CFC: Viele Aufgaben, wenig Personal

FUSSBALL Himmelblaue verlieren weitere Identifikationsfiguren

Am gestrigen Donnerstag legten der Aufsichtsratsvorsitzende Uwe Bauch sowie die beiden Aufsichtsratsmitglieder Norman Löster und Lutz Wienhold mit sofortiger Wirkung ihre Ämter nieder. CFC-Präsident Andreas Georgi bleibt vorerst im Amt, um auf der Mitgliederversammlung am 4. April einen Rechenschaftsbericht vorlegen zu können. In einem Schreiben begründeten sie ihre Entscheidung mit fehlender Einflussnahme auf die aktuellen Entwicklungen sowie das zuvor die Bereitschaft zum internen Dialog und einer Zusammenarbeit von Insolvenzverwalter Klaus Siemon immer wieder zurückgewiesen wurde. Mehr noch: Ihnen wurden seit Juli 2018 sämtliche Informationen vorenthalten, zudem sind sie in keine Entscheidung eingebunden gewesen. Weiterhin forderte der Insolvenzverwalter die satzungsgemäß bestellten und gewählten Gremienmitglieder zum Rücktritt auf.

Sobotzik wünscht sich mehr Hilfe

Eine Woche zuvor fand die denkwürdige Pressekonferenz der CFC-GmbH statt, an der neben dem Insolvenzverwalter ebenso Thomas Sobotzik, Vorstand für Sport und Finanzen, Rede und Antwort stand. Ein Großteil der Debatte drehte sich um die Geschehnisse, die sich vor dem Heimspiel gegen die VSG Altglienicke abgespielt haben. CFC-Sportvorstand Thomas Sobotzik sagte dabei jenen Satz, der zum Nachdenken anregte: "Wir können es alleine nicht schaffen. Wir sind alle keine Chemnitzer hier, sondern sozusagen Fremde. Wir kämpfen weiter, aber brauchen auch die Hilfe der lokalen Politik, der Sponsoren und der Fans. Nur gemeinsam können wir das Problem lösen."

Die Geduld der Stadt

Innerhalb der Stadt gilt der CFC gern als Zielscheibe, wenn es um die Ungerechtigkeiten bei der Verteilung der finanziellen Ressourcen geht. So werden oftmals Vergleiche gezogen, dass für einen insolventen Regionalligisten Geld zur Verfügung steht, jedoch nicht für die Sanierung von Spielplätzen und Schulen. Jüngst griff der Stadtrat dem CFC ein weiteres Mal unter die Arme, indem er im Falle eines himmelblauen Aufstiegs die Stadionmiete auf dem Niveau der Regionalliga Saison 2018/19 belässt. Die Vermarktung des Stadionnamens wiederum wurde der städtischen Immobilientochter Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-Gesellschaft m.b.H. (GGG) zugesprochen. Anstatt mit dem ersten Resultat zufrieden zu sein, überwog die Enttäuschung über die zweite. Insolvenzverwalter Klaus Siemon verwies diesbezüglich auf weitere Gespräche, die geführt werden müssen.

Potente Sponsoren geben Engagement auf - Investoren fehlen

Neben fehlenden Einnahmen durch die Stadionvermarktung muss die CFC-GmbH ab der kommenden Saison ohne vier finanzkräftige regionale Unternehmen, die schon lange die Himmelblauen unterstützt haben, auskommen. Diese hatten bereits vor den Altglienicke-Ereignissen dem Verein mitgeteilt, dass sie ihr Engagement nicht fortsetzen werden. An dieser Stelle muss gefragt werden: Was haben die himmelblauen Vereinsvertreter überhaupt getan, um das zu vermeiden? Warum konnten die Sponsoren nicht gehalten werden? In Bezug auf die Gewinnung von Investoren sollen mittlerweile zehn Prozentpunkte verkauft worden sein. Nach der "wiederholt öffentlichen Herabwürdigung" auf der Pressekonferenz ist die Sponsoren- und Investorensuche alles andere als einfacher geworden.

Diverse Personalentscheidungen des Insolvenzverwalters

Es stellt sich gleichermaßen auch die Frage, wessen Hilfe als nicht mehr notwendig erachtet wurde. Seit dem Amtsantritt von Klaus Siemon im April 2018 mussten eine Vielzahl von lokal verwurzelter Mitarbeiter und ehrenamtlich Engagierter mit "himmelblauen Blut" den CFC verlassen. Erstes "Opfer" war Steffen Ziffert, der von Thomas Sobotzik als Sportvorstand abgelöst wurde, aber dennoch bereit schien, sich in anderer Form innerhalb des Vereins einzubringen. Dies wurde jedoch nicht gewünscht. Nach der Saison wurde Fanshop-Leiter Oliver Müller, der gemeinsam mit den Fans viele neue und interessante Merchandise-Artikel auf den Weg gebracht hat, der Vertrag gekündigt. Zum Jahresende musste weiterhin Fanshop-Mitarbeiterin Anett Schäfer, die viele Jahre lang dafür sorgte, die himmelblauen Artikel an die Fans zu bringen, gehen.

Ebenso in der Presseabteilung gab es ein Stühlerücken: Nicole Oeser hielt es nach ihrem Abgang als Pressesprecherin nicht lange ohne den CFC aus, wollte sich freiberuflich neben ihrer neuen beruflichen Tätigkeit bei den Himmelblauen engagieren. Auch diese zweite "Ehe" hielt nicht lange. Im Zuge der Personalentscheidungen nach dem Altglienicke-Spiel wurden - ohne Nennung konkreter Gründe - weiterhin Peggy Schellenberger als Fanbeauftragte, Olaf Kadner als Stadionsprecher sowie Maximilian Glös, Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung, freigestellt. Ebenso vom Sicherheitsdienst wurde sich getrennt.

Wer bleibt am Ende überhaupt übrig?!

Einer davon ist Thomas Uhlig, aktuell weiterhin kommissarisch als Geschäftsführer der CFC-GmbH tätig. Er trägt eine Menge Herzblut für den Verein in sich. Seine Zukunft ist offen, allerdings belastet ihn die durch Siemon erneuerte Alleinschuld an der Trauerbekundung für den verstorbenen Thomas H. sicherlich schwer für künftige (höhere) Aufgaben.

Es gab eine ganze Menge Menschen, die in Chemnitz und der Umgebung ihre Wurzeln haben und sich einbringen wollten oder es über lange Zeit getan haben, jedoch erweckte der Vereine in den letzten Monaten den Anschein, dass dies gar nicht immer gewünscht ist. Auch von Seiten des Vereins "Fanszene Chemnitz e.V." sowie anderen engagierten Anhängern gab es diverse Versuche und Vorschläge, dem Verein in der aktuellen Situation zu unterstützen. Diese stießen zu Großteilen auf taube Ohren. All das hatte sicherlich mit zur Folge, dass sich perspektivisch weitere Sponsoren, Mitglieder und Fans vom Chemnitzer FC abwenden werden. Vielleicht sollten dies die Verantwortlichen bei ihren zukünftigen Entscheidungen mit bedenken. Der Hilferuf könnte folglich zu spät gekommen sein...