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Comic-App erzählt Geschichte vietnamesischer Vertragsarbeiter

Historie Neue Einblicke mit der Interaktiven App "Glasfäden"

Vor etwas mehr als 40 Jahren haben die DDR und Vietnam einen Vertrag über die Entsendung von Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeitern vereinbart. Als der Arbeiter- und Bauernstaat Geschichte wurde, waren die Vietnamesen die größte Gruppe von ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Ein Drittel der einst 90.000 vietnamesischen Bürger sind nach der Wiedervereinigung geblieben und haben sich unter schweren Bedingungen ein neues Leben aufgebaut. Die interaktive Comic-App "Glasfäden" gibt nun Einblicke in die Geschichte der Vertragsarbeit aus der Sicht einer jungen Vietnamesin aus Chemnitz.

App schließt Lücke in Geschichtsbüchern

Heute leben die ehemaligen Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter mit ihren Familien bereits in der dritten Generation in Deutschland und nur wenige Geschichtsbücher oder Stadtarchive erzählen ihre Geschichten. Dieser Lücke nimmt sich die App an und erzählt dabei das Leben der Vertragsarbeitenden aus der Sicht zweier Frauen. Die Mutter kam über die "sozialistische Bruderhilfe" von Hanoi in die DDR und blieb nach der friedlichen Revolution in einem Land, das sich radikal veränderte. Ihre Töchter wurden in eine Familie geboren, der die Integration in die Gesellschaft auf vielen Ebenen verwehrt blieb.

Szenen aus dem eigenen Leben 

Ihre persönlichen Erfahrungen stehen stellvertretend für die große vietnamesische Community in Chemnitz. Sie spreche aber für alle ehemaligen Vertragsarbeitenden, die heute in Deutschland leben, so die Initiatoren. Die Idee zur App ist in einer Kooperation zwischen dem Programm neue unentd_ckte narrative des Vereins ASA-FF e.V. und dem Figurentheater am Theater Chemnitz entsprungen. Im Herbst vergangen Jahres premierte das kooperativ entwickelte Figurentheaterstück "So glücklich, dass du Angst bekommst". Vietnamesische Frauen stehen auf der Bühne und spielen Szenen und Erzählungen aus ihrem eigenen Leben.

App-Durchlauf dauert eine halbe Stunde

"Die App ist toll, um unsere Geschichte erzählen zu können, damit mehr Menschen Bescheid wissen, welchen Einfluss wir auf Deutschland hatten", so eine junge Frau, deren Eltern als Vertragsarbeitende in die DDR kamen, bei einem Testdurchlauf der App. Interessierte können die App auf Vietnamesisch, Deutsch und Englisch nutzen, ein Durchlauf dauert 35 Minuten und eignet sich für die Nutzung im Bildungskontext für eine Lehreinheit an Schulen. "Glasfäden" ist kostenlos auf der Website www.glasfaeden.de zu finden und steht über den Apple Store oder Google Play zum Download bereit.

Zusätzlich zur App finden sich ein Begleitheft für Schüler zum Download auf der Website. Dieses von der Politikwissenschaftlerin Ngoc Bich Tran erstellte Material bietet weitere Hintergründe, ein Glossar und zusätzliche Materialien. rih

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