen" angeschlossenen haben, eine finanzielle Unterstützung, welche zehn Prozent des letztjährigen Umsatzes umfasste. Die Himmelblauen müssten mutmaßlich ein zinsloses Darlehen in Höhe von 460.000 Euro erhalten haben. Dazu stellte die "Deutschen Fußball-Liga" (DFL) jedem Drittligisten 300.000 Euro für die Saisonfortsetzung zur Verfügung. Weniger als ein Drittel davon entfielen auf die Corona-Testungen und sonstige Maßnahmen. Außerdem überwies Magenta nach dem Re-Start die letzte TV-Rate von 200.000 Euro. Hinzu kam die Bereitschaft der himmelblauen Spieler und des Trainer- und Betreuerteams, die - als der Spielbetrieb in der 3. Liga wochenlang ruhte - auf ihre Gehälter verzichtet, Kurzarbeiterregelungen zugestimmt und damit dem Verein finanziell entlastet haben.

Treue Fans und die gnädige GGG

Die treuen CFC-Fans und -Mitglieder zeigten sich in der Zeit ebenfalls solidarisch und kauften allerhand im CFC-Fanshop ein. Darüber hinaus brachte die "Unterstützerticket-Aktion", bei der insgesamt 6.536 Tickets abgesetzt werden konnten, weitere zusätzliche 50.000 Euro ein. Am wichtigsten war allerdings die Spendenaktion, um die Insolvenz zu beenden und den Verein am Leben zu erhalten. Innerhalb kürzester Zeit wurde etwas mehr als eine halbe Million zusammengetragen.

Die städtische Tochtergesellschaft GGG, ihres Zeichen Vermieter des "Stadion - An der Gellertstraße", zeigte sich gnädig und erließ dem CFC für die Monate März bis Juni 2020 die Grundmiete. Weiterhin seien die Mieten für Geschäftsstelle und Fanshop für April und Mai gestundet und eine Ratenzahlung bis Ende des Jahres vereinbart worden. Während sich Romy Polster öffentlich für das Entgegenkommen recht herzlich bedankte, vermeldete ein GGG-Sprecher zum damaligen Zeitpunkt kurz und knapp: "Zu einer endgültigen Lösung laufen gegenwärtig noch entsprechende Gespräche." Die jährliche Stadionmiete belief sich - nach heftigen Einspruch durch Insolvenzverwalter Klaus Siemon - auf letztlich 175.000 Euro; anfänglich waren 800.000 Euro angedacht gewesen.

Zahlungsbereite Sponsoren und Gesellschafter

Olaf Pönisch geht als Sponsor und Gesellschafter ebenfalls mit guten Zeichen voran: Vor einem hat er vorzeitig den Sponsoring-Betrag für die Saison 2020/21 überwiesen, zudem bekanntgegeben, dass die "Gottwald & Pönisch GmbH" auch in der Saison 2021/22 Premiumpartner bei den Himmelblauen bleiben wird. Zum 55. Geburtstag des FC Karl-Marx-Stadt schenkte das Chemnitzer Unternehmen für Sanitär-Gas-Wasserinstallation dem CFC zum zweiten Mal die vorzeitige Verlängerung des Sponsoring-Vertrags. In der kommenden Spielzeit unterstützt er als Exklusiv-Partner - und das mit einer Summe im mittleren fünfstelligen Bereich.

Wie sieht die Zukunft der CFC-GmbH aus?!

"Unser Ziel muss es jedoch sein, solche positiven Zahlen künftig auch ohne das Zutun unserer vielen engagierten Gesellschafter nachhaltig selbst zu erwirtschaften", betont Romy Polster und bittet neuerlich um Unterstützung von Partnern, Sponsoren und Unternehmen der Region. "Wir haben gut gearbeitet und die Insolvenz in Kürze beendet. Jetzt gilt es, diesen positiven Trend sportlich und wirtschaftlich gemeinsam zu stabilisieren."

Nach dem Abstieg schaute der CFC-Aufsichtsratsvorsitzende Knut Müller positiv in die Zukunft und erklärte aufgrund der verminderten Ertragssituation, welche in der Regionalliga herrscht, zumindest mit einem Etat von zwei Millionen arbeiten zu können. Allerdings steht dem Verein "deutlich weniger" Kapital zur Verfügung. Mehr Unterstützung erhoffen sich die Himmelblauen perspektivisch von der Stadt Chemnitz und damit verbunden von städtischen Sponsoren. Die Vermittlerrolle könnte Sven Schulze, der neue Oberbürgermeister der Stadt Chemnitz, einnehmen. Er selbst ist langjähriges Vereinsmitglied des Chemnitzer FC und äußerte zuletzt wie folgt zu dieser Thematik: "Der Sport hat eine große Historie und eine immense Bedeutung für Chemnitz und seine Bürgerinnen und Bürger. Umso wichtiger ist es, dass der CFC, als größter Verein und ein emotionaler Leuchtturm der Stadt Chemnitz, wieder zu eigener Stärke gefunden hat." Und um diese Stärke schrittweise weiter auszubauen, sind ambitionierte Sponsoren und Gesellschafter elementar. Mit dem erfolgreichen Insolvenzabschluss, was spätestens Ende Februar der Fall sein wird, soll es in Bezug auf neue Geldgeber Bewegung geben. Allerdings könnte es hier zu Schwierigkeiten kommen, sofern der MDR sein Angebot wirklich reduziert. "Die mögliche Präsenz im Rahmen einer Übertragung im TV ist immer Anreiz und Motivation für die Gespräche und Verhandlungen mit Sponsoren", zeigt sich Romy Polster unzufrieden.



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