"...dann stell ich den Teller auf...

Wort zum Sonntag von Theologin Dr. Hildegard König

Niklaus legt gewiss was drauf...". Diesen Sonntag ist Niklaustag. Im Gegensatz zum Weihnachtsmann hat Niklaus nur einen einzigen Auftritt, am 5./6. Dezember, in Erinnerung an den Bischof Nikolaus von Myra, der im 4. Jahrhundert gelebt hat, und der durch seine Hilfsbereitschaft berühmt wurde.

Viele Geschichten sind über ihn im Umlauf. Etwa die von den drei halbwüchsigen Mädchen, die er vor Schuldsklaverei, und damit vor sexueller Ausbeutung und Zwangsprostitution bewahrte, indem er ihnen nachts durch das Fenster drei Goldklumpen aufs Bett warf.

Oder die Geschichte mit dem verschobenen Getreide: In seiner Gegend litten Menschen Hunger, weil die Lebensmittel immer an den kleinen Leuten vorbei zu den Großen und Mächtigen gingen. Nikolaus soll die Besatzung kaiserlicher Getreidefrachter überredet haben, einen Teil ihrer Ladung in Myra zu löschen. Auf ihrem Einwand, sie würden dafür bestraft, versicherte er ihnen, dass am Ende nichts fehle. So war es. Das galt als Wunder. Aber vielleicht hat Bischof Nikolaus einfach etwas von den Nebengeschäften der Zwischenhändler gewusst und ihnen ein bisschen in die Suppe gespuckt. Solche Geschichten haben Nikolaus berühmt gemacht und zu dem Brauch geführt, am Niklausabend leere Teller bereitzustellen, damit er etwas drauf legt.

Allen Kindern wünsche ich Teller voller Überraschungen. Und den Erwachsenen wünsche ich das große Herz des Nikolaus, das die leeren Teller sieht und füllt, nicht nur in der eigenen Familie, sondern auch in unserer Stadt, bei den Tafeln und in den Lagern. Es hinterlässt nämlich nicht nur Niklaus seine Spuren in der Welt, wenn "gewiss was" auf den Tellern liegt.

Dr. Hildegard König,

Theologin



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