"Das sind keine netten Jungs"

Interview mit Matthias Huber, Regisseur von "Tintenherz"

Theater für Familien und größere Kinder - das bietet das Schauspielhaus mit der Bühnenfassung von Cornelia Funkes Erfolgsroman "Tintenherz". Der BLICK sprach mit Regisseur und Schauspielhaus-Dramaturg Matthias Huber.

Herr Huber, wie kommt man auf "Tintenherz"?

Nach den Weihnachtsmärchen der vergangenen drei Jahre wie "Die Schneekönigin" und "König Drosselbart" -, die alle auf Familien mit kleineren Kindern ausgerichtet waren, wollten wir im Spielplan ein Stück für größere Kinder anbieten. "Tintenherz" ist einer der fantasievollsten Stoffe, der sich auch für die ganze Familie eignet, eine Bühnenfassung lag vor - so bot sich das an.

Wer den Film kennt, erwartet eine bunte Bühnenshow - tatsächlich ist aber vieles recht düster.

Ja, der Roman ist aus meiner Sicht tatsächlich viel schwärzer als der Film, aber auch "erwachsener" als die vorhandene Bühnenfassung. Deshalb haben wir uns bei der Inszenierung am stärksten am Roman orientiert. Man kann das zum Beispiel an der Figur der Meggie sehen: In der vorhandenen Bühnenfassung war sie ein ängstliches, kleines Mädchen, im Roman ist sie viel stärker - das haben wir für uns benutzt.

Nun ist das Stück zeitweise beinahe gruselig: wie zum Beispiel Staubfinger auftaucht, aber auch die Kulisse mit einem Berg verbrannter Bücher...

Die Bösewichte im Roman sind auch keine netten Jungs: Capricorn ist die Bösartigkeit schlechthin, wir haben mit dem Bühnenbild versucht, auch dunkle Assoziationen zu wecken und eine Bücherverbrennung ist eine sehr dunkle Assoziation. Weitergeführt wird dies auch mit den Wachtürmen im Hintergrund, die den Überwachungsstaat andeuten, den er errichten will, oder mit der sehr atmosphärischen Musik von René Szymanski.

Trotzdem sind zwei der Bösewichte, Basta und Flachnase, auch für die komischen Momente zuständig...

Figuren, die so heißen, sind per se nicht als die hellsten Köpfe angelegt, aber das schließt ja Bedrohlichkeit nicht aus: Sie sind komisch als Gegensatzpaar untereinander, aber das endet sofort, wenn sie mit anderen Menschen zu tun haben.

Manche sprechen jetzt von einem "Theaterfilm", der Ihnen gelungen ist. War das das Ziel?

Uns ging es um zwei Sachen: Die Zuschauer bei den Bildwelten abholen, die sie kennen - also durchaus auch das Breitwandkino. Andererseits kann man natürlich viele Filmeffekte im Theater nicht bieten. Dennoch wollten wir so viel Illusion wie möglich - die plötzliche Materialisierung von Menschen zum Beispiel oder eine Bibliothek, die unendlich groß wirkt. Das mit den Mitteln des Theaters zu erreichen, war unsere Aufgabe.

Nächste Aufführungen am 4. und 5. November. vtz