"Der Rote Ritter" macht das Epos zum Küchwalderlebnis

Theater Premiere am 10. Juni in Chemnitz

Foto: Michael Chlebusch

Man nannte Chemnitz ja schon das sächsische Bayreuth. Nun, Wagner-Opern gibt es zwar erst in der nächsten Spielzeit wieder auf hiesigen Bühnen zu sehen, aber einen Parzival präsentiert das Schauspielhaus schonmal vorab bei seinem Sommertheater im Küchwald. Der kommt allerdings weit weniger ehrfürchtig daher, als der große Name es vermuten lässt. Denn "Der Rote Ritter", so der Titel des Schauspiels, ist eine Aventüre, die sich ganz grundlegenden Fragen des Menschseins und Erwachsenwerdens widmet.

Ausgangspunkt ist dabei der junge Parzival (Dominik Förtsch), der allein mit seiner Mutter im Wald lebt. Da wächst er blauäugig und weltfremd auf, bis eines Tages eine Ritterschar durch den Wald zieht und Parzival erfährt, dass auch ihm von König Artus (Marko Bullack) die Ritterschaft verliehen werden könne. Doch bald nach seinem Aufbruch zum Hof muss er feststellen, dass es gar nicht so leicht ist, sich in dieser Welt mit ihren Werten und Gepflogenheiten zurecht zu finden. Und dann ist da schließlich noch der Heilige Gral zu finden.

Ein Stück mit Identifikationsfaktor

Sein Roter Ritter sei für ihn eine Jugendgeschichte, erklärt Regisseur Tilo Krügel. Der Stoff, wie er ihn erzählt, will kein Ritterspektakel sein, sondern eine Parabel für Familien, für Mädchen und Jungen auf der Suche, für aktuelle Probleme. So gibt es darin auch skurrile Elemente wie Reisende aus der Zukunft oder BMX-Radler im Gefolge des Königs.

Vor einem Jahr begann Krügel mit dem Schreiben des Stücks, seit zwei Jahren laufen die Planungen. Krügel ist festes Ensemblemitglied am Leipziger Schauspielhaus und war das zuvor lange Jahre in Chemnitz. Er sei unweit der Küchwaldbühne aufgewachsen und verbinde viele Erinnerungen mit ihr: vom Karat-Konzert bis zur Vorführung von Dirty Dancing. Nun also Parzival.

Die Küchwaldbühne und ihre Besonderheiten

Seine Fassung schrieb er der Küchwaldbühne auf den Leib mit vielen Anspielungen auf den Ort, mit vielen teils vor Ort entwickelten Spielideen, die sich dem einzigartigen Gelände widmen. Selbst wenn die Ritterschar außer Sichtweite des Publikums am Zaun vorbei zieht, wird sie für Passanten noch spielen. Auch die Besonderheiten eines Freilichttheaters hat er bedacht. Fast 30 Personen werden hier spielen und doch müsse eine gewisse Grundspannung erzeugt werden, die es auf einer intimen Bühne bereits gibt.

So schuf Jens Pflug für Krügel eine musikalische Untermalung, die das Stück fast durchgängig, analog zu Lichtstimmungen begleiten wird. Und dann ist da noch das stimmige Bühnenbild und die einzigartigen Kostüme von Agathe MacQueen und Lisa Schoppmann, die mit klarer Linie und spannenden Kontrasten Wirkung entfalten.

In welcher Form sich der Heilige Gral präsentiert, erfährt das Publikum allerdings erst zur Premiere des "Roten Ritters": am 10. Juni um 17 Uhr. Das Stück läuft dann mehrmals wöchentlich bis zum 2. Juli.