Das Wohnzimmer der Stadt

Jubiläum Chemnitzer Stadtbibliothek wird 150 Jahre alt

Im Jahr 1869 öffnete die erste Stadtbibliothek von Chemnitz ihre Türen - in der Lechla'schen Villa auf der Annaberger Straße, mit 444 Büchern, für zwei Stunden in der Woche und ausschließlich für Gelehrte.

Heute, 150 Jahre später, ist die Einrichtung im Tietz mit insgesamt 500.000 Medien ausgestattet und bewahrt Wissen in Druckerzeugnissen aus neun Jahrhunderten auf. "Die Bibliothek hat sich zum Wohnzimmer der Stadt entwickelt", sagt Direktorin Elke Beer, die seit 1990 in der Bücherei arbeitet.

Der Vorreiter: Chemnitzer Stadtbibliothek

Für das Jubiläumsjahr hat sich das Bibliotheksteam eine Reihe an Veranstaltungen einfallen lassen. Namhafte Autoren kommen beispielsweise mit Max Goldt am 28. Juni, Stefan Schwarz am 12. September, Dominique Horwitz am 21. September oder Peter Stamm am 6. November in die Stadt. Einen "literarisch-musikalischen Blumenstrauß" zum 150. Geburtstag gibt es am 7. Juni im Tietz. Die hiesigen Bibliothekare haben seit 1869 immer wieder Pionierleistungen in der Entwicklung des deutschen Bibliothekswesen vollbracht, wie Direktorin Elke Beer informierte. So wurde beispielsweise 1976 die erste Fremdsprachenbibliothek der DDR mit 18.000 Medien in Karl-Marx-Stadt eröffnet. Im Jahr 1997 gehörte Chemnitz dann, neben Köln und Düsseldorf, zu den ersten Büchereien in der Bundesrepublik, die das Internet für ihre Nutzer anbot.

Leseförderung und Inklusion als große Aufgaben

Das Internet führte in den letzten Jahren zu einem Wandel. Neue Medien, Plattformen, Lizenzmodelle und Techniken hielten Einzug. "Die Entleihungen werden weniger, aber die Bibliothek wird mehr zu einem Ort des Treffens", sagte Elke Beer.

Hauptaufgabe der Einrichtung sei nach wie vor die Leseförderung. Dafür ist unter anderem der Bücherbus, der in der Stadt unterwegs ist und so alle Einwohner erreicht, ein gutes Mittel. "Kurze Beine brauchen kurze Wege. Der Bus ist aber in die Jahre gekommen. Wir brauchen dringend einen neuen", so Beer. Außerdem in der mittelfristigen Planung: eine führende Rolle in punkto Inklusion und Integration einnehmen. So soll zum Beispiel ein Leitsystem für Sehgeschädigte aufgebaut werden.