Das sagt Valeriias (9) Vater nach dem Urteil: "Ich dachte, die Kinder wären in Deutschland sicher"

Andrei P. hat Valeriia (9) bei Döbeln ermordet. Jetzt spricht ihr Vater zum Urteil des Prozesses

Chemnitz

Am Freitag ist das Urteil im Mordprozess um die 9-jährige Valeriia aus Döbeln am Chemnitzer Landgericht gefallen. (BLICK.de berichtete) Das Mädchen, was mit Mutter und Schwester zwei Jahre zuvor aus der Ukraine nach Deutschland kam, wurde Mitte Juni 2024, nach einer Woche intensiver Suchmaßnahmen, tot in einem Waldstück südlich von Döbeln gefunden. Das Kind ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. 

Fall erregte deutschlandweit Aufmerksamkeit

Verurteilt wurde am 31. Januar 2025 der Ex-Lebensgefährte der Mutter. Sie führte zum 37-jährigen Andrei P. im Frühling 2024 eine 2,5 monatige Beziehung, er habe zu der Zeit in ihrer Wohnung in Döbeln gelebt. Der gebürtige Moldawier habe die Trennung Ende Mai nicht verkraftet und wollte sich an der Mutter rächen. Er kündigte an, dass er ihr wehtuen wolle, sodass "sie bis an ihr Lebensende weinen werde." Obwohl der 37-Jährige die Tat bis zum Ende bestritt, ist sich das Gericht einig und verurteilte den Moldawier wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit besonderer Schwere der Schuld. Er hatte das Ende der Beziehung und die Tatsache, dass die Mutter bereits einen neuen Mann getroffen hat, nicht verkraftet und so Valeriia auf dem Schulweg abgefangen und in einem Waldstück in einer Schlammpfütze erstickt. 

Eltern hatten die Nebenklage angetreten

Während die Mutter des Opfers nur am ersten Verhandlungstag anwesend war und als Zeugin aussagte, hatte sich der Vater am vorletzten und letzten Prozesstag im Gericht angekündigt. Beide Eltern waren Nebenkläger im Verfahren. Während Nadia H. am ersten Prozesstag recht gefasst sprach, brach der Vater am Urteilstag immer wieder in Tränen aus. Die Eltern haben sich bereits in der Ukraine scheiden lassen. Nadia H. war mit den beiden Kindern durch die Ukraine-Krieg nach Deutschland gekommen, habe hier einen Sprachkurs absolviert. Valeriias Vater, Roman H., arbeitete im Bergbau, wurde aber als Soldat an die ukrainische Front eingezogen. "Ich dachte, die Kinder wären in Deutschland sicher."

"Unerträgliches Leid"

Im Prozess sprach der Vater berührende Worte: "Ich bin der Vater von Valeriia und meine Tochter wurde brutal ermordet. Ich bin 2.000 Kilometer gefahren, um diesem Mann in die Augen zu schauen. Ich habe nur einen Feigling gesehen, einen Mann, der seine Augen immer zur Seite richtet." Mit den Tränen ringend fuhr er fort: "Am dritten Verhandlungstag wäre Valeriia 10 Jahre alt geworden. Das ist ein unerträgliches Leid, über sie in Vergangenheit zu sprechen." Er schilderte, wie Valeriia lachte, ihre erste Windel anhatte und ihre ersten Schritte machte. Er erinnerte sich daran, wie sie als kleines Kind im Auto auf seinem Schoß saß und ihre Finger um das Lenkrad legte. "Valeriia war mir sehr ähnlich, sie war eine Träumerin. [...] Jetzt ist nichts mehr da. Nun gehe ich zum Friedhof, um sie um Verzeihung zu bitten, weil ich sie nicht beschützen konnte."

"Sie wird nie einen Abiball haben."

"Ich habe die Akte und die Arbeit der Polizei gesehen. Dort ist alles mehr als klar und ich finde keine einzige Rechtfertigung, um den Mord an dem Kind zu erklären. Sie wird nie einen Abiball haben, nie studieren, nie eigene Kinder haben. Es gibt kein Urteil, was das aufwiegen kann. Ich bitte darum, das maximal Mögliche zu urteilen." Und das tat das Gericht. Andrei P. hat eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. 

"Es gibt keine Bestrafung, die mir Valeriia zurückbringen könnte."

Im kurzen Interview nach Urteilverkündung äußerte sich der Vater ebenfalls unter Tränen. "Nichts kann mir Valeriia zurückbringen. Es gibt keine Bestrafung, die mir Valeriia zurückbringen könnte. Gäbe es in Deutschland die Todesstrafe, wäre das zu einfach." Der Vater war gekommen, um dem Mörder seiner Tochter in die Augen zu schauen. Er schilderte, dass Andrei P. es erst am Freitag gewagt hatte, ihn anzusehen und "so komisch zu grinsen". Am Dienstag war er den Blicken des Vater konsequent ausgewichen. Auf die Frage, ob der Vater auch für die Mutter am heutigen Tag sprechen wolle, weil diese nicht vor Ort erschien, sagte Roman H. nur, dass er über seine Ex-Frau kein Wort öffentlich verlieren werde. 

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