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DDR-Seitenwagenduo: Wiedersehen nach 64 Jahren auf tragische Weise verhindert

Leute Nach einer Ewigkeitwaren sich beide sehr nah

Es war ein BLICK-Artikel Mitte August über das legendäre Chemnitzer DDR-Seitenwagenduo der Fünfziger, Fritz Bagge und Kurt Schönherr. An die Redaktion gewandt, hatte sich daraufhin die Enkelin des damaligen Karl-Marx-Städters, der bereits 1963 im Alter von nur 49 Jahren verstarb, Kerstin Rood aus Hannover. Deren Onkel Klaus Bagge hatte Kurt Schönherr seit seinem zehnten Lebensjahr aus den Augen verloren und suchte schon lange den Kontakt. Denn sein Vater und Kurt Schönherr waren nicht nur auf der Rennstrecke ein eingespieltes Team, die beiden standen sich auch privat sehr nahe, hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Und den kleinen Klaus kannte Kurt natürlich gut, der den beiden in der Werkstatt an den Fersen klebte und oft im Fahrerlager ins Boot kletterte, natürlich nicht, ohne vorher Kurts Helm aufzusetzen.

Dann kam der Herbst des Jahres 1956 und Fritz Bagge und seine Frau Hanni blieben bei einem Besuch der Verwandtschaft im Westen spontan in Hannover. Eindringlich bat Hanni daraufhin um einen großen Dienst. Kurt sollte die beiden Kinder Heidi und Klaus, die noch in Chemnitz waren, in die Westzone bringen. Und Kurt Schönherr half, ihre beiden Kinder nachzuholen, ungeachtet des immensen Risikos für ihn. Für Kurt Schönherr stand alles auf dem Spiel. Dennoch fuhr er im September in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit dem BMW seines Freundes, auf der Rücksitzbank die zwei kleinen Kinder, von Chemnitz nach Nürnberg. Der 87-Jährige erinnert sich an das geheime Unternehmen: "Ich habe sie, wie ausgemacht, zum Sportfreund Ernst Ebersberger nach Nürnberg gebracht. Aus Sicherheitsgründen holten Fritz und Hanni die beiden von dort ab. Für mich war es ein Risiko, doch vor dem Mauerbau im Jahr 1961 war die Grenze noch durchlässig. Zum Glück ist alles gut gegangen."

Nachdem der Chemnitzer nun nach all den Jahren zum Telefon griff und sich am anderen Ende der Leitung tatsächlich Klaus meldete, war das wohl der schönste Moment der beiden, die sich natürlich verabredeten. Geplant war, dass der 87-Jährige Chemnitzer schon in dieser Woche den Sohn seines Freundes in Hannover besuchen würde. Doch das Schicksal wollte es anders. Kurze Zeit später meldete sich die Nichte Klaus Bagges und teilte ihm mit, dass ihr Onkel am Sonntag den Kampf gegen den Lungenkrebs verloren habe.