Während sich die Spieler des Chemnitzer FC nach dem Last-Minute-3:3 gegen den FSV 63 Luckenwalde in die Winterpause verabschiedet haben, gab es beim Regionalligisten eine personelle Veränderung. Weil Aufsichtsratsmitglied Thomas Georgi aus gesundheitlichen Gründen sein Amt zum 27. Dezember 2025 niederlegt, rückt Prof. Dr. Mathias Hänel nun satzungsgemäß ins Kontrollgremium auf.
Nachdem der "Doc" bei der Mitgliederversammlung Ende April die Direktwahl - also sein Comeback - denkbar knapp verpasste, hat der 61-jährige Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Klinikum Chemnitz nun wieder eine Funktion in der Führungsebene bei den Himmelblauen inne. Von 2006 bis 2017 war er bereits als Präsident für den Verein tätig und hat diese Zeit - positiv wie negativ - geprägt.
CFC-Aufsichtsratsvorsitzender Löster: "Danke für Dein ehrenamtliches Engagement."
Georgi hatte in der jüngsten Aufsichtsratssitzung seine Gremienkollegen sowie die Vereinsverantwortlichen über seine Entscheidung in Kenntnis gesetzt. CFC- Aufsichtsratsvorsitzender Norman Löster dankte dem 70-Jährigen "für sein ehrenamtliches Engagement und seine wertvolle Mitarbeit" und freut es, "dass er uns auch über seine Zeit als Aufsichtsrat hinaus als Gesellschafter und Fan verbunden bleibt".
Gemäß der Vereinsordnung wird Hänel als erster Nachrückekandidat zum 28. Dezember 2025 in den Aufsichtsrat aufgenommen. Die erste Sitzung des Aufsichtsrates in neuer Konstellation findet am 3. Februar 2026 statt. Die aktuellen Wahlperiode ist auf vier Jahre angelegt und läuft noch bis 2029.
13 Mitgliederstimmen vs. 8-Prozent-GmbH-Anteile
Bei der letzten Mitgliederversammlung landete der "Doc" mit insgesamt 165 Stimmen auf dem achten Platz. Thomas Brückner erhielt hingegen 13 Stimmen mehr und damit den siebten und letzten verfügbaren Platz im Aufsichtsrat. Während die 364 himmelblauen Mitglieder ihr Wahlrecht wahrnahmen, sorgte das demokratische Ergebnis hinter den Kulissen für Unmut. Unter anderem war Olaf Pönisch, der zusammen mit seiner Frau Jana Pönisch mit acht Prozent die meisten Anteile der Chemnitzer FC Fußball GmbH besitzt, not amused darüber und gab Teilen der aktiven Fanszene die Schuld. Mit einem Text - verbreitet im Vorfeld auf verschiedenen Social-Media-Kanälen - wäre die Wahl negativ und nachhaltig beeinflusst worden.
Hänel selbst - angetreten mit dem klaren Wunsch, gewählt zu werden und den Vorsitz zu übernehmen - verließ wortlos den Ort des Geschehens und zog anschließend im Hintergrund akribisch Fäden. In der Sommerpause gab es dann den eins-Coup. Allerdings mit einem Leak.
Netzwerkmacht & Machtspiele
Vorab: Dass sich Roland Warner, Vorsitzender der eins-Geschäftsführung, und Hänel aus vergangenen himmelblauen Tagen kennen, ist kein Geheimnis. Dass der Energieversorger und der "Doc" eifrig an einem Sponsorenvertrag bastelten, jedoch schon. Ein Leck im eins-System sorgte letztlich dafür, dass die Namensrechte nicht nur für das Stadion in Chemnitz, sondern gleichfalls auch für das des Drittligisten FC Erzgebirge Aue bis 2028 gelten. Alle Beteiligten äußerten sich bei der Bekanntgabe des Deals diplomatisch. Dessen ungeachtet kam die Initialzündung zum eins-Engagement von Hänel - und darauf verwies Warner auch auf Nachfrage. Eine Danksagung erhielt Hänel zudem von Frank Löbe aus dem CFC-Vorstand. Mit Sven-Uwe Kühn sitzt weiterhin ein enger Hänel-Vertrauter seit Sommer 2024 im Ehrenrat.
Vision: Profifußball und wirtschaftliche Stabilität
Der "Doc" ließ damit seinen Worten, die er vor der Mitgliederversammlung äußerte, eine erste große Tat folgen: "Wir sollten endlich den Blick nach vorn richten, um in Ruhe die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit der CFC wieder dorthin kommen kann, wo er hingehört - nämlich in den Profifußball."
Zwischen Schiffbruch, Aufstiegen & Insolvenz
Mit dem Profifußball in der 2. Bundesliga hat Hänel als Vorsitzender des Chemnitzer FC mehrfach geliebäugelt. Als er allerdings 2006 die Himmelblauen übernahm, hatten diese Schiffbruch erlitten und befanden sich in der Oberliga. Aus der sportlichen und wirtschaftlichen Schieflage wurde sich mit den Aufstiegen in die Regionalliga (2008) sowie die 3. Liga (2011) befreit. Danach klopfte der CFC mehrfach an das Tor zur 2. Liga an, ein weiterer Aufstieg blieb aber verwehrt. Und das hatte existenzbedrohliche Folgen: Zehn Jahre nach dem Amtsantritt von Hänel wurde bekannt, dass eine Insolvenz droht. Am 25. November 2016 - dem "schwarzen Donnerstag" - klaffte ein Defizit von mehr als drei Millionen Euro auf. Hänel analysierte: "Ich sehe mich zentral in der Verantwortung, kann aber im Tagesgeschäft nur mittelbar eingreifen. (…) Ich will die Arbeit der Aufsichtsräte genauestens hinterfragen." In seiner neuen Funktion kann er das ab sofort machen.
Der Geburtsgedanke der GmbH & der Stadionbau
Hänel sah damals als potentielle Lösung der manifesten Probleme eine Spielbetriebs-GmbH, an dessen Gründung sowohl Mitglieder und Fans beteiligt werden sollen. Dazu kam es aus unterschiedlichen Gründen jedoch nicht. Auch zum Bau der versprochenen Fanhalle kam es nicht. Am 18.11.2017 ging der "Doc" bei der Mitgliederversammlung offiziell von Bord: "Unserem Chemnitzer FC wünsche ich für die Zukunft alles Gute." Einige Monate nach dem Rücktritt trat die Insolvenz ein, mit dessen Nachwirkungen der Chemnitzer FC immer noch zu kämpfen hat, wie die jüngsten juristischen Auseinandersetzungen beweisen.
In der Hänel-Ära hat der CFC außerdem ein neues, modernes Stadion erhalten. Wenngleich dieses letztlich mit 27 Millionen mehr kostete als ursprünglich erwartet. Neben dem Vorwurf, die Stadionkosten falsch eingeschätzt zu haben, trübten Bauverzögerung das Bild.
Stabilität, Sponsoren und Vereinsentwicklung
In der Saison 2018/19 tauchte Hänel ziemlich überraschend wieder bei Heimspielen der Himmelblauen auf und suchte gezielt den Kontakt zu den Verantwortlichen, so unter anderem auch zum Sportvorstand Thomas Sobotzik. Ebenso gegenüber Insolvenzverwalter Klaus Siemon zeigte sich der "Doc" offen und half bei der Klärung des Streits zwischen der Chemnitzer FC Fussball GmbH und dem ehemaligen Vereinsvermarkter Infront.
Hänel: "Ungebrochene Verbundenheit mit dem Verein."
"Der Hauptgrund ist die ungebrochen große Verbundenheit mit dem Verein meiner Heimatstadt", betont Hänel, der zweifelsfrei durch seine Tätigkeit beim CFC als auch Chefarzt im Klinikum in Chemnitzer und in der gesamten Region bestens bekannt und vernetzt ist. Nach der eins sollen weitere - sowohl ehemalige als auch neue - Sponsoren gewonnen werden.
"Wir wünschen ihm für seine Amtszeit im Aufsichtsrat ein gutes Händchen, damit wir den Chemnitzer FC gemeinsam kontinuierlich weiterentwickeln können", erklärt CFC-Aufsichtsratsvorsitzender Löster.
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