Corona-Panne im Gesundheitsamt: 24 Verstorbene einfach "liegen geblieben"

Corona-Zahlen Versäumnis im Gesundheitsamt - Organisation neu strukturiert

Angesichts der steigenden Infektionszahlen in den letzen Wochen musste man sich wundern, dass die Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung in Chemnitz nahezu stagnierten. Jetzt steht fest: Die entsprechenden Informationen sind im Gesundheitsamt Mitte November schlichtweg liegen geblieben. So sind derzeit nicht 19 Todesfälle zu verzeichnen, wie im Presse-Update von Mittwoch noch zu lesen war, sondern insgesamt 43. Allein in der Woche vom 9. bis 16. November gab es 24 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit der Virusinfektion.

Wie konnte es dazu kommen?

Chemnitz' Sozialbürgermeister Ralph Burghardt bemühte sich um Aufklärung für das Versäumnis: "Dieser Fehler ist ganz klar zu bedauern.Die Ursache lag in der zeitweise großen Belastung des Gesundheitsamtes, verbunden mit personellem Ausfall durch Krankheitsfälle. Hinzu kam die Umstrukturierung der IT-Systeme zur Datenauswertung." Der Bürgermeister machte gleichzeitig klar: "Die betreffenden Einrichtungen trifft keine Schuld, sie haben die Zahlen korrekt gemeldet." So gab es in der Woche vom 9. bis 16. Dezember November 13 Todesfälle in den vier Kliniken der Stadt. Zudem verstarben zehn Pflegefälle sowie fünf weitere Personen in Chemnitzer Pflegeheimen. Einen Todesfall gab es im häuslichen Umfeld. Die Verstorbenen waren zwischen 76 und 100 Jahre alt, meist deutlich über 80 Jahre.

Unterstützung des Gesundheitsamts durch die Bundeswehr

Um künftig eine lückenlose und schnellere Transparenz zu gewährleisten, wurde das Gesundheitsamt organisatorisch neu aufgestellt. Allein 16 Bundeswehrsoldaten unterstützen derzeit das 40-köpfige Team der Kontaktnachverfolgung. Auch Landesbedienstete und Mitarbeiter aus anderen Teilen der Stadtverwaltung greifen dem Gesundheitsamt unter die Arme - von der Befundsichtung bis zur Ausstellung von Quarantänebescheiden. Insgesamt sind rund 60 Mitarbeiter mit den Chemnitzer Corona-Infektionen beschäftigt. Die Organisation hat Sozialamtsleiterin Cornelia Utech übernommen, weil das Sozialamt über "ausreichend Erfahrung mit solchen Massenprozessen" verfügt.