• Corona-News
  • Sachsen
  • Chemnitz
  • Erzgebirge
  • Mittelsachsen
  • Vogtland
  • Westsachsen

Der langsame Abschied des Chemnitzer FC...?

FUSSBALL Sorge und Neuerburg stehen für neuen Notvorstand nicht mehr zur Verfügung

Chemnitz. 

Chemnitz. Am Samstag endet das Mandat für den Mitte Mai vom Amtsgericht Chemnitz bestellten Notvorstand offiziell. Dieser bestand - nach dem Rücktritt vom Vorstandsvorsitzenden Andreas Georgi zur Mitgliederversammlung - nur noch aus Frank Sorge und Annette Neuerburg und war beschluss- und damit handlungsunfähig geworden. Sowohl der ehemalige FCK-Kicker Sorge als auch die Rechtsanwältin Neuerburg werden im neuen Notvorstand nicht mehr vertreten sein. Neuerburg erklärte dazu in einem Schreiben: "Daher habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschieden, für eine Verlängerung (...) nicht zur Verfügung zu stehen." Sie benannte allerdings noch drei Kandidaten für den neuen Notvorstand. Sorge, der zur Mitgliederversammlung in den Ehrenrat gewählt wurde, äußerte schon damals: "Irgendwann ist auch meine Geduld am Ende. Dass muss ich mir nicht mehr antun."

Neuerburg: "Jeder Verein lebt von seinen Mitgliedern."

Zuvor hatte es das Trio um Neuerburg, Sorge und Georgi - trotz heftigem Widerstand und zahlreicher Diffamierungen vonseiten des Insolvenzverwalters Klaus Siemon, die äußerst "befremdlich" anmuteten - geschafft, die längst überfällige Mitgliederversammlung abzuhalten und damit dem Einsetzungsgrund des Amtsgerichts nachzukommen. Finanzierung, Organisation und Durchführung sind entsprechend als Erfolg zu bewerten, es "hat sich jedoch gezeigt, dass die Einbeziehung der Mitglieder und eine demokratische Wahl nicht gewollt" waren und stattdessen "persönliche Befindlichkeit" im Vordergrund standen, fasst Neuerburg die mehr als fünf Stunden andauernde Mitgliederversammlung zusammen. Elementar ist und bleibt für sie die Frage, wie der CFC und damit der Profifußball in Chemnitz erhalten werden kann.

Neuer Notvorstand, alte Aufgabe

Als letzte Amtshandlung teilte Neuerburg dem Amtsgericht Chemnitz drei aus ihrer Sicht geeignete Kandidaten für den neuen Notvorstand mit. Insolvenzverwalter Klaus Siemon hatte das wiederum bereits zwei Tage nach der gescheiterten Aufsichtsratswahl getan. In der Personalie des ehemaligen Chemnitzer Oberstaatsanwalt Siegfried Rümmler ist man sich indes einig, allerdings gehen bei der zweiten und dritten Person die Meinungen weit auseinander. Neuerburg schlägt mit Prokuristin Grit Hoffmann von Niles-Simmons-Hegenscheidt und Udo Pfeifer zwei Vertreter der CFC-GmbH-Gesellschafter vor. Hintergrund ist, dass sich beide in der Öffentlichkeit mehrfach für Erhalt und Fortführung des Nachwuchsleistungszentrums unter dem Dach des Chemnitzer FC e.V. ausgesprochen haben. An diesen Worten müssen sie sich beide folglich messen lassen.

Siemon wiederum plädiert für Thomas Sobotzik, Geschäftsführer der Chemnitzer FC Fußball GmbH, und Romy Polster, stellvertretende Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der CFC-GmbH. In einer Mail vom 01. August 2019 hatte der Insolvenzverwalter die Gesellschafter über sein Vorhaben unterrichtet: "Ich werde nun den Betrieb des NLZ aus dem Insolvenzbeschlag freigeben. Dies eröffnet der GmbH die Möglichkeit, die notwendigen Teile des NLZ zu übernehmen und dem Verein dafür maximale Bedingungen zu stellen." Der Nachwuchs sollte mit einem gesellschafter-dominierten Aufsichtsrat - und unter Missachtung der 50+1-Regel - zum Spielball werden, nur vertraten die himmelblauen Mitglieder letztlich eine andere Auffassung.

Provozierter Eklat auf der Mitgliederversammlung

Die Mitgliederversammlung des Chemnitzer FC e.V., an der fast 700 stimmberechtigte Himmelblaue teilnahmen, verlief bis zur Wahl des Aufsichtsrates sachlich und recht ruhig. Im Vorfeld dieser hatte es allerhand Diskussionen gegeben, final wurde sich dann auf eine dem Insolvenzverwalter genehmere Namensliste geeinigt. Die Mitglieder entschieden sich im ersten Wahldurchgang aber gegen die Annahme der Liste. 405 stimmten gegen und nur 299 waren für diese. Es folgte die Einzelwahl, in welcher Annette Neuerburg, Tino Kermer, Norman Löster und Knut Müller jeweils Mehrheiten erhielten; Katrin Johst und Doreen Pfeifer wurde hingegen eine Absage erteilt. Als letzter Kandidat stand Olaf Pönisch zur Wahl, der - nach einer guten Ansprache gegenüber den Mitgliedern - sicherlich gewählt worden wäre, allerdings verweigerte er diese und damit auch die Übernahme von Verantwortung. Nach der gescheiterten Aufsichtsratswahl lagen bei einigen Anwesenden die Nerven blank, Pönisch selbst beschimpfte Medienvertreter und Mitglieder gleichermaßen und schob ihnen die Schuld in die Schuhe.

Die Schuldfrage im "System Siemon"

Für Klaus Siemon waren ebenfalls der insolvenz-rechtlich inkompetente Notvorstand sowie die CFC-Mitglieder hauptverantwortlich. Via E-Mail ließ er mitteilen: "Die Mitgliederversammlung hat es versäumt, meinen Anweisungen gem. Schreiben vom 11.8.2019 Folge zu leisten. (...) Nach meiner Rechtsauffassung sind deshalb sämtliche gefassten Beschlüsse (...) insbesondere die Neuwahl des Ehrenrats unwirksam." Das Oberlandesgericht Dresden antwortete diesbezüglich prompt und eindeutig: "Die Mitgliederversammlung habe gezeigt, dass von ihm genehmigte Listen keine Garantie für die Wahl ihm genehmerer Kandidaten sei."

Das "System Siemon" lebt einerseits davon, sich Schuldige zu suchen, und zum zweiten, fehlende Unterstützung zu beklagen. Die Trauerzeremonie für einen Ex-Neonazi, die vor dem Spiel gegen die VSG Altglienicke abgehalten wurde, verdeutlicht diese Strategie. Die Verantwortung trug einzig Veranstaltungsleiter Thomas Uhlig, der infolgedessen als Geschäftsführer der CFC Fußball GmbH und als Vorstand des Chemnitzer FC e.V. zurücktrat. Weiterhin erhielten drei Angestellte ihre Kündigung. Auf der denkwürdigen Pressekonferenz danach baten Klaus Siemon und Thomas Sobotzik nicht nur um Unterstützung, sondern nahmen die Trauerzeremonie auch als Alibi für den Verlust mehrerer langjähriger Sponsoren. Dass diese jedoch viel früher ihren Rücktritt angekündigt hatte, wurde absichtlich verschwiegen. Darüber hinaus scheinen Erpressung und Nötigung ebenfalls als legitime Mittel angesehen zu werden.

Siemon: "Kampf gegen das Insolvenzrecht ist aussichtslos."

An Neuerburg und Georgi trat der Insolvenzverwalter via E-Mail am 21. August mit folgendem Anliegen heran: "Kampf einzustellen bedeutet, keinerlei Aktivitäten von Notvorstand und RA Georgi und ähnlich gesinnter Personen." Wird auf die Siemon-Forderungen nicht eingegangen, bereitet der Insolvenzverwalter eine "Schadensersatzklage wegen rechtswidriger Anträge" vor. Das Vorgehen erinnert an die Schadensersatzansprüche in sechsstelliger Höhe gegenüber dem Freistaat Sachsen und dem städtischen Unternehmen "Eins Energie". Das alles erweckt weiterhin den Eindruck, dass die "viel beschworenen Werte Demokratie, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit nur Lippenbekenntnisse" sind.

Fortsetzung Fanboykott

Das Verhältnis zwischen Fans und Mitglieder einerseits und dem Insolvenzverwalter sowie den Verantwortlichen der Chemnitzer FC Fußball GmbH andererseits wird sich auch am kommenden Freitag nicht verbessern. Im Gegenteil: Der Boykott, der zum letzten Heimspiel beim torlosen Remis gegen den 1. FC Magdeburg begann, wird am gegen den TSV 1860 München fortgesetzt. Aufgrund von sicherheitsrelevanter Aspekte wird das Kellerduell zwischen dem Vorletzten und Drittletzten bereits 18 Uhr im "Stadion - An der Gellertstraße" angepfiffen.



Prospekte