Chemnitz beweist: es geht auch ohne Glyphosat

Politik Grüne Stadträtin zum Glyphosat-Streit in Berlin

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Chemnitz. Glyphosat ist weltweit das mit Abstand am häufigsten eingesetzte Pflanzengift. Auch für die sächsische Umwelt ist Glyphosat eine Bedrohung: Das Umweltinstitut Leipzig hat 17 Gewässer nach häufig eingesetzten Pestiziden untersucht. Das Ergebnis: in zwölf der 17 wurde Glyphosat entdeckt.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat in Brüssel für eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung in der EU gestimmt.

Die Chemnitzer Grünen reagierten erbost auf diesen Vorstoß. Stadträtin Meike Roden teilte am Mittwoch mit: "Die Zustimmung der Bundesregierung ist ein Schlag ins Gesicht von Verbrauchern und Umwelt."

Die Alternativen in Chemnitz

Gleichzeitig weist sie auf den positiven Stand in Chemnitz hin. Die Stadt spielt beim Verzicht auf das Gift eine Vorreiterrolle. Denn hier kommt es schon seit Jahren aufgrund einer freiwilligen Selbstverpflichtung nicht mehr zum Einsatz. Stattdessen werden Alternativen wie die Anwendung eines Heißwassergerätes genutzt, um dem Unkraut zu trotzen.

Um die Umwelt vor dem Pflanzengift Glyphosat zu schützen, wurden eindeutige Regelungen formuliert: Für das Kleingartenwesen gilt: "Auf die Anwendung von chemischen Unkrautbekämpfungsmitteln (Herbizide) und Salzen in jeglicher Form ist zu verzichten." Auch in der Straßenreinigung ist der Einsatz von Glyphosat und vergleichbaren Wirkstoffen verboten.

Die Anwendung von Alternativen bezeichnet Meike Roden als "eine gute Sache". "Doch meines Erachtens muss es neben der Befragung der freien Träger auch regelmäßige Kontrollen geben", so die Chemnitzer Grünen-Politikerin.

Um das Stadtbild nicht dem Unkraut zu überlassen, wurde ein Gerät zur Unkrautbekämpfung auf Heißwasserbasis beschafft. Dieses Verfahren ist vor allem deshalb effektiv, weil das Heißwasser tief in den Boden sickert und somit Unkraut mitsamt ihrer Wurzel vernichtet.

Auch in der Landwirtschaft gibt es eindeutige Regelungen

Die Stadt Chemnitz verpachtet etwa 1.000 Hektar Fläche an konventionell arbeitende Landwirtschaftsbetriebe. In den aktuellen Landpachtverträgen ist folgende Formulierung enthalten: Auf den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist nach Möglichkeit zugunsten biologischer Maßnahmen zu verzichten. Der Pächter ist verpflichtet, auf den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen zu verzichten.

"Die Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen sind konstant sehr gering. Wir werden uns dafür einsetzen, dass das so bleibt - fordern aber von den Landwirten im Gegenzug den Verzicht auf Glyphosat", so Rohde.

Um die Wirksamkeit der genutzten Alternativen prüfen und auswerten zu können, müsse man jedoch einen größeren Zeithorizont betrachten, da die Anwendung an Kontinuität gebunden sei, teilte Bürgermeister Michael Stötzer mit.