Unterschiedlicher hätten die Vorzeichen vor dem Ostklassiker nicht sein können: Der Chemnitzer FC verliert als zweitbeste Rückrundenmannschaft bei der schlechtesten. Damit konnte die BSG Chemie Leipzig nach fünf Niederlagen in Serie erstmals wieder ein Spiel in der Regionalliga-Nordost gewinnen.
Niederlage "total unnötig"
Die Schlüsselszene des Ostklassikers war der Platzverweis für Tom Baumgart in der 67. Minute. CFC-Trainer Benjamin Duda bewertete die erste Pflichtspielniederlage im Jahr zum einen als "total unnötig, weil selbstverschuldet" sowie zum anderen: "Wir müssen das Spiel - bei allem berechtigtem Frust - nutzen und daraus zu lernen. Auch das gehört zu unserer Entwicklung dazu."
Bell lässt es im eigenen Tor klingeln
Wie schon bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Magdeburg ging der CFC früh in Führung. Der damalige Siegtorschütze Maurizio Grimaldi legte diesmal auf. Seine Hereingabe bugsierte Julian Bell, der keine Augen für den Ball, sondern nur für seinen Gegenspieler Tobias Müller hatte, sehenswert ins eigene Tor - ein Auftakt nach Maß für die Himmelblauen im mit 4.999 Zuschauern ausverkauften "Alfred-Kunze-Sportpark".
CFC hatte die Partie in der ersten Halbzeit "gut im Griff"
"Wir hatten die erste Halbzeit - vor allem nach der schnellen Führung - gut im Griff, Chemie ist zwar viel gerannt, aber zu keinen nennenswerten Abschlüssen gekommen", fasst CFC-Kapitän Müller die ersten 45 Minuten zusammen. Duda sah einen "Top-Auswärtsauftritt: super organisiert und sehr diszipliniert" und sagte zur Pause zu seinen Schützlingen: "Wenn wir das halten können, dann wird sich wenig am Ergebnis ändern." Das Blatt sollte sich letztlich in den Schlussminuten wenden. Diesem gingen zwei Schlüsselszenen voraus.
Platzverweis & Elfmeter als Schlüsselszenen
"Die gelb-rote Karte ist für mich der Knackpunkt gewesen, Baumi macht zwei Fouls im gesamten Spiel und fliegt vom Platz, das ist natürlich extrem bitter", sagte Tobias Müller, der aber selbstkritisch anmerkte: "Davor haben wir es nicht geschafft, für Entlastung zu sorgen und mit den Chancen, die wir hatten, das Spiel zu killen."
Baumgart nach Ampelkarte gesperrt
Baumgart hatte bereits nach 32 Sekunden nach Foul an Lihsek die erste gelbe Karte von Schiedsrichter Marvin Tennes gesehen. In der 67. Minute kassierte der Rechtsverteidiger dann nach Foul am quirligen Kay Seidemann die zweite. Damit fällt der Routinier am Samstag gegen seinen Ex-Verein, den Halleschen FC, aus.
Doppelschlag in den Schlussminuten
In der 85. Minute riss der eingewechselte Felix Müller unnötigerweise Stanley Ratifo zu Boden, welcher den anschließenden Elfmeter sicher zum Ausgleich verwandelte. Welche Wucht der altehrwürdige "Alfred-Kunze-Sportpark" entfachen kann, spürte man zwei Zeigerumdrehungen später. Rudolf Sanin traf mit einem sehenswerten Distanzschuss zum siegbringenden 2:1.
Chemie Leipzig sendet Lebenszeichen im Abstiegskampf
Im zentralen Mittelfeld der Leipziger standen zwei ehemalige CFC-Spieler: Während Nils Lihsek mit Distanzschüssen in Erscheinung trat, ackerte Fynn Seidel unermüdlich. "Es war das erwartete, hart umkämpfte Spiel, in dem sich beide Teams in jeden Zweikampf und Ball hineinschmeißen werden", sagte der gebürtige Chemnitzer nach der Partie und fügte hinzu: "Nach dem Gegentor haben wir weiter leidenschaftlich gespielt. Der Sieg ist wirklich Balsam für die Chemie-Seele."
"Es wird am Ende dieser Saison eine ganz enge Kiste"
Damit sendet das Team aus dem "Leutzscher Holz" ein wichtiges Zeichen im Kampf um den Klassenerhalt. Denn im schlimmsten Fall könnte es in dieser Saison vier Absteiger geben. Wenn es dazu kommt, würde es das Team von Alexander Schmidt - aktuell auf dem 16. Platz stehend - erwischen. "Es wird am Ende dieser Saison eine ganz enge Kiste, von daher war es für uns mega-wichtig, dass wir heute die drei Punkte einfahren konnten - und am besten machen wir damit am Sonntag bei Rot-Weiß Erfurt weiter", blickte Seidel auf das nächste Spiel voraus.
CFC-Kapitän Müller lobt Fans: "Sie sind unser Faustpfand."
Neben Baumgart fehlt mit Roman Eppendorfer (5. gelbe Karte) ein weiterer Defensivspieler gegen den HFC. Hinter Toptorjäger Bozic, der nach einer halben Stunde ausgewechselt werden musste, und Grimaldi, der nach dem Spiel humpelte, steht zumindest ein Fragezeichen. Wie schon in Leipzig, werden auch am Samstag wieder allerhand himmelblaue Schlachtenbummler den CFC auswärts lautstark unterstützen.
"Die Fans haben wieder eine Choreo gezeigt, uns bedingungslos unterstützt, sie sind unser Faustpfand, deswegen ärgert uns die Niederlage umso mehr", erklärte Tobias Müller, der in der 78. Minute nach einem intensiven Spiel ausgepowert ausgewechselt werden musste.
Spiel am Samstag gegen Halleschen FC
Der Chemnitzer FC wird die Samstagsreise an die Saale definitiv ersatzgeschwächt antreten müssen. Der Hallesche FC hat derweil beim Tabellenschlusslicht Hertha Zehlendorf souverän mit 4:1 gewonnen und bleibt damit die beste Rückrundenmannschaft der Regionalliga-Nordost.
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