"Die Kinder sind ab 18 Uhr alle weg"

Weihnachtsmarkt Schausteller-Chef Klaus Illgen kritisiert verlängerte Öffnungszeiten

Bis 21 Uhr hat der Chemnitzer Weihnachtsmarkt in diesem Jahr täglich geöffnet, das ist eine Stunde länger als in den vergangenen Jahren. Doch ob diese Neuerung tatsächlich einen positiven Effekt hat, darüber gehen die Meinungen nach einer Woche Probe aufs Exempel auseinander. "Händler, die Heißgetränke verkaufen profitieren davon auf jeden Fall", sagt Steffen Lubojanski, der vor dem Rathaus frisch geröstete Kaffeespezialitäten und heißes, auf 70 Grad erhitztes Bier feilbietet. Speziell letzteres gehe weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. "Der Alkoholgehalt ist mit sechs Prozent nur etwa halb so hoch wie beim Glühwein. Gerade ältere Leute legen da großen Wert darauf, was ich so nicht vermutet hätte", sagt er.

Klaus Illgen kann den längeren Öffnungszeiten hingegen nichts abgewinnen. "Wir sind für die Kinder da und die sind ab 18 Uhr alle weg. Der Weihnachtsmarkt muss aufpassen, dass er sich nicht zu einem Glühweinmarkt ohne jede Besinnlichkeit entwickelt", so der Schausteller-Chef.

Glück hat die Stadt diesmal bislang indes mit dem Wetter: Knackige Kälte und beachtliche Schneemengen sorgen tatsächlich für eine weihnachtliche Atmosphäre, wie auch Jennifer Wenzel und ihre Freunde gestern fanden. Für die Schüler gehört der Weihnachtsmarkt jedes Jahr zum Pflichtprogramm. "Das Flair ist schon sehr schön. Allerdings mag ich es nicht so sehr, wenn es zu voll ist", so die Frankenbergerin. Mit Frau und seinen drei Kindern schaute indes Ralph Sonntag am Mittag vorbei und ließ sich eine Bratwurst schmecken. "Normalerweise gehe ich immer nur mal kurz drüber, aber heute ist Familientag", sagte er. Dass auch die umliegenden Händler vom Weihnachtsmarkt profitieren, bestätigte Diana Winkler. "Es finden mehr Kunden in meinen Laden als sonst. Aufgefallen ist mir in diesem Jahr, die große Anzahl von Menschen aus anderen Regionen Deutschlands. Ich finde das toll", so die Inhaberin des Buchladens "Monokel" an der Inneren Klosterstraße.