Das Kulturhauptstadtjahr neigt sich dem Ende. Steffi Hofmann hat mit Andrea Pier, der kaufmännischen Geschäftsführerin der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH, über das Jahr und darüber, was jetzt kommen kann, gesprochen.
1. Sie haben als kaufmännische Geschäftsführerin maßgeblich darüber mit entschieden, wie das Kulturhauptstadtjahr 2025 aussehen soll. Sind Sie zufrieden damit?
Ich bin sehr zufrieden und glaube, wir können gemeinsam auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Chemnitz hat sich der Welt präsentiert, und das mit großem Erfolg. Zahlreiche tolle Veranstaltungen, ein starkes touristisches Interesse und große internationale Aufmerksamkeit zeugen davon. Was mir aber besonders wichtig ist: Chemnitz 2025, das ist eine Gemeinschaftsleistung. All die schönen Momente wären ohne die zahlreichen Menschen, die leidenschaftlich und engagiert an den vielen Projekten mitgearbeitet haben, nicht möglich gewesen.
2. Was waren Ihre persönlichen Highlights 2025?
Lange Zeit besteht die Arbeit an einem Kulturhauptstadtjahr vor allem aus Vorbereitung: Wir versuchten die richtigen Weichen zu stellen, die richtigen Menschen zu vernetzen, Initiativen mit ins Boot zu holen, den Rahmen zu schaffen, dass das Kulturhauptstadtjahr funktionieren kann, wie man sich das vorstellt. Für mich war es daher ein ganz besonderer Moment, als es dann am 18. Januar mit der großen Eröffnung endlich losging. Zu merken: Jetzt wird es real. Jetzt sind wir Kulturhauptstadt, jetzt zeigt sich, ob sich all die Arbeit gelohnt hat. Und ich glaube, dieses Gefühl hatte nicht nur ich. Die Begeisterung war überall zu spüren, den Kulturhauptstadteffekt, den gibt es wirklich.
3. Wo sagen Sie - das hätte besser laufen können oder müssen?
Ich sage immer: Wir alle machen Kulturhauptstadt zum ersten Mal. Wir hatten das Glück, dennoch von den Erfahrungen anderer ehemaliger europäischer Kulturhauptstädte zu lernen, mit denen wir uns vernetzt und ausgetauscht haben. Das hat enorm geholfen. Im Großen und Ganzen muss ich sagen: Es gab nicht die eine Sache, von der ich sagen würde: Das hätte ich lieber von Anfang an ganz anders gemacht. Natürlich, es läuft nicht immer alles nach Plan, das ist in jedem Projekt so. Aber dann passt man seinen Plan eben an. Das ist uns gelungen.
4. Chemnitz wollte sich 2025 als weltoffene, diverse Stadt zeigen. Ist das aus Ihrer Sicht gelungen?
Wir sind mit dem Motto "C the Unseen" an den Start gegangen und genau das war unser Auftrag: Chemnitz und die Region von ihrer bislang ungesehenen Seite zu zeigen, die Vielfalt der Menschen sichtbar zu machen und zu zeigen, wie viel Stadt und Umland zu bieten haben. Hier leben aufgeschlossene Menschen, das haben unsere Besucher auch gespürt.
5. Als Touristenhochburg konnte sich die Stadt bisher nie bezeichnen. In diesem Jahr gab es aber Zeiten, wo Hotels keine freien Zimmer mehr hatten. Denken Sie, dass ein Teil des touristischen Interesses auch in die nächsten Jahre mitgenommen werden kann?
Viele Besucher äußerten denselben Eindruck: "Mensch, das ist ja toll hier, das hätte ich gar nicht gedacht", und ebenso oft hörten wir: "Wir kommen auf jeden Fall wieder!". Das Kulturhauptstadtjahr zu beenden, heißt also nicht Abschiednehmen, sondern eigentlich sagen wir "Auf Wiedersehen!". Denn man sieht Chemnitz jetzt in einem anderen Licht und weiß, dass diese Stadt auch in Zukunft vieles noch Ungesehenes zu bieten hat. Das zeigen auch die Erfahrungen aus anderen europäischen Kulturhauptstädten.
6. Viele Chemnitzer waren vor 2025 skeptisch ob des Kulturhauptstadtjahres. Haben Sie das Gefühl, die Bürger haben durch den Titel einen anderen, positiveren Blick auf ihre Stadt bekommen?
Vorab ist natürlich schwer greifbar, was es eigentlich bedeutet, Kulturhauptstadt Europas zu sein, das ging uns allen so. Nach der Titelvergabe 2020 gingen die zahlreichen Vorbereitungen los, die für Außenstehende nicht immer spürbar waren und insofern war es eine lange Zeit, bis es wirklich los ging. Aber dann 2025 war die Begeisterung deutlich zu spüren. Was wir besonders häufig gehört haben: Nicht nur Besucher von außerhalb nahmen die kulturellen Angebote gern an, auch viele Chemnitzer und Menschen aus der gesamten Kulturhauptstadtregion nutzten die Gelegenheit, ihre eigene Stadt noch einmal ganz neu zu entdecken.
7. Stichwort Legacy: Wie kann es Chemnitz nach 2025 schaffen, das internationale Profil zu halten?
Das Kulturhauptstadt-Gefühl soll auch nach 2025 lebendig gehalten werden. Dafür arbeitet die Stadt Chemnitz seit 2023 an einem Legacy-Rahmenplan, der im Laufe des Jahres 2026 fertiggestellt wird. Aber natürlich gibt es auch vieles im Brückenjahr zu erleben. Ein großes Highlight für das nächste Jahr ist auf jeden Fall "Theater der Welt", Deutschlands größtes internationales Festival für zeitgenössische Bühnenkunst, das 2026 in Chemnitz ausgetragen wird. Über 18 Tage lang wird es hier 40 Produktionen von Künstlern von allen Kontinenten der Welt geben.
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